Gesundheit

Umweltministerin besorgt wegen weiterer Pestizidfunde

Umweltministerin besorgt wegen weiterer Pestizidfunde

Umweltministerin besorgt wegen weiterer Pestizidfunde

Apenrade/Kopenhagen
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Die jetzt neu in Überwachungsbrunnen entdeckten Spritzmittelreste durften schon seit Jahren nicht mehr ausgebracht werden. Foto: Henning Bagger / Ritzau Scanpix

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Lea Wermelin (Sozialdemokraten) hat die Umweltbehörde aufgefordert, betroffene Kommunen zu informieren und das Trinkwasser überprüfen zu lassen. Auch ein bedenklicher Nachweis in Nordschleswig.

Das dänische Umweltministerium berichtet in einer Pressemittteilung über den Nachweis von Pestizidabbauprodukten, nachdem die Substanzen auf Initiative der Staatsrevisoren in das landesweite „Screening“ des Grundwassers einbezogen worden sind.

Suche nach 415 Substanzen

Die staatliche Umweltbehörde hat im Jahr 2021 an ausgewählten Brunnen landesweit die Qualität des Grundwassers untersuchen lassen. Bei dem „Screening“ wurden in Dänemark 263 Überwachungsbrunnen auf nicht weniger als 415 Pestizide oder deren Abbauprodukte getestet.

Nach Kritik der Staatsrevisoren ist das „Screening“ um drei Substanzen erweitert worden. Es zeigte sich, dass alle drei Substanzen in einigen Überwachungsbrunnen in unzulässiger Konzentration auftreten. Es handelt sich einmal um Abbauprodukte des Unkrautvertilgers Therbuthylazin, der seit zehn Jahren in Dänemark verboten ist. Er wurde auf Feldern mit Mais, Erbsen, in Obstplantagen, Baumschulen und nach Anpflanzen von Hecken und Büschen eingesetzt.

In 18 bzw. 16 der Brunnen wurden Konzentrationen der LM6 und LM5 genannten Abbauprodukte in Mengen über dem „gesundheitsmäßig akzeptablen Niveau für Kinder“ nachgewiesen.

Einsatz in verschiedenen Kulturen

Neben den beiden genannten Abbauprodukten wurde in den Probebrunnen auch eine Substanz R471811 entdeckt. Es ist ein Abbauprodukt des Mittels Chlorothalonil, das bis zum Jahr 2000 in Dänemark im Handel war. Es wurde gegen Pilze in Kulturen mit Weizen, Kartoffeln, Erdbeeren, Zwiebeln und Porree im Freiland sowie auch in Blumenkulturen und beim Gurken-Anbau eingesetzt.

Während die beiden erstgenannten Substanzen nicht in Nordschleswig auftauchten, gab es einen Nachweis von R471811im zentralen Nordschleswig. Allerdings nicht in gefährlicher Konzentration. Es wurden jedoch in diesem und weiteren acht Brunnen die zulässigen Grenzwerte überschritten.

Lea Wermelin (Sozialdemokraten) erinnert an die Sünden der Vergangenheit beim Umgang mit Pestiziden. Foto: Miljøministeriet

„Es ist sehr besorgniserregend, dass das ,Massenscreening´wieder zeigt, dass Reste von Spritzmitteln in unserem Grundwasser gefunden worden sind“, so Umweltministerin Lea Wermelin (Sozialdemokraten).

Überprüfung wird erweitert

Sie erklärt, dass deshalb auch die Überprüfung des Grundwassers auf weitere schädliche Stoffe ausgedehnt worden ist. „Es soll weiter sicher sein, Wasser aus den Wasserhähnen zu trinken“, so die Ministerin. Die staatliche Gesundheitsbehörde wird vor dem Hintergrund der neuen Funde bedenklicher Substanzen in den Überwachungsbrunnen die betroffenen Kommunen und Wasserwerke informieren.

Die Karte zeigt, wo die Substanz R471811 entdeckt worden ist. Sie ist ein Abbauprodukt des längst verbotenen Anti-Pilz-Mittels Chlorothalonil. Ein Fundort liegt in Nordschleswig. Es könnten noch mehr werden, wenn die Brunnen der Wasserwerke auf die Substanz kontrolliert werden. Foto: Miljøstyrelsen

„Die Untersuchungen zeigen, wie lange wir uns mit den Sünden der Vergangenheit herumschlagen müssen und wie wichtig es ist, dass wir gut auf unser Grundwasser aufpassen“, so Wermelin.

Viele Verstöße bei Kontrolle des Pestizidhandels entdeckt

Ob es allerdings beim Grundwasserschutz nur um Sünden der Vergangenheit geht, ist offen. Zeigte sich doch, dass bei der Kontrolle des Pestizidhandels in Dänemark 2021 bei 63 von 103 Betrieben Verstöße festgestellt wurden. Am häufigsten waren Beanstandungen, dass nicht mehr zugelassene Mittel weiter angeboten wurden.

Bekannt ist, dass landesweit immer noch viele inzwischen verbotene Pestizide gehortet werden. Außerdem werden in Massen zulässige, aber unter dem Verdacht der Gesundheitsschädlichkeit stehende Substanzen wie Glyphosat angewendet, deren Reste sich in fast allen Kleingewässern und Wasserläufen finden. Die Schädigung von dortigen Organismen ist nicht absehbar.

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