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Mit Bowling, Bier & Co. gegen die Jugend-Abwanderung

Mit Bowling, Bier & Co. gegen die Jugend-Abwanderung

Mit Bowling, Bier & Co. gegen die Jugend-Abwanderung

Apenrade/Aabenraa
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Simon Bugslag leitet das „Sportscentrum“ und ist einer der Initiatoren des Angebots. Foto: Karin Riggelsen

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Das Apenrader „Sportscentrum“ und die Bar „Marley‘s“ haben sich zusammengetan und machen seit Kurzem ein gemeinsames Angebot für junge Leute. Die Aktion ist aus eigenen Erfahrungen des Mitinitiators entstanden.

Es ist Freitagnachmittag. An den Apenrader Gymnasien sitzen die Schülerinnen und Schüler bei der traditionellen „Fredagsbar“. Es wird geschnackt, gelacht, und das eine oder andere Bier wird getrunken. „Doch was sollte man dann machen?“

Diese Frage hat sich der Apenrader Simon Bugslag in seiner Schulzeit oft gestellt. Er und seine Schulkameradinnen und -kameraden haben sich dann entweder allein auf den Nachhauseweg gemacht oder haben sich bei „dem einen oder anderen getroffen, um dort noch etwas zusammenzusitzen“, wie sich der heute 20-Jährige erinnert.

Keine Vergnügungen für junge Leute

„Doch meistens war es ein angefangener Abend, der nicht so richtig rund endete“, wie er findet. Eine weitere Möglichkeit ist der Weg nach Hadersleben (Haderslev) oder Sonderburg (Sønderborg), wo es einige freitägliche Ausgeh-Möglichkeiten für junge Menschen gibt. Doch der Aufwand, dorthin zu gelangen – und später auch wieder zurück –, ist groß. „Das ist richtig blöd“, findet Simon.

Auf den Einwand, es gebe doch einige Kneipen und Bars in der Stadt, antwortet er: „Dorthin zu gehen ist für junge Leute in der Ausbildung zu teuer. Zudem ist dort am Nachmittag meist noch nicht geöffnet.“

Und mit dieser Meinung steht er nicht allein, wie er aus Gesprächen mit Freunden und Bekannten weiß. Auch die Jungpolitikerin Katharina Kley, die bei der jüngsten Kommunalwahl für die Schleswigsche Partei in Apenrade in den Wahlkampf zog, hat sich über die fehlenden oder teuren Angebote geärgert. Sie erklärte sogar, dass das ein Grund sei, nicht mehr in Apenrade wohnen zu wollen und später auch nicht hierhin zurückkehren zu wollen.

Simon Bugslag hat sich deshalb Gedanken gemacht, wie sich das ändern ließe. Im Freundeskreis wurden Möglichkeiten aufgeworfen und diskutiert. Einiges davon wurde wieder verworfen, anderes zum Ideenstapel hinzugefügt.

Dann übernahm der junge Mann die Leitung des „Sportscentrums“ in Apenrade und zog in eine Wohngemeinschaft. Zwei Wendepunkte, die zu einem neuen Angebot führten, das den jungen Menschen in Apenrade Anfang September zum ersten Mal gemacht wurde.

Fredagsbar im „Sportscentrum“ und „Marley‘s“

Die Fredagsbar findet am ersten Freitag im Monat im „Sportscentrum“ und in der Bar „Marley‘s“ statt.

Im Sportszentrum gibt es in der Zeit von 16 bis 18 Uhr unter anderem folgende Angebote:

  • Bowling
  • Minigolf
  • Dart
  • Beerpong-Turnier
  • 10 Prozent Getränkerabatt

Danach geht es im Marley‘s weiter.

„Mein Mitbewohner arbeitet in der Bar ,Marley‘s‘, und wir haben überlegt, dass Bar und Sportscentrum gemeinsame Sache machen sollten“, erinnert sich Simon. Im Januar dieses Jahres nahm er die Gespräche mit der Inhaberin und dem Inhaber der Bar auf, und die drei wurden sich schnell einig. Ein Programm wurde gestrickt.

Unter anderem Bowling gehört zu den Angeboten im „Sportszentrum“. Foto: Karin Riggelsen

Schülerinnen und Schüler sowie Studierende oder auch Auszubildende können jetzt jeden ersten Freitag im Monat ab 16 Uhr im „Sportszentrum“ unter anderem Bowlen, Minigolfen und Lasertag spielen – für 100 Kronen. Dafür gibt es ein Armband, das darüber hinaus zu einem 10-Prozent-Rabatt auf jedes Getränk berechtigt. Wer dann noch weiterziehen möchte, geht ins „Marley´s“ am Südermarkt (Søndertorv), wo das Armband ebenfalls gilt.

Ein solches Armband berechtigt unter anderem zu einem Getränkerabatt. Foto: Jan Peters

„Wir wissen, dass wir damit nicht die Gesamtlösung anbieten, doch wir wollen einen Anfang machen“, sagt der junge Unternehmer, der sein Alter – und das seiner Mitspieler – nur als Vorteil sieht. „Junge Menschen machen etwas für junge Leute, denn wir wissen, was die jungen Erwachsenen wollen“, ist er sicher.

Simon hofft, dass die Idee Schule macht und es bald Apenrader Geschäftsleute gibt, die sich mit weiteren Angeboten anschließen, „damit wir eine Stadt für junge Leute werden“, wünscht er sich.

Testlauf für die kommenden Freitage

Der erste Testlauf im September sei allerdings noch nicht so gut besucht gewesen, obwohl die Werbung in den sozialen Medien gemacht wurde und Flyer in verschiedenen Geschäften ausgelegt worden sind.

Simon hofft jetzt, dass es am kommenden ersten Freitag im Oktober mehr junge Leute in das „Sportszentrum“ und ins „Marley‘s“ zieht. Vor allem für den sogenannten „J-dag“, der Tag, an dem das Weihnachtsbier der Brauereien offiziell zum ersten Mal ausgeschenkt wird, macht er sich große Hoffnung.

„Für uns war der Tag aber schon mal ein Testlauf, und wir wissen jetzt, wie viel Personal wir benötigen und wie wir die Angebote planen“, sagt Simon.

Bevölkerungsentwicklung Apenrade

Die Bevölkerungsentwicklung in der Kommune Apenrade zeigt seit 2022 einen Positiv-Trend. Es gibt mehr Zu- als Abwanderer. Der Trend wird unter anderem von deutschen Zuzüglerinnen und Zuzüglern mitgetragen.

Der Blick auf die Altersverteilung in der Vergangenheit und auch die Voraussagen für die kommenden Jahre machen jedoch deutlich, dass es in der Kommune weniger junge Menschen, dafür aber mehr Ältere geben wird.

Eine kommunale Berechnung für die Jahre von 2013 bis 2024 zeigt folgende Entwicklung:

0- bis 24-Jährige: minus 11,1 Prozent
25- bis 64-Jährige: minus 6,3 Prozent
65+: plus 27,1 Prozent

Schon in den Jahren zuvor hat sich eine ähnliche Bevölkerungsentwicklung gezeigt.

Quelle: Danmarks Statistik

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