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Motocrosstalent nimmt nächsten Karrieresprung

Motocrosstalent nimmt nächsten Karrieresprung

Motocrosstalent nimmt nächsten Karrieresprung

Westerbek/Vesterbæk
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Fährt gern und erfolgreich Motocross: Nicolai Skovbjerg aus Pattburg. Foto: Karin Riggelsen

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Nicolai Skovbjerg aus Pattburg ist vom Motorradhersteller Yamaha unter Vertrag genommen worden. Die Lehre zum Kühltechniker wird erst einmal hinten angestellt. Das Augenmerk des 16-Jährigen gilt ganz und gar dem Motocross-Sport. Die Eltern stehen voll dahinter.

Erst vor zwei Jahren wechselte Motocross-Talent Nicolai Skovbjerg aus Pattburg (Padborg) die Motorradmarke und entschied sich für „Yamaha“. Dass er zwei Jahre später von dem weltweit agierenden Unternehmen als Nachwuchsfahrer in der 125-Kubikmeter-Klasse unter Vertrag genommen wird, hätte er sich zu diesem Zeitpunkt nicht einmal erträumt.

Der Motorradhersteller hat ein besonderes Förderprogramm, bei dem talentierte Nachwuchsfahrer aus aller Welt in die enge Wahl für einen Werkvertrag kommen.

„Als ich die Maschine gewechselt hatte, kannte ich das Programm noch nicht“, erwähnt Nicolai Skovbjerg beim Gespräch im Vereinsheim des Westerbeker Motocrossklubs – seinem Stammverein.

Beim Motocross kommt Nicolai buchstäblich hoch hinaus. Foto: Karin Riggelsen
Nicolai Skovbjerg gilt in der Motocross-Szene als absoluter Könner. Foto: Karin Riggelsen

Neben den vielen nationalen und internationalen Rennen nahm Nicolai in der abgelaufenen Saison an dem Talentprogramm „bLU cRU“ teil und schaffte es schließlich durch das Nadelöhr des umfangreichen Auswahlverfahrens.

Nach erfolgreichen Rennen und Sichtungen erst in Spanien und dann in Frankreich ist Nikolai bei einem italienischen Rennstall unter Vertrag genommen worden.

Vollzeit-Fahrer

Bei der EM-Serie und anderen bedeutenden Rennen kann er auf volle Unterstützung von Yamaha setzen.

Er bekommt Motorräder und Rennkleidung gestellt, wird von einem Werkstattteam betreut und hat ein Management hinter sich.

Für den 16-Jährigen ändert sich einiges. Motocross wird nun ein Fulltime-Job.

Motocross-Talent Nicolai Skovbjerg Foto: Karin Riggelsen

„Ich hätte eigentlich eine Lehre als Kühltechniker in Pattburg anfangen sollen, habe das aber erst einmal zurückgestellt“, erzählt Nicolai, der seit frühester Kindheit seine Runden auf Motocrossmaschinen dreht.

Das Motorsport-Talent hat er offensichtlich von Vater Peter geerbt, der einst selbst ein erfolgreicher Motocross-Fahrer und sogar dänischer Meister war.

Neue Situation auch für die Eltern

Der Karrieresprung mit dem Exklusivvertrag bedeutet nicht nur für Nicolai eine große Veränderung, sondern auch für die Eltern.

Vater Peter Skovbjerg war von den ersten Rennen an Manager, Berater, Coach, Motivator, Sponsor und Mechaniker in Personalunion. Auch Mutter Maibritt ist große Unterstützerin.

Für Peter Skovbjerg ist vor allem das Schrauben an den Rennmaschinen des Sohnes ein fester Bestandteil seines Supports. Wenn Nicolai für das italienische Team in Aktion ist, fällt das nun weg.

„Daran muss ich mich natürlich erst noch gewöhnen. Wir begleiten Nicolai seit Jahren zu jedem Rennwochenende, und ich kümmere mich um die Maschinen. Wenn Nicolai für das Team in der EM-Serie fährt, wird es jetzt entspannter. Wir können unseren Bus auch mal zu Hause lassen, fliegen und im Hotel wohnen, wenn wir zuschauen wollen. Um die Maschinen kümmern sich dann die Yamaha-Mechaniker“, so Peter Skovbjerg.

Vater Peter und Nicolai teilen die Begeisterung für das Motocross-Fahren. Der Papa ist Mechaniker, Berater, Coach und Förderer in Personalunion. Foto: Karin Riggelsen

Arbeitslos werde er zum Glück aber nicht, denn Nicolai trainiert viel in heimischen Gefilden und startet bei nationalen Meisterschaften und Rennserien. Da sind nach wie vor das Wissen und das mechanische Geschick des Vaters gefragt.

Viel auf Achse

Gut und gern 60.000 Kilometer im Jahr legen Nicolai und Eltern im speziell ausgebauten Werkstatt- und Wohnmobil europaweit zurück. Viele Wochenenden und auch Urlaube werden mit dem Hobby des Sohnes verbunden.

„Das bedeutet bei den Dieselpreisen in jüngster Zeit ganz schön hohe Kosten“, so Peter Skovbjerg.

