Natur und Umwelt

Weitere 2.000 Hektar Wald in Nordschleswig verwildern

2.000 Hektar Wald in Nordschleswig sollen verwildern

Weitere 2.000 Hektar Wald in Nordschleswig verwildern

Apenrade/Aabenraa
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Zu den staatlichen Wäldern, in denen die forstwirtschaftliche Nutzung eingestellt werden soll, zählt das Norderholz auf Alsen. Künftig sollen Teile der „unberührten" Wälder so ihr offizieller Status, wie heute bereits das Norderholz, beweidet werden, um für die Natur wichtige Lichtungen zu erhalten. Foto: Volker Heesch

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Die dänische Regierung und ihre Unterstützerparteie verständigen sich auf die Einstellung der forstwirtschaftlichen Nutzung von Gehölzen wie der Kelstrup Plantage bei Holebüll, dem Norderholz auf Alsen und Apenrades Jürgensgaarder Wald. Landesweit werden in 30.000 Hektar Staatswald die Motorsägen abgestellt. Auch ein Moor steht auf der Liste.

In Nordschleswig sollen gut 2.000 Hektar bisher noch wirtschaftlich genutzter staatlicher Wald in den kommenden Jahren aus der kommerziellen Forstwirtschaft ausscheiden.

Wälder an der Ostküste Schwerpunkt

Landesweit werden in insgesamt 30.000 Hektar Wald, oftmals Laubwälder wie das Norderholz (Nørreskoven) und das Süderholz (Sønderskoven) auf Alsen, der Jürgensgaarder Wald in Apenrade oder ein Nadelgehölz wie die Kelstrup Plantage bei Holebüll (Holbøl) nicht länger Bau- oder Brennholz gewonnen, so Umweltministerin Lea Wermelin (Sozialdemokraten). Ihre Partei hat sich mit der Sozialistischen Volkspartei, den Radikalen, der Einheitslise und den Alternativen auf die Verwilderung vieler Staatsforste verständigt, um der in Dänemark von Artenschwund und Verarmung geprägten Natur unter die Arme zu greifen. Bis 2026 soll der Holzeinschlag auf 20 Prozent der bisherigen Entnahme von Nutzholz gesenkt werden.

Nicht heimische Baumarten sollen verschwinden

Es werden in den kommenden Jahren in den Wäldern, die das Verwilderungsprogramm umfasst, nicht heimische Baumarten dezimiert. Das beim Fällen von Fichten, Lärchen, Birken und Kiefern anfallende Holz wird der Holzindustrie zugeführt. Wo Nadelhölzer verschwinden, sollen möglichst Lichtungen und Feuchtgebiete erhalten bleiben. So ist auch vorgesehen, Entwässerungen zu beenden. Später sollen abgestorbene Bäume im Wald verbleiben, um seltenen wirbellosen Tieren und der Vogelwelt bessere Lebensbedingungen zu bieten.

Bald 55.000 Hektar „unberührte“ Wälder

Landesweit steigt die Fläche der Wälder, die als Urwald oder unberührter Wald ausgelegt werden, auf 55.000 Hektar und ist Teil des Konzeptes, das im Rahmen des mit 888 Millionen Kronen im Haushalt 2020 vereinbarten „Biodiversitätspakets“ durchgeführt wird. Nach Angaben des Umweltministeriums liegt der Schwerpunkt der Verwilderung im Bereich der Ostküste und auf Seeland. Insgesamt gibt es in Dänemark 625.000 Hektar Wald, überwiegend besteht er aus Nadelholzforsten.

Weiteres Programm an der Westküste geplant

Es ist vorgesehen, in einem weiteren Programm staatlichen Nadelwald im Bereich des westlichen Jütlands ebenfalls in naturnahen, wilden Wald umzuwandeln. Im vergangenen Jahr waren bereits 25.000 Hektar Wald als Urwald auserkoren worden. Für alle Wälder im neuen Programm werden eigenständige Verwaltungspläne unter Einbeziehung der Bevölkerung erarbeitet. Im Rahmen des neuen Projektes werden auch Mittel zur Kartierung von wertvoller Natur in privaten Wäldern zur Verfügung gestellt. Die privaten Waldbesitzer können damit ihre Wälder unter anderem als nachhaltig genutzte Bestände zertifizieren lassen. Die verwilderten Wälder sollen für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben. Teilweise ist das Beweiden von Flächen vorgesehen, wozu auch Einzäunungen vorgenommen werden können.

