Natur und Umwelt

TV-Jung-Uhus nach Tod der Mutter gerettet

TV-Jung-Uhus nach Tod der Mutter gerettet

TV-Jung-Uhus nach Tod der Mutter gerettet

Apenrade/Aabenraa
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Die Uhu-Mutter hat bei Apenrade ein zweites Gelege erfolgreich ausgebrütet. Mitte Juni ist die Eule tot in der Nähe des Nestes aufgefunden worden. Wie das Tier umgekommen ist, ist nicht bekannt. Foto: DOF

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Der nordschleswigsche Eulenexperte Klaus Dichmann hat die drei Jungtiere aus dem Nest bei Apenrade in eine Pflegestation gebracht. Im März hatte ein Marder das erste Gelege der Uhu-Familie zerstört: Die drei fast flüggen Tiere stammen aus dem zweiten Gelege.

Die diesjährige Brutsaison des bei Apenrade nistenden Uhu-Paares ist Teil einer weiteren Tiertragödie geworden. Mitte Juni ist die Mutter der drei fast flüggen Jung-Uhus im Nahbereich des Nistplatzes tot aufgefunden worden.

Jungtiere wurden plötzlich nicht mehr gefüttert

Die Tausenden Nutzer der Video-Übertragung „UgleTV“ des dänischen Vogelschutzverbandes „Dansk Ornitologisk Foreneng“ (DOF) konnten beobachten, dass die zuvor fleißig versorgten Jung-Uhus kein Futter mehr bekamen. Auch das Uhu-Männchen tauchte nicht mehr an dem Nistplatz im Bereich einer Kiesgrube auf, an der seit Jahren eine Videokamera installiert ist, um aus der „Kinderstube“ der größten Eulenart Bilder per Internet an alle Interessierten zu übertragen. „Die drei jungen Uhus werden mit großer Sicherheit überleben“, so der Eulenexperte des DOF. Klaus Dichmann, der seit Jahren den Uhu-Brutplatz bei Apenrade betreut.

Die drei jungen Uhus werden in einer anerkannten Pflegestation versorgt. In vier Wochen werden sie ausgewildert. Foto: DOF Klaus Dichmann

Er hat mit Zulassung der staatlichen Umweltbehörde „Miljøstyrelsen“ die drei Jungtiere aus dem Nest evakuiert und in eine Wildpflegestation gebracht. „Die drei Jungtiere waren noch nicht zu sehr entkräftet“, berichtet Dichmann dem „Nordschleswiger“. „Sie werden voraussichtlich bereits in vier Wochen im Bereich ihres Geburtsortes ausgewildert“, erläutert der Ornithologe.

Marder griff Uhu-Gelege an

Im vergangenen Jahr war die Brut der Uhus am Nistplatz mit Video-Übertragung gescheitert. In diesem Jahr war Dichmann froh, dass das Uhu-Paar an seinen angestammten Nistplatz zurückgekehrt war und Eier gelegt hatte. Doch dann spielte sich vor laufender Kamera eine erste Tiertragödie ab: Ein Steinmarder griff das brütende Uhu-Weibchen. Trotz massiver Verteidigung vermochte die Eule nicht zu verhindern, dass der Marder offenbar Eier zerstörte und mit einem Ei im Maul davoneilen konnte. Der Marder hatte blutende Verletzungen davongetragen. Vogelkundler gingen davon aus, dass damit auch die Uhu-Brutsaison 2022 gescheitert war. Doch das Uhu-Paar kehrte zurück zum Nest und legte drei Eier nach, aus denen drei Junge schlüpften und bis zum Tod der Uhu-Mutter fleißig mit Nahrung wie frisch gefangenen Ratten gefüttert wurden.

„UgleTV“ 2022 bendet

Der Ornithologenverband hat das „UgleTV“ für dieses Jahr abgeschaltet. Klaus Dichmann hofft, dass das Uhu-Männchen mit einem neuen Weibchen im kommenden Jahr wieder bei Apenrade brütet und dann wieder „UgleTV“ gesendet wird.

Klaus Dichmann ist auf dem Foto nach dem Beringen von Jung-Uhus vor mehreren Jahren zu sehen (Archivfoto). Foto: DOF

Er berichtet, dass in ganz Dänemark ein stabiler Bestand von 60 bis 70 Uhu-Brutpaaren heimisch ist. Ein Schwerpunkt ist Nordschleswig, wo sich aus Schleswig-Holstein „zugezogene“ Uhus vor über 20 Jahren einfanden. Die Eulenart macht sich in Wäldern im Frühjahr durch deutlich vernehmbare „Uhu“-Rufe bemerkbar.

Marderhunde Gefahr für Uhus

„Allerdings gab es in den vergangenen Jahren weniger Bruterfolg bei den Tieren, die am Boden brüteten. Erfolgreicher sind die Uhus mit Nestern in Bäumen. „Die Zunahme der Marderhunde könnte eine Rolle spielen“, so Dichmann. Die invasive Raubsäugerart hat sich auch in Nordschleswig trotz intensiver Bekämpfung ausgebreitet. Klaus Dichmann, der seit Jahrzehnten als Eulenfachmann des DOF beispielsweise die Ansiedlung der Schleiereulen durch Aufhängen von Nistkästen fördert, informiert auf seiner eigenen Homepage www.tytoalba.dk über Möglichkeiten, wie Eulen geschützt werden können. Auch liefert er Bauanleitungen für Nistkästen oder Nisthilfen für unterschiedliche Eulenarten, gibt Hinweise, wie man anhand von Gewöllen oder Federn Eulenarten bestimmen kann.

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