Archäologie

Der Palisadenzaun steht

Der Palisadenzaun steht

Der Palisadenzaun steht

Tingleff/Tinglev
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Die Eichenstämme wurden nicht so tief in den Boden gerammt, wie es die Angeler vor 2.000 Jahren noch machen mussten. Damit morsche Pfähle später ausgewechselt werden können, wurde ein Fundament mit Beschlägen in das Erdreich gegossen. Foto: Friedrich Hartung

Die offizielle Einweihung der Olmerswall-Rekonstruktion vor den Toren Tingleffs muss allerdings noch warten. Die Erklärung: Erst muss noch Gras über die Sache wachsen.

Das Fach Geschichte ist nicht unbedingt das Steckenpferd von Tingleffs ehemaligem Schulleiter Niels Daubjerg gewesen und doch geht eines der umfassendsten historischen Projekte des Ortes auf seine Initiative zurück: Die teilweise Rekonstruktion der frühgeschichtlichen Sperranlage „Olmerswall“ (dän.: Olgerdiget).

Dieses Hinweisschild an der Hauptstraße ist indirekt der Auslöser für das Wallprojekt. Foto: Anke Haagensen

Ein Hinweisschild an der Hauptstraße zwischen Behrendorf (Bjerndrup) und Tingleff, das ins Leere führte, hatte ihn vor Jahren angestachelt, herauszufinden, was es mit dem „Olgerdige“ (auch „Olmersvold“ genannt) genau auf sich hatte.

Von den Angeln erbaut

Es handelt sich um eine Wallanlage, die vor ziemlich genau 2.000 Jahren von den Angeln errichtet wurde, vermutlich um sich gegen die aus dem Norden vordringenden Jüten zu schützen.

Niels Daubjerg in der Wallanlage. Es muss nur noch Gras wachsen und der Rad- und Gehweg fertiggestellt werden, der direkt an der Rekonstruktion vorbeiführen wird. Foto: Karin Riggelsen

Eine dendrochronologische Untersuchung der bei den Ausgrabungen gefundenen Pfahlreste hat gezeigt, dass die verwendeten Baumstämme aus dem Jahr 31 nach Christi stammen.

Die Untersuchungen wurden von Fachleuten aus dem „Moesgaard Museum“ in Aarhus durchgeführt. Die größten Palisadenreste werden übrigens dort konserviert und irgendwann auch ausgestellt.

Heute erledigen große Maschinen die Erdarbeiten. Vor 2.000 Jahren mussten die vielen Kubikmeter Erde noch mit der Hand bewegt werden – und das nicht nur auf 12 Metern, sondern auf 12 Kilometern. Foto: Friedrich Hartung
Der Wallgraben ist übrigens nicht ganz so tief, wie er wohl im Original gewesen sein wird. „Ansonsten wäre der Graben das Jahr über voll Wasser“, erläutert Niels Daubjerg diese (kleine) historische Ungenauigkeit, die den jetzigen Gegebenheiten geschuldet ist. Foto: Friedrich Hartung

Die vergessene Wallanlage

Daubjerg gehört im Ehrenamt der Schirmorganisation Tingleffer Vereine, dem Tinglev Forum, an. Eine Arbeitsgruppe dieser Organisation hatte sich vor einigen Jahre zur Aufgabe gemacht, in und um Tingleff schöne Rad- und Wanderwege auszukundschaften und anzulegen. Eine diese Routen führte auch über dieses Teilstück des ehemaligen Bjerndrupvejs.

Die Idee lag also förmlich auf der Hand, dort, wo dieser Wall einst stand, eine Infotafel aufzustellen, um über die Anlage zu informieren. „So führte das Hinweisschild an der Hauptstraße nicht mehr ins Leere. Damit auch alles korrekt war, haben wir das Museum Sønderjylland gebeten, uns mit Text und Zeichnungen zu helfen. Den Unterstand haben ein paar ehemalige Tingleffer Zimmrer für uns gebaut“, erzählt Niels Daubjerg. So hielten sich die Kosten in Grenzen.

Die Flächen links und rechts des ehemaligen Straßendamms stehen unter Naturschutz. Foto: Karin Riggelsen

Finanziert wurde dieser Infopavillon übrigens aus den Umweltmitteln, die die Betreiber von Photovoltaik- und Windkraftanlagen als eine Art „finanzielles Trostpflaster“ an die jeweiligen Kommunen entrichten müssen. Diese Mittel finden dann primär für Projekte in Nähe der jeweiligen Anlagen Verwendung.

