Ehejubiläum

Seit 65 Jahren ein eingespieltes Team

Seit 65 Jahren ein eingespieltes Team

Seit 65 Jahren ein eingespieltes Team

Bülderup-Bau/Bylderup-Bov
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Seit 65 Jahren verheiratet: Annegrethe und Carsten Carstensen Foto: kjt

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Annegrethe und Carsten Carstensen aus Bülderup-Bau können am 17. August Eiserne Hochzeit feiern. Seit 65 Ehejahren genießen sie die Zweisamkeit, sind viel auf Achse und halten einen engen Kontakt zu Familie und Freunden. Der Faustball spielte für das Eheglück einst eine wichtige Rolle.

Gefeiert wird erst am darauffolgenden Wochenende, damit auch ja alle Familienmitglieder und engen Freunde dabei sein können. Das ist Annegrethe und Carsten Carstensen aus Bülderup-Bau ganz wichtig, denn sie sind ausgeprägte Familienmenschen und seit eh und je kontaktfreudig.

Am Mittwoch, 17. August, sind der ehemalige Kornhändler und seine Annegrethe seit 65 Jahren verheiratet. Sie feiern Eiserne Hochzeit (nicht zu verwechseln mit Eiserne Hochzeit – „Jernbryllup“ – im Dänischen. Das wären 70 Jahre. Auf Dänisch wird der 65. Hochzeitstag „Krondiamandbryllup“ genannt).

Sie halten Haus und Garten in Schuss

Das Paar wohnt seit 1989 am Åbovej in Bülderup-Bau, wo sie ihren Ruhestand genießen. „Wir haben das Haus von meinen Eltern übernommen, die es 1962 bauten“, erwähnt Carsten Carstensen.

Auch im Alter von 92 (Carsten) und 88 Jahren (Annegrethe) „schmeißen“ sie den Haushalt selbst und kümmern sich um den Garten.

„Wir verzichten auf kommunale Heimhilfe, nehmen aber gern Hilfe aus dem Bekannten- und Freundeskreis an, wenn mal etwas Besonderes anliegt. Es ist schön, dass man sich auf so viele Menschen verlassen kann“, so Carsten Carstensen in der Stube des Hauses im Åbovej.

Auch wenn sie in der glücklichen Lage seien, den Alltag selbst zu bewältigen – den Kontakt zu hilfsbereiten Angehörigen, Nachbarn und Freunden schätzen sie. Der Austausch halte sie in Schwung und tue gut, so Carsten Carstensen.

Große Unternehmungslust

In Schwung hält sich das rüstige Ehepaar generell viel. Carsten Carstensen fährt immer noch Auto, und mit seiner Annegrethe ist er viel auf Achse. „Der Führerschein ist bis 2035 gültig. Ich kann also noch fahren, bis ich 107 bin“, bemerkt Carsten Carstensen mit einem Lachen.

Die beiden lassen kaum eine Gelegenheit aus, auf Reisen zu gehen. „Wer rastet, der rostet", ist der Leitspruch des agilen Ehepaares.

„Wir sind gerade erst eine Woche in England gewesen“, berichtet Annegrethe. Einer ihrer Enkel hatte dort beruflich zu tun und ließ Oma und Opa dazustoßen.

Reisen, Kurzaufenthalte und Ausflüge mit den Familienangehörigen sind ein Dauerbrenner im Kalender von Annegrethe und Carsten Carstensen.

Generationenübergreifender Badespaß

Als es mit 25 Familienmitgliedern einige Tage zu einem großen überdachten Badeland bei Berlin ging, waren die beiden „Oldies“ natürlich auch dabei und schlüpften in Badehose bzw. Badeanzug.

„Da waren dann vier Generationen gemeinsam im Pool“, so Carsten Carstensen mit einem Schmunzeln.

Familienfotos im Wohnzimmerschrank. Der enge Kontakt zu den Enkeln und Urenkeln ist Annegrethe und Carsten Carstensen sehr wichtig. Foto: kjt

Große Zusammenkünfte gibt es zudem stets auf dem Dauercampingplatz der Carstensens in Sandskjer (Sandskær) nördlich von Apenrade (Aabenraa). Seit Jahrzehnten ist es der begehrte Treffpunkt für die ganze Familie – vom Uropa bis zum Urenkel.