In den neuen naturnahen Wäldern könnten sich wieder Laubmischwälder wie im Drawitter Wald entwickeln, wo noch Linden heimisch sind. Foto: Volker Heesch

„In den unberührten Wäldern wird es künftig eine große Variation mit abgestorbenen Bäumen, mehr alten Bäumen, Lichtungen und Waldmooren geben. Die Wälder werden vielen bedrohten und seltenen Arten neuen Lebensraum geben. Uns allen werden neue Natur- und Freizeiterlebnisse geboten“, schwärmt Umweltministerin Lea Wermelin. Mit der Übergangsordnung zum Holzeinschlag komme man der holzverarbeitenden Industrie entgegen.

Raum für Naturerlebnisse

„Ich freue mich bereits darauf, die unberührten Wälder zu besuchen und die Entwicklung des Tier- und Pflanzenlebens zu verfolgen“, so die radikale Umweltsprecherin Zenia Stampe. Peder Hvelplund von der Einheitsliste erklärte nach der Verständigung auf das neue Konzept: „Tier- und Pflanzenarten verschwinden zu Tausenden. Es ist uns allen eine Mahnung, dass hier und jetzt etwas unternommen werden muss. Die Natur ist dabei der schwächere Partner, der sich selbst nicht zu Wort melden kann. Deshalb sind die 30.000 Hektar neuer unberührter Wald ein wichtiger Schritt nach vorn. Der sozialdemokratische Umweltsprecher Kasper Roug stellte fest, dass es nicht genüge, die Motorsägen in Pension zu schicken. „Wenn wir rasche Ergebnisse sehen wollen, dann ist auch eine Renaturierung erforderlich“, sagte er.

Teil der neuen Naturnationalparks

Die neuen unberührten Wälder sollen auch eine Rolle bei der geplanten Ausweisung von Naturnationalparks spielen, gegen die es in vielen Kommunen Widerstand gibt. Im Bereich der Abteilung Wattenmeer (Naturstyrelsen Vadehavet) der staatlichen Naturbehörde in Nordschleswig sind nur wenige Verwilderungsprojekte vorgesehen. Dazu zählen der „Mandbjerg Skov“ bei Toftlund, zwei Wälder bei Jels und das Kuxbüller Moor bei Hoyer (Højer).

Folgende Wälder im Bereich von „Naturstyreslen Sønderjylland“ sind zur Herausnahme aus der Forstwirtschaft vorgesehen:

Rode Skov und Kelstrup Plantage bei Holebüll

Buskmose Skov bei Rinkenis (Rinkenæs)

Hjelmvrå bei Hammeleff (Hammelev)

Wald bei Törning Mühle (Tørning Mølle)

Jürgensgaarder Wald, Nørresskov bei Apenrade

Roden Skov bei Gravenstein (Gråsten)

Skelde Kobbelskov auf Broackerland (Broagerland)

Kitschelunder Forst (Kiskelund Plantage) bei Krusau (Kruså)

Norderholz (Nørreskoven), Süderholz (Sønderskoven), Arnkieler Wald (Arnkil Skov) Oleskobbel und Lambjerg Intægt auf Alsen (Als)

Haderslev Sønderskov, Haderslev Østerskov, Haderslev Vesterskov und Hytterkobbel Skov bei Hadersleben(Haderslev)

Revsø Skov bei Christiansfeld.

Kuxbüller Moor als Wald in der Liste

Das Moor als Verwilderungsbereich verwundert auf Nachfrage des „Nordschleswigers“ den Förster der dortigen Behörde, Jens Hjerrild Hansen. „Dort gibt es keine Forstwirtschaft. Wir arbeiten daran, das Moor wieder zu vernässen und ein Zuwachsen mit Bäumen zu verhindern“, berichtet Hjerrild Hansen und fügt hinzu, dass man auf Erfolge bei der Moorrenaturierung setzt, wenn nicht nur die Kommune Tondern für neue Feuchtwiesen in Nachbarschaft des Moores sorgt, sondern auch mit einer Wiedervernässung des Seiersbeker Koogs (Sejersbek kog) die Austrocknung des einstigen Hochmoores beendet wird.

Auch das Kuxbüller Moor wird als zur Verwilderung vorgesehener Wald in der Liste aufgeführt. Dort setzt die Naturbehörde allerdings die Wiedervernässung fort, damit dort künftig wieder mehr Wollgras (Foto) gedeihen kann. Foto: Volker Heesch

Im Kuxbüller Moor bestand die wirtschaftliche Nutzung lange aus der Gewinnung von Torf als Brennstoff. Auf der Liste der unberührten Wälder taucht in der Filiale „Naturstyrelsen Sønderjylland“, der Naturbehörde mit Sitz in Gravenstein (Gråsten), auch der Tingleffer See auf.

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Hanns Peter Blume
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