Oberhalb der Wallanlage steht der kleine Infopavillon, der bereits vor einiger Zeit gebaut wurde. Den Text und die Illustrationen hat das Museum Sønderjylland geliefert. In hoffentlich naher Zukunft werden die Infos auch in Deutsch und Englisch über Smartphone abzurufen sein. Foto: Karin Riggelsen

Auf der Zielgeraden

Allerdings keimte da schon in dem ehemaligen Schulleiter die Idee, zumindest ein kleines Stück des Walles wieder aufzubauen.

Dieses Projekt befindet sich auf der Zielgeraden. Der Palisadenzaun steht, der Graben ist gegraben und der Wall aufgehäuft – auf einer Breite von 12 Metern.

„Die Wallanlage erstreckte sich eigentlich über 12 Kilometer von Brauderup (Broderup) an Tingleff vorbei Richtung Apenrade. Dort, wo Wasserläufe oder Seen nicht schon eine natürliche Verteidigungslinie boten, errichteten die Angeln den Wall. Ursprünglich bestand die Anlage tatsächlich nur aus einer Reihe Palisadenstämme mit Graben und Wall. Archäologische Ausgrabungen haben aber gezeigt, dass die Anlage an manchen Stellen aus drei und genau hier aus zwei Palisadenreihen bestand“, erzählt Daubjerg, der auf „seine alten Tage“ nahezu zum Geschichtsexperten geworden ist. – Zumindest, was den Olmerswall angeht.

Niels Daubjerg blickt von der Anlage Richtung Süden. „Vor 2.000 Jahren war das dortige Tingleffer Moor noch ein richtiger See“, vermutet er. Foto: Karin Riggelsen

Langer Atem notwendig

Der ehemalige Schulleiter hatte nicht nur die Initiative ergriffen, sondern war auch „Projektmanager“ und hat dabei Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen bewiesen, weil es dann doch im Laufe der Jahre immer wieder Rückschläge und Widerstände gegeben hat. So hat sich das Projekt verteuert, weil Kabel verlegt werden mussten, die entlang dieses ehemaligen Teils der Bjerndrupvejs verliefen, der vor einigen Jahren übrigens in Olmersvej umbenannt wurde. – Der viele Niederschlag im vergangenen Jahr hat zudem die Fertigstellung enorm verzögert.

Bjerndrupvej/Olmersvej

Anwohner hatten um die Namensänderung des östlichen Teilstücks des Bjerndrupsvejs gebeten, weil sich immer wieder große Lkw in die Sackgasse verirrten, die eigentlich zur Containerfabrik wollten, deren Firmeneinfahrt etwas weiter nördlich am Bjerndrupvej gelegen ist.

Wegen der Containerfabrik wurde seinerzeit der Bjerndrupvej, der damals von Tingleff nach Behrendorf führte, durchtrennt und eine Umgehungsstraße gleichen Namens angelegt.

Im Nachhinein hat es sich allerdings als glückliche Fügung erwiesen, dass sich Daubjerg und seine Mitstreiter für eine Rekonstruktion auf dem alten Straßendamm entschieden haben. „Für die Flächen links und rechts der Straße hätten wir einfach nicht die notwendigen Baugenehmigungen erhalten“, stellt der primus motor fest.

Noch kein Einweihungstermin

„Jetzt muss eigentlich nur noch der Fuß- und Radweg fertiggestellt werden, dann können wir auch die offizielle Einweihung feiern“, kündigt Daubjerg an. Wann das genau passieren kann, kann er noch nicht sagen. „Erst muss ein bisschen Gras gewachsen sein. Denn der Wall bestand ja damals auch nicht aus schwarzer Erde“, erläutert er den Hintergrund.

Niels Daubjerg hat bereits weitere Pläne im Kopf. Foto: Karin Riggelsen

Daubjerg weitere Ideen

Nach der Einweihung ist aber für ihn noch nicht Schluss. Der ehemalige Schulleiter schmiedet schon weitere Pläne.

„Ich denke, es reicht nicht, die Infotafeln nur auf Dänisch zu haben. Es kommen hoffentlich auch Touristen hierher, die des Dänischen nicht mächtig sind. Wir benötigen die Infos auch auf Deutsch und Englisch“, ist Daubjerg überzeugt. Das sollte sich mit moderner Technik und einem sogenannten QR-Code sicherlich auch relativ schnell verwirklichen lassen, hofft er.

Allerdings hat er noch eine weitere Idee, die aber sicherlich nicht von heute auf morgen realisierbar ist.

„Ich könnte mir gut vorstellen, dass wir irgendwann auch in der Tingleffer Bahnhofshalle eine Art Videopräsentation der Wallanlage präsentieren können“, schließt Daubjerg.

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