Nordschleswig

Wir waren Eisbaden

Wir waren Eisbaden

Wir waren Eisbaden

Naomi Stieglmaier
Apenrade/Aabenraa
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Auf dem Weg zum eiskalten Badevergnügen: Silvia Hummel Tarp (rechts) und Naomi Stieglmaier Foto: Karin Riggelsen

„Nordschleswiger“-Praktikantin Naomi Stieglmaier und Silvia Hummel Tarp haben sich bei einer Wassertemperatur von -1 Grad Celsius in die Ostsee gestürzt.

Seit sechs Wochen bin ich jetzt Praktikantin beim „Nordschleswiger“. Bei meinen unzähligen Strandbesuchen sah ich oft Menschen in Bademänteln umherlaufen und kurze Zeit später im Wasser rumplanschen. Niemals hätte ich gedacht, dass ich bald eine von ihnen sein werde. Eigentlich hasse ich Kälte und dann auch noch ins Wasser? Niemals, habe ich noch vor Kurzem behauptet.

Doch dann kam es anders als gedacht.

Plötzlich ging alles ganz schnell

Freitag früh stand ich also nichtsahnend in der Redaktion. Anke Haagensen, Lokalredakteurin beim „Nordschleswiger“, kam zu mir und fragte: „Naomi, hast du nicht Lust, mal Eisbaden zu gehen? Silvia würde mit dir kommen, sie macht das schon seit Jahren.“

Ich habe nicht lange überlegt und sagte einfach Ja. Warum auch nicht?

Dann ging es für mich schnell nach Hause, Handtücher holen, Mütze auf, Schal um und los gehts.

Ich habe Silvia Hummel Tarp dann am Süderstrand (Sønderstrand) in Apenrade getroffen. Sie ist ehemalige Mitarbeiterin des „Nordschleswigers“. Es war 16 Uhr, und die Sonne strahlte. Immerhin etwas Wärme.

Silvia hat Naomi einen Badeanzug geliehen. Foto: Karin Riggelsen

Vorne im Flachen war das Wasser schon gefroren, deshalb nutzten wir den langen Steg und gingen diesen bis zum Ende. Da ich nicht damit gerechnet hatte, im Winter Badesachen zu benötigen, brachte Silvia mir den Badeanzug ihrer Tochter mit. Glücklicherweise haben wir dieselbe Größe. Wir legten unsere Sachen ab, zogen uns um, und dann ging es auch schon los. Silvia hatte den Vortritt. Danach war ich dran.

Schon auf dem Steg fror ich, der Boden war unglaublich kalt. Egal, jetzt oder nie.

Also tauchte ich einfach direkt bis zum Kinn unter.

In der Sekunde, in der ich meinen Fuß ins Wasser steckte, war jedes Gefühl für meinen Körper einfach weg.

Naomi Stieglmaier
Silvia war schon ein zweites Mal im Wasser, jetzt ist Naomi wieder dran. Foto: Karin Riggelsen

In der Sekunde, in der ich meinen Fuß ins Wasser steckte, war jedes Gefühl für meinen Körper einfach weg. Ich habe nichts mehr gespürt. Das war erschreckend und aufregend zugleich.

Hätte mir ein Hai den Fuß abgebissen, hätte ich das wahrscheinlich nicht einmal mitbekommen. Ich bin also schnell wieder raus, stellte mich in die Sonne und versuchte, irgendwie Wärme in mich aufzunehmen. Silvia erzählte mir, normalerweise gehen die Eisbader dreimal ins Wasser. Ich bin nach dem ersten Mal schon fast eines Kältetodes gestorben, gefühlt jedenfalls.

Silvia ist schon lange Eisbaderin. Hier schwimmt sie in der Ostsee am Süderstrand in Apenrade. Foto: Karin Riggelsen

Trotzdem wagte ich noch einen zweiten Anlauf. Ich schwamm wieder für ein paar Sekunden auf der Stelle und bin raus. Das hat mir gereicht. Vor Silvia habe ich großen Respekt, dreimal war sie im eiskalten Wasser und das um einiges länger als ich.

Diese Erfahrung, ist für Naomi ein Grund zum Lächeln. Foto: Karin Riggelsen

Nachdem wir uns wieder etwas in der Sonne aufgewärmt hatten, ging es raus aus den nassen Badesachen und rein in die trockenen Klamotten. Klingt jetzt einfacher als es war. Ich denke, jeder kennt die Problematik, lnge Kleidung anziehen zu wollen, obwohl der Körper noch nass ist. Dazu noch überall taub zu sein und weder Hände noch Beine zu spüren, das hat es wirklich schwer gemacht. Schnürsenkel binden wurde für mich zu einer echten Herausforderung.

Die Ostsee hatte am 12. Februar eine Temperatur von -1 Grad Celsius. Foto: Karin Riggelsen

Nach gefühlt zehn Stunden war aber auch das geschafft, dann ging es schnell zum Auto. Meine Füße habe ich erst nach 30 Minuten wieder gespürt. Eine heiße Dusche wäre danach vielleicht gut gewesen, das weiß ich dann fürs nächste Mal. Ich bin danach wieder in die Redaktion gefahren. Noch Stunden später war ich ein Eisklotz. Aber nichts, was mit dicken Socken und ein paar Tassen Tee nicht wieder wettzumachen gewesen wäre.




Mein Fazit: Es ist auf jeden Fall einen Versuch wert, Eisbaden einmal auszuprobieren.

Ich habe mich danach definitiv frisch und energiegeladen gefühlt. Es gibt einen gewissen Adrenalinkick, und Spaß macht es auch. Außerdem ist es gesund. Ich würde es definitiv wieder machen. Ich denke, von Mal zu Mal wird es einfacher, Übung macht ja bekanntlich den Meister.

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