Hobby-Schriftsteller

Literarischer Späteinsteiger mit Schaffensdrang

Literarischer Späteinsteiger mit Schaffensdrang

Literarischer Späteinsteiger mit Schaffensdrang

Kollund
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Werner Christiansen ist als Ruheständler zum Hobby-Autor geworden. Foto: Karin Riggelsen

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Der pensionierte Oberstudienrat Werner Christiansen hat das Schreiben für sich entdeckt. Gedichte, Biografien, Kurzgeschichten und vor allem amüsante Limericks entspringen seiner kreativen Feder. In Ehefrau Frauke hat der literarische Späteinsteiger einen Bewunderer und eine Kritikerin gleichermaßen.

Als er als Oberstudienrat in Flensburg tätig war, fehlten die Zeit und auch der Drang, Gedichte, Limericks und andere Textformen zu verfassen. Das hat sich beim mittlerweile 85-jährigen Werner Christiansen aus Kollund vollkommen geändert.

Er greift immer wieder zu Stift und Kladde, um kurz darauf an seinem PC Literarisches auf Papier bzw. auf den Bildschirm zu bringen.

Umzug nach Kollund

Der Pensionär zog mit Ehefrau Frauke vor rund 30 Jahren von Flensburg in die malerisch gelegene, große Wohnung am Kurparken in Kollund mit direktem Blick auf die Flensburger Förde.

Frauke Christiansen (81) stammt aus Tondern (Tønder), und ihre Familie gehörte der Minderheit an.

Bevor die Eheleute das idyllische Altersdomizil in Kollund bezogen, lagen unter anderem zwei Auslandsabenteuer hinter ihnen.

Von 1976 bis 1979 war Werner Christiansen als Gastlehrer im Iran tätig, von 1984 bis 1989 in Kolumbien.

Werner Christiansen mit Büchern, in denen Beiträge von ihm enthalten sind. Foto: Karin Riggelsen
Texte von Werner Christiansen sind in verschiedenen Gedicht- und Geschichtssammlungen enthalten. Foto: kjt

Es ging wieder zurück nach Flensburg, und wenig später folgte dann der Umzug nach Kollund.

„Als unsere beiden Söhne auszogen, wurde das Haus in der Sonderburger Straße in Flensburg zu groß“, so Frauke Christiansen, die sich in der neuen Umgebung in Dänemark sehr wohlfühlt.

Auch Ehemann Werner hat sich nach anfänglicher Skepsis gut eingelebt, wie er sagt. Die Nähe zu Flensburg war dem gebürtigen Niebüller allerdings wichtig.

Grenzland als Heimat

„Die Lage ist ideal. Wir wohnen hier dicht an Flensburg, Apenrade und Sonderburg“, so der pensionierte Oberstudienrat.

Das Ehepaar ist Mitglied des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) und stattet der Büchereizentrale in Apenrade regelmäßig einen Besuch ab. Insbesondere Frauke Christiansen schmökert gern, wie der dicke Packen an Büchern auf dem Abstelltisch zwischen Küchen- und Wohnbereich verdeutlicht.

Ehemann Werner liest auch, „wenn mich ein Buch fesselt“. Der ehemalige Lehrer schreibt lieber.

Schalk im Nacken

Besonders gern verfasst er „Limericks“ – scherzhafte Gedichte mit Reim und speziellem Rhythmus.

Der 85-Jährige schreibt sie zum Teil auf Plattdeutsch. In diesem Dialekt entstehen auch andere kleine, lustige Geschichten.

Mit dem plattdeutschen Stück „Dumm lopen“ über ein Warzen- und ein Sattelschwein hat es der Hobby-Schriftsteller 2017 in den „NDR“-Band „Vertell doch mal!“ geschafft, der jedes Jahr erscheint.

Werner Christiansen mit dem plattdeutschen Band „Vertell doch mal" des „NDR“ Foto: Karin Riggelsen

„Für dieses Büchlein werden Jahr für Jahr so zwischen 1.000 und 1.500 Beiträge an den ,NDR’ gesandt“, berichtet Werner Christiansen, der seit acht Jahren Texte zuschickt.

2017 klappte es mit der Aufnahme in die plattdeutsche „NDR“-Hall of Fame. Unter den 26 plattdeutschen Geschichten befindet sich „Dumm lopen“ von Werner Christiansen.

„Im Ohnsorgtheater fand ein großer Empfang statt, zu dem ich auch eingeladen war“, erinnert sich Werner Christiansen noch gut an dieses ehrenvolle Event.

