Bildung

Mit über 100 ins Nachschuljahr

Mit über 100 ins Nachschuljahr

Mit über 100 ins Nachschuljahr

Tingleff/Tinglev
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Start ins Tingleffer Nachschuljahr anno 2022 Foto: DNT

Die Deutsche Nachschule Tingleff ist am Limit. Mit 111 Jugendlichen ist das neue Jahr eingeläutet worden – so viele, wie noch nie. Die Schülerschaft ist bunt gemischt. Deutsche und dänische, sowie Schülerinnen und Schüler aus anderen Ländern besuchen die Einrichtung am Grønnevej. Es ist eine bewusste Wahl.

Es ist bei der Schnapszahl geblieben. Weniger wurden es nicht und mehr gingen nicht: Mit 111 Schülerinnen und Schüler hat das neue Unterrichtsjahr an der Deutschen Schule Tingleff begonnen.

Am vergangenen Wochenende war Anreisetag.

„Die Nachfrage ist groß. Wir mussten vielen absagen“, so Nachschulleiter Jørn Warm zur aktuellen Entwicklung an der Einrichtung.

Man sei gut durch die Corona-Krise gekommen und das Interesse an einem Besuch der deutschen Nachschule in Tingleff sei nach wie vor groß.

Nachschulleiter Jørn Warm Foto: kjt

Vor der Corona-Krise herrschte bei 107 Schülerinnen und Schüler bereits volles Haus. Mit 111 ist es noch einmal getoppt worden.

Beidseits der Grenze

Die Jugendlichen kommen sowohl aus Deutschland als auch Dänemark.

„Ungefähr fifty-fifty. Darüber hinaus sind vier Gastschüler aus Ungarn sowie Schülerinnen und Schüler aus der Schweiz, von Island und von den Færøern bei uns“, erwähnt der Schulleiter.

Den Jugendlichen aus Ungarn wird wieder in Zusammenarbeit mit der Nordschleswigsektion des VDA (Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland) ein Schuljahr in Tingleff ermöglicht.

Zur Freude des Schulleiters sind auch die Klassenstufen neun und zehn gleichmäßig verteilt.

„Neuntklässlerinnen und Neuntklässler, die nicht mehr aufgenommen werden konnten, haben wir ermutigt, sich für die 10. Klasse anzumelden.“

In den kommenden Tagen werden in den Trakten am Grønnevej organisatorische Dinge des Schul- und Unterrichtsalltags geklärt.

Mit allem und allen vertraut machen

Auf dem Programm stehen auch Aktivitäten und Ausflüge, bei denen sich Jugendliche und Lehrkräfte auf das tagtägliche Miteinander einstimmen und sich besser kennenlernen können, ehe der Unterricht so richtig losgeht.

Es gibt eine Auffälligkeit, die Jørn Warm ganz wertfrei zur Kenntnis genommen hat. „Es sind erstmals erheblich mehr Mädchen als Jungen bei uns. Etwa 70 zu 40“, so der Nachschulchef, der von einem Zufall ausgeht.

Kann sich über ein volles Haus freuen: Jørn Warm in seinem Schulleiterbüro. Foto: kjt

Es gibt auch wieder viele Schülerinnen und Schüler aus dem hohen Norden Dänemarks und von Seeland, wo die Unterrichtssprache Deutsch nicht gerade ausgeprägt ist.

„Eltern von Seeland oder Nordjütland sind oft skeptisch, ob ihr Kind in so kurzer Zeit Deutsch lernen und die Prüfung in dem Fach bestehen kann. Sie fragen dann immer, ob ihre Tochter oder ihr Sohn es überhaupt schaffen kann. Ich überzeuge sie immer, dass sie es bei uns ohne Probleme schaffen. Wir haben schon so manche Dänen gehabt, die Topzensuren erreichten“, berichtet der Schulleiter nicht ohne Stolz und mit einem indirekten Lob an die Lehrkräfte.

Von der Großstadtmetropole ins beschauliche Nordschleswig

Zu der Fraktion der dänischen Schülerschaft gehört Ellen Lauritsen. Sie stammt von Amager aus der Großstadtmetropole Kopenhagen und wird nun ein Jahr in der deutschen Nachschule am südlichen Zipfel des Königreiches verbringen.

Sie hatte mit einem Austauschjahr im Ausland geliebäugelt und hätte sich dabei Deutschland gut vorstellen können, so die 15-Jährige während der Mittagspause am ersten Schultag am Montag zum „Nordschleswiger“.

Sie habe schließlich nach Nachschulen im Kopenhagener Raum geschaut, die Wahl fiel dann aber auf die Tingleffer Nachschule.

„Meine Mutter ist im Internet auf sie gestoßen. Es traf sich gut, dass es eine deutsche Nachschule ist, denn ich möchte mein Deutsch verbessern“, so die Zehntklässlerin.

Ellen Lauritsen von Amager hat sich für ein Schuljahr an der Tingleffer Nachschule entschieden Foto: kjt

Dass es in Dänemark eine deutsche Nachschule gibt, hatte sie nicht gewusst. Dass es eine deutsche Volksgruppe in Nordschleswig gibt, aber schon.

Spannender Landesteil

„Es ist ein spannender Landesteil mit besonderer Geschichte. Auch Deutschland ist spannend. Es ist eng mit Dänemark verknüpft – wirtschaftlich und touristisch“, so die neue Nachschülerin.

Der bisherige Deutsch-Unterricht zu Hause, die Vermittlung der Deutschlehrer und der Gesamteindruck von Deutschland hätten ihren Wunsch verstärkt, die Deutschkenntnisse auszubauen.

„Sie sind noch nicht allzu gut, aber das kann ja noch werden“, sagt die Schülerin mit einem Schmunzeln.

Die Möglichkeiten, Deutsch zu sprechen und noch viel mehr Deutsch zu lernen, sind in Tingleff auf jeden Fall vorhanden.

Nicht nur im Unterricht. Auch durch die vielen Mitschülerinnen und Mitschüler aus Deutschland wird Deutsch im Nachschulalltag allgegenwärtig sein.

Alltag mit zwei Sprachen

Sogar in den Zimmern gibt es Gelegenheit, deutsch zu sprechen. Ellen ist in einem Dreierzimmer untergebracht „zusammen mit einer Dänin und einer Deutschen.“

Ihr erster Eindruck nach der Anreise am Wochenende sei gut.

„Es ist hier gemütlich und es herrscht eine tolle Atmosphäre. Die Unterrichtsgruppen sind nicht so groß. Das ist angenehm“, sagt Ellen mit erwartungsvoller Vorfreude, um sich kurz darauf endlich dem Mittagsbüfett widmen zu können.

Ellen Lauritsen hat einen guten ersten Eindruck von der Nachschule in Tingleff gewonnen und hofft insbesondere, ihr Deutsch erheblich verbessern zu können. Foto: kjt
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