„Wir haben dort auch immer noch ein Boot“, erwähnt der rüstige 92-Jährige.

Bevor es in den Ruhestand ging, betrieb er viele Jahre die Kornhandels- und Mühlenfirma in seinem Heimatort Bülderup-Bau.

Über 100 Jahre Kornhandel

„Mein Opa hat mit dem Betrieb am 1. Mai 1889 begonnen. Die Firma wurde bis zur vierten Generation weiterbetrieben. Insgesamt 112 Jahre“, erwähnt Carsten Carstensen nicht ohne Stolz.

Wegen marktwirtschaftlicher Veränderungen wurde die Mühle Anfang der Jahrtausendwende dann verkauft.

Dass er Angehöriger der deutschen Volksgruppe war, habe beim Kornhandel nie eine Rolle gespielt. Er sei mit den Landwirten gut ausgekommen, egal ob deutsch oder dänisch gesinnt.

„Das war nie ein Problem. Mir waren die Landwirte am liebsten, die ihre Rechnung bezahlen konnten“, scherzt der einstige Geschäftsmann.

„Es freut mich aber, dass sich das Verhältnis zwischen Minderheit und Mehrheit in jüngster Zeit so sehr verbessert hat und man so gut miteinander auskommt“, ergänzt der 92-Jährige.

Beim Tanzen funkte es

Carsten und Annegrethe, eine geborene Nissen aus Bülderup (Bylderup), besuchten deutsche Schulen. Dass sie sich fanden, sei vor allem dem Faustball geschuldet, wie sie in ihrer Stube erzählen.

Sportfeste und Faustball waren einst ihre große Leidenschaft. Beim abendlichen Ball funkte es schließlich.

„Man tanzte zusammen. Dann folgten weitere Tänze, und so kamen wir uns näher“, erzählt Annegrethe.

Sie und ihr Mann sind immer noch große Faustball-Anhänger.

Geteilte Faustballbegeisterung

„Es ist schön, dass es bei uns wieder auf dem Vormarsch ist. Unsere Urenkelin war mit dem Team Nordschleswig gerade erst bei der EM in der Nähe von Stuttgart dabei“, erwähnt die 88-jährige Uroma mit Freude.

Seit dem Kennenlernen vor mehr als 65 Jahren halten sie und Ehemann Carsten zusammen wie Pech und Schwefel. Zwei Kinder wuchsen in der Ehe auf.

Streit gebe es so gut wie nie. „Wir reden stets über alles und räumen Unstimmigkeiten schnell aus dem Weg. Das schätze ich an Annegrethe sehr“, sagt der Ehemann mit Hochachtung.

Annegrethe und Carsten Carsten halten ihren Garten am Åbovej allein in Schuss. Foto: kjt

Sie seien sehr dankbar über die gemeinsame Zeit und dass sie auch im hohen Alter noch so viel unternehmen können, so Annegrethe.

Dass sie in jüngster Zeit mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hat, darüber sieht die 88-jährige Frohnatur hinweg.

Bei aller Zufriedenheit über ein langes und glückliches Eheleben blieben Annegrethe und Carsten Carstensen von Schicksalsschlägen nicht verschont.

Zusammenhalt

2012 verloren sie Sohn Andreas. Er starb in Verbindung mit einer Zuckerkrankheit. Der Kontakt zu Tochter Anke, zu den fünf Enkel- und den mittlerweile elf Urenkelkindern rückte noch mehr in den Mittelpunkt. Das Miteinander ist ein wichtiger Anker, wie die eisernen Ehejubilare betonen.

Zur Eisernen Hochzeit soll es ein erneutes große Wiedersehen geben. Ein Festgottesdienst zum Ehejubiläum wünscht das rüstige Paar nicht.

Gefeiert werden soll aber. Gesellig und gastfreundlich, wie man das Bülderup-Bauer Paar kennt, wäre das auch verwunderlich, wenn nicht.

„Wir haben den 90. Geburtstag von Carsten wegen Corona bereits mehrmals verschieben müssen. Zum Glück scheint es jetzt mit einem Fest zu klappen“, so die Jubiläumsbraut mit einem vorfreudigen Schmunzeln.

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