Umwelt und Natur

Kommunen und Bürger in Nordschleswig müssen Giftspritze einmotten

Kommunen und Bürger müssen Giftspritze einmotten

Kommunen und Bürger müssen Giftspritze einmotten

Apenrade/Kopenhagen
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In der Kommune Tondern, auf dem Foto bei der Wiedauschleuse, wird bisher noch mit Pestiziden gegen Unkraut vorgegangen. Das soll sich ändern, so Umweltministerin Lea Wermelin (Sozialdemokraten), denn gerade an befestigten Bereichen wie bei der Schleuse werden giftige Substanzen wie Glyphosat rasch ausgewaschen und in Gewässer und Untergrund gespült. Foto: Volker Heesch

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Nur in Sonderburg und Apenrade ist bei der kommunalen Wege- und Grünflächenpflege der Einsatz von Pflanzenvernichtern stark eingeschränkt worden. Die Umweltministerin zieht Konsequenzen aus Erhebung zum Pestizideinsatz: Viele Kommunen verhängen einen Giftstopp, die übrigen versprühen mehr bedenkliche Chemikalien.

Nach der Ankündigung von Umweltministerin Lea Wermelin (Sozialdemokraten), per Gesetz den Einsatz von Pflanzenvernichtungsmitteln durch Privatpersonen auf Grundstücksauffahrten, Terrassen und anderen befestigten Flächen ebenso wie bei der kommunalen Pflege von Wegen und Grünflächen zu verbieten, müssen auch die Kommunen in Nordschleswig Konsequenzen ziehen.

Sonderburg und Apenrade fast ohne Giftspritze

Im Landesteil haben bisher nur die Kommunen Sonderburg (Sønderborg) und Apenrade (Aabenraa) den Einsatz von Pestiziden, vor allem glyphosathaltige Mittel, stark eingeschränkt. Die Kommunen Tondern (Tønder) und Hadersleben (Haderslev) setzen bisher darauf, dass Glyphosat noch „gezielt“ eingesetzt werden darf. Das heißt, auf öffentlichen Flächen wie Rinnsteinen, Gehwegen und an Radwegen an Stellen mit unerwünschtem Pflanzenbewuchs. In Apenrade und Sonderburg werden die Mittel ausnahmsweise versprüht, beispielsweise gegen invasive Pflanzenarten wie den Riesenbärenklau oder Riesenknöterich.

In der Kommune Apenrade wird auch mit mechanischen Mitteln eine invasive Pflanze wie der Riesenknöterichbekämpft. Foto: Volker Heesch

In Apenrade wird aber auch gegen solche Pflanzen mit ungefährlicheren, mechanischen Bekämpfungsmaßnahmen umgestellt. Der für Wege und Parks zuständige leitende Mitarbeiter der Kommune Tondern, Christian Kjær Andersen, erklärt, dass in der Kommune Tondern die Unkrautbekämpfung im Zuge der Wege- und Gründflächenunterhaltung seit 2016 durch private Unternehmen durchgeführt wird. „Sie dürfen aber nur Geräte einsetzen, bei denen vor dem Versprühen von Glyphosat der Pflanzenbewuchs registriert wird. Dadurch haben wir die Pestizidmengen deutlich verringern können“, so Kjær Andersen, der sich die „Anprangerung“ Tonderns als Kommune mit sehr hohem Pestizidverbrauch damit erklärt, dass sehr große Flächen und Wegstrecken unterhalten werden müssen.

Wir haben inzwischen aber auch neue Verfahren getestet, um Unkraut durch Bespritzen der Blätter und Stängel mit heißem Wasser abzutöten.

Christian Kjær Andersen, Wege- und Grünverwaltung der Kommune Tondern.

„Wir sind von der Fläche her die viertgrößte Kommune in Dänemark“, berichtet er. „Wir haben inzwischen aber auch neue Verfahren getestet, um Unkraut durch Bespritzen der Blätter und Stängel mit heißem Wasser abzutöten“, erläutert er. Das sei vor allem eine Alternative zum Einsatz von Unkrautbrennern, die vor allem in Trockenzeiten mit Feuergefahr verbunden sind und wegen ihres Kohlendioxidausstoßes in der Kritik stehen.

Gehwege und Radwege müssen vegetationsfrei sein

„Die Gehwege und Radwege müssen aber von Pflanzenwuchs freigehalten werden, um nicht zerstört zu werden“, unterstreicht er. Er sieht aber auch Möglichkeiten, dass mehr öffentliche Flächen „verwildern“ dürfen und Wege seltener bearbeitet werden. „Das müssen die Bürger dann aber auch akzeptieren, denn in den vergangenen Jahren gab es auch die Tendenz, sich bei der Kommune zu beschweren, wenn die Rinnsteine irgendwo nicht wie geleckt aussahen“, berichtet der Mitarbeiter der Kommune.

Neues Gesetz gegen Gifteinsatz umsetzbar

Seiner Ansicht nach könnte die Kommune Tondern neue Vorschriften des Umweltministeriums umsetzen, die ein weitgehendes Verbot des Pestizideinsatzes vorsehen. Allerdings sei mit höheren Ausgaben zu rechnen. Momentan verwendeten die Privatunternehmen im Auftrag der Kommune Tondern natürlich die Pestizide, um möglichst kostengünstig arbeiten zu können. Das dänische Umweltministerium weist auf der Grundlage des neuesten Berichts der Umweltbehörde „Miljøstyrelsen“ darauf hin, dass seit 2016 die Menge der von allen Kommunen ausgebrachten Pestizidmenge gestiegen ist. Allerdings werden mehr leicht abbaubare Stoffe verwendet. Allerdings ist es zum erhöhten Verbrauch gekommen, obwohl immer mehr Kommunen ganz oder fast ganz auf Pestizide verzichtet haben.

Pestizide gerade auf festen Flächen bedenklich

Als Alternative zu Glyphosat, das weltweit in der Kritik steht, möglicherweise krebserregend zu sein, werden als leicht abbaubare Alternativen Pellargonsäure und Essigsäure gegen Pflanzen versprüht. Das Umweltministerium verweist darauf, dass am Glyphosateinsatz besonders bedenklich ist, dass bei Versprühen auf befestigten Steigen und Wegen, aber auch auf Auffahrten und Terrassen eine Auswaschung ins Grundwasser droht, weil unter den befestigten Flächen meist die oberste Mutterbodenschicht entfernt worden ist, was einen Eintrag ins Grundwasser fördert. In Deutschland ist aus diesem Grund seit langem der Einsatz von Pflanzenbekämpfungsmitteln auf Gehwegen und Garageneinfahrten verboten. In den dänischen Kommunen ist der Pestizidverbrauch laut „Miljøstyrelsen¡ von 1.433 Kilogramm Aktivstoff im Jahr 2016 auf 3.400 Kilogramm im Jahr 2000 gestiegen. 2006 war die Menge bereits auf 1.319 Kilogramm abgesenkt worden, nachdem 1995 noch 13.721 Kilogramm ausgebracht worden waren.

Verhandlungen im Folketing

Nach den parlamentarischen Sommerferien will die sozaildemokratische Regierung mit den Folketingsfraktionen über die Ausformung der neuen gesetzlichen Vorschriften zur Ausbringung von Pestiziden auf öffentlichen Flächen und um Privathäuser verhandeln.

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