Spontan ans Werk

Feste Schreibzeiten hat der Wahl-Kollunder nicht. „Das passiert spontan. Vor allem beim Radfahren kommt mir oft etwas in den Sinn“, sagt der sportliche Oberstudienrat a. D., der sich neben Radfahren mit Schwimmen und regelmäßigem Tennisspielen fit hält.

Hat er eine Schreibidee, dann begibt er sich ins Arbeitszimmer im Untergeschoss der Wohnung mit mehreren Ebenen. Nur dort macht er sich ans Werk.

Schnell mal etwas am Küchentisch, auf dem Sofa oder auf der Terrasse verfassen, kommt eher nicht infrage. Das sei wohl Berufskrankheit, so der ehemalige Gymnasiallehrer mit einem Lachen.

Hobbyschriftsteller Werner Christiansen in seinem Arbeitszimmer in Kollund Foto: Karin Riggelsen

Ist ein Limerick verfasst und ausgedruckt, beginnt die Testphase. Jedes Stück – an die 70 sind es bislang geworden – wird der Gattin vorgetragen.

„Er liest sie immer vor. Er macht es aber aus freien Stücken“, so Frauke Christiansen mit einem Augenzwinkern.

Mit kritischen Ohren

Sie ist Bewunderin ihres schreibenden Mannes, ist aber auch eine Kritikerin. Es kommt schon mal vor, dass sie etwas als nicht so gelungen bewertet und es dann direkt in den Papierkorb wandert.

„Meistens gibt sie aber ihr Okay“, wirft der Autor schmunzelnd ein und bekommt aufmunternde Bestätigung von der Gattin: „Das stimmt. Er macht es gut. Wenn aber etwas in den Texten unlogisch oder merkwürdig ist, dann sage ich es.“

Werner Christiansen trägt seine Texte in der Regel Ehefrau und Kritikerin Frauke vor. Zum Glück gibt sie ganz oft ihr Okay. Foto: Karin Riggelsen

Wie wär’s denn, selbst etwas zu verfassen? Diese Frage wiegelt Frauke Christiansen lachend ganz schnell ab: „Um Gottes Willen!“

Sie beschränke sich lieber auf das Zuhören und Lesen und überlässt das Schreiben ihrem Mann. Der verfasst zu Familienanlässen gern mal amüsante oder rührende Zeilen und gibt die Liebesbekundung an die Frau in lyrischen Lettern zum Ausdruck.

Werner Christiansen lässt beim Schreiben allerdings nicht nur seinen Humor und seine Herzlichkeit einfließen.

Der begeisterte Hobby-Autor hat auch Texte mit ernstem Inhalt verfasst.

Brüder im Krieg

In einer Sammlung privater Heimat- und Kriegserinnerungen („Im Wandel der Zeit“), 2017 herausgegeben vom Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (shz), ist ein Beitrag von Werner Christiansen über drei ältere Brüder, die für das Hitler-Regime in den Krieg ziehen mussten. Der zwölf Jahre ältere Bruder Harald fiel 1944 im Osten.

Werner Christiansen ist mit seinen 85 Jahren sportlich noch sehr aktiv und verfasst gern Texte. Foto: Karin Riggelsen

In einer anderen Geschichtssammlung mit dem „shz" als Herausgeber berichtet Christiansen von seinem Tramper-Abenteuer durch Frankreich, das er als ganz junger Mann erlebte.

„Ich wundere mich heute noch, dass mein Vater mich so losziehen ließ. Er war sehr streng. Ich hatte damals nicht einmal ein Zelt dabei. Geschlafen wurde in freier Natur auf dem Boden“, so Werner Christiansen mit einem Schmunzeln.

Ob über den „shz“, über das Literaturpodium „Dorante Edition“, den „Chili Verlag“ oder jene plattdeutsche Auswahl des „NDR“: Diverse Gedichte, Limericks und Kurzgeschichten von Werner Christiansen sind veröffentlicht.

Das Schreiben wird weiterhin ein Hobby bleiben. Er werde es dabei aber weiterhin auf kürzere Texte beschränken. Große Romane schweben ihm nicht vor. Der 85-Jährige hat allerdings ein größeres Projekt im Hinterkopf: „Ich möchte gern meine Autobiografie schreiben.“

„De verbiesterte Aal" von Werner Christiansen Foto: DN
Kleine Auswahl an Limericks Foto: DN
Ein Wintertag an der Flensburger Förde Foto: DN
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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Minderheit mit Mut zur Zukunft“