Leitartikel

„Nimby-Strom“

Nimby-Strom

Nimby-Strom

Nordschleswig
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Immer mehr Solarparks tauchen in unserer Landschaft auf – und stoßen vermehrt auf Kritik in der Bevölkerung. Doch die Alternative ist keine echte Alternative, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Wir wollen nachhaltigen Gütertransport, aber keinen Umschlaghafen in Sichtweite und keinen Güterbahnhof um die Ecke. Wir wollen grünen Strom, aber keine Windkraftanlagen, Solarparks oder Strommasten in unmittelbarer Nähe, und wir wollen saubere Energie, aber keine Biogas-Anlage vor der Nase.

Nimby nennt sich das Phänomen, mit dem vor allem Politiker in diesen Jahren zu kämpfen haben: Not in my backyard – nicht in meinem Hinterhof.

Wir wollen grüne Lösungen für die Zukunft, aber platziert sie bitte woanders, so der Tenor der Proteste. Im flachen Tondern wird immer wieder gegen Windkraftanlagen protestiert, an der Ostküste gab es Einwände gegen Biogasanlagen, und in Hadersleben wird derzeit gerade über neue Standorte für Solarparks diskutiert.

Das Problem ist, dass die grünen und nachhaltigen Lösungen sich oft sehr lokal abspielen, während der Kohleabbau oder die Ölförderung sowohl physisch als auch in unseren Gedanken weit entfernt sind.

Weder Windkraftanlagen, Solarfelder noch Biogastanks sind schön anzusehen. Aber darum geht es nicht. Die Alternative ist heute keine echte Alternative. Ein Beispiel: Wir können nicht mehr auf schwarzen Strom aus Kohle setzen, und haben deshalb bereits einen nachhaltigeren Weg eingeschlagen. Dieser bringt viele Vorteile mit sich – aber eben auch einige Nachteile.

Für die Politik gilt, dass sie die besten Standort-Lösungen finden muss, bei denen so wenig Menschen wie möglich von den Nachteilen betroffen sind, während so viele Menschen wie möglich die Vorteile genießen können. Das ist manchmal eine schwierige Balance, aber Entwicklung ist oft mit einschneidenden Entscheidungen verbunden – und hat einen Preis.

Dieser sollte aber nicht einseitig von den betroffenen Bürger bezahlt werden. Wer an der Energiewende verdienen möchte, muss sich auch an den Kosten beteiligen, die über die eigentliche Investition in die Anlage hinausgehen. Dadurch können hoffentlich noch mehr Menschen von nachhaltigen und grünen Lösungen überzeugt werden – auch wenn man sie vom Hinterhof aus sehen kann.

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