Das waren noch Zeiten: Nicolai und Papa Peter beim Interviewbesuch des „Nordschleswigers" in Pattburg 2014. Foto: kjt
Foto von 2014: Schon mit sieben Jahren hatte Nicolai Skovbjerg bereits viele Pokale im Motocross gesammelt – sehr zur Freude von Papa Peter. Foto: kjt
Noch ein charakteristisches Archivfoto von der Karriere des Pattburgers. Mit dem Wohn- und Werkstattmobil haben sich Nicolai und Eltern Jahr für Jahr zu Rennen in ganz Europa begeben. Foto: kjt

Mit dem Vertrag und der besonderen Obhut des Werkteams mit Sitz in Florenz werde es vermutlich etwas anders. Einzelheiten werde man in Kürze bei einem Treffen mit den Rennstallverantwortlichen besprechen, so der Papa.

Den Wohnsitz muss Nicolai nicht zwangsläufig nach Italien verlegen. Das Yamaha-Team agiert in ganz Europa und hat auch Fahrer aus allen möglichen Nationen.

Über den Trainings- und Rennbetrieb zwischen den großen Meisterschaften dürfen die Fahrer in Absprache und im engen Kontakt mit den Teamverantwortlichen zum größten Teil selbst entscheiden, erwähnt Peter Skovbjerg.

Dass sein Sohn dabei die Zügel zu locker lassen und das Fahren vernachlässigen könnte, hält Papa Peter für ausgeschlossen.

„Dafür fährt er einfach zu gern und ist heiß darauf, noch besser zu werden“, so Skovbjerg senior. „Das stimmt“, erwidert der Junior mit einem Lächeln.

Er richtet dabei einen Dank an den „Nordschleswiger“, dass das Interview mit einer kleinen Renneinlage auf der Westerbeker Bahn verknüpft ist, denn eigentlich ist das Fahren gerade nicht angesagt.

Stets heiß aufs Fahren

„Ich habe ihm eigentlich eine vierwöchige Rennpause verordnet, um mal abzuschalten, Kraft zu tanken und sich auf die kommenden Aufgaben zu konzentrieren“, erwähnt der Chefcoach der Familie.

Rennkleidung und Helm sind gewissermaßen Nicolais erster Anzug. Foto: Karin Riggelsen

Nicolai zog sich Anfang des Jahres eine schwere Armverletzung zu, von der er sich zum Glück recht schnell erholte.

Blessuren und Verletzungen nach Stürzen gehören dazu. Nicolai ist nach eigenen Angaben bislang gut weggekommen.

Die Armfraktur und eine Kreuzbandverletzung gehörten zu den schlimmeren Verletzungen.

Zermürbend findet es Nicolai, wenn er wegen einer Verletzung oder eben wegen einer vom Papa befohlenen Pause nicht aufs Bike steigen kann.

„Diese verordnete Pause war echt hart. Ich bin froh, dass ich heute fahren kann“, so Nicolai mit einem schelmischen Blick zum Vater, der der Ausnahme letztlich wohlwollend zugestimmt hat.

Pattburg bleibt Anlaufpunkt

In Dänemark bleibt Nicolai Teil des „Wozniak MX Racing Team", das ebenfalls unter den Fittichen von Yamaha ist. Zudem gehört Nicolai weiterhin dem dänischen Motocross-Juniorennationalteam an. An Beschäftigung wird es ihm als Vollzeitfahrer nicht fehlen.

Dreh- und Angelpunkt und wohl auch häufiger Wohnsitz wird das Zuhause in Pattburg bleiben. Auch wenn Nicolai einen lukrativen Vertrag hat, der ihm Material, Service und Spesen zusichert, leben kann er davon noch nicht.

Monatliche Bezüge, wie man es von Vertragsamateuren oder Profis anderer Sportarten kennt, bekommt der Pattburger nicht. „Es ist immer noch ein Hobby, das mit Kosten verbunden ist“, so Peter Skovbjerg.

„Geld ist in erster Linie durch Bonusregeln für Rennen zu verdienen“, ergänzt Nicolai.

Sind auf die kommenden Saison gespannt: Nicolai Skovbjerg und Vater Peter. Foto: Karin Riggelsen

Auch wenn in der Motocross-Branche nicht das große Geld zu machen ist, wie beim Motorradsport oder der Formel 1, hat Nicolai einen Traum.

Königsklasse vor Augen

„Fast alle jungen Motocross-Fahrer haben das Ziel, mal in der 450er-Klasse zu starten und im optimalen Fall eine Profikarriere zu erreichen“, so der 16-Jährige, der sich erst einmal auf die 125-Klasse konzentrieren möchte.

Vor der Königsklasse kommt erst noch die 250-Kubikmeter-Klasse.

Obwohl nur die absolute Elite einen Profistatus hat und vom Sport leben kann, schließe er eine Profikarriere für sich nicht aus. Mit der Unterstützung des neuen Rennstalls kann er seiner Entwicklung vielleicht den entscheidenden Schub geben.

Ein 5. Platz bei der Junioren-EM und ein 16. Platz bei der WM sind bislang Nicolais beste Platzierungen bei den wichtigsten Wettbewerben. Fürs Podest hat es noch nicht gereicht.

Vielleicht klappt es schon in der kommenden Saison bei Rennen in ganz Europa. Er wolle auf jeden Fall alles dafür tun, so das Motocross-Talent aus Pattburg, das nach dem Interview endlich wieder aufs Motorrad steigen konnte. Danach gilt dann leider wieder die Zwangspause.

„Schon Mitte Dezember geht es aber wieder los, und im Februar stehen in Spanien bereits die ersten großen Rennen an“, erwähnt der Papa vertröstend.

Bereits im Juli 2014, als Nicolai sieben Jahre alt war, berichtete „Der Nordschleswiger" über sein Motocross-Talent. Foto: DN
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