Kantorei auf „Standby“

Mozarts Requiem ist abgesagt

Gesche Picolin
Gesche Picolin Journalistin
Apenrade/Aabenraa
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Mit diesem Schild mit der Einladung zu einem Orientierungstreffen im Nicolaihaus wurde die Kantorei bei der ersten Probe nach den Ferien begrüßt. Foto: Gesche Picolin

Die Apenrader Nicolai Kantorei steht mit sofortiger Wirkung ohne Chorleiter da. Das Konzert zum 100. Jahrestag des Waffenstillstandes am 11. November fällt aus.

Die Nachricht traf die Kantorei wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Das Konzert zum 100. Jahrestag des Waffenstillstandes des Ersten Weltkriegs am 11. November in Apenrade findet nicht statt.

Das erste Treffen nach den Sommerferien hatten sich die Mitglieder der Apenrader Nicolai Kantorei anders vorgestellt. An der Kirchentür klebte ein Zettel: „Lieber Chor, heute Abend treffen wir uns im Nicolaihaus zu einem Orientierungstreffen. Es gibt Kaffee und Kuchen.“

Wie im Taubenschlag ging es zu, die Wiedersehensfreude war groß, bis der Vorsitzende Eigil Paulsen das Wort ergriff: „Wir stellen das Projekt ein. Peter (von der Osten, Anm.) hat sein Haus verkauft. Das ging wesentlich schneller als erwartet. Er ist bereits umgezogen. 450 km weit weg.“

Paulsen ging auf die Umstände ein, die zu von der Ostens Anstellung als Schwangerschaftsvertretung geführt hatten: Juliane Ilgner, frühere Organistin in Sankt Nicolai und selbst Mitglied der Kantorei, ging zum März, direkt nach dem Einweihungskonzert des Flügels in der Kirche, in den Mutterschutz.

Und von der Osten, ursprünglich als Korrepetitor zum Einstudieren gebucht, übernahm das Dirigat. Zwischenzeitlich aber hat Ilgners Mann eine Anstellung im Dom zu Roskilde bekommen, und die junge Familie kommt somit nicht zurück nach Apenrade.

„Peter hat nach Kräften nach einem Ersatz gesucht“, so Paulsen. Er habe auch einen Kandidaten gefunden. Aber die Chemie müsse stimmen. Und das war nicht so, ließ der Vorsitzende durchblicken. Er führte aus, dass viele weitere Umstände zu dem Entscheid des Vorstands geführt hätten. Am Montag (Tag vor der ersten Probe, Anm.) hätten sie im Kirchenbüro vorgesprochen.

Gemeinde: Bisher kaum Ausgaben für das Projekt

„Es ist eine verantwortliche Lösung“, so Verwaltungschef Morten Hansen am Mittwoch zu unserer Zeitung, „Von Gemeindeseite aus hatten wir kaum Ausgaben für das Projekt. Aber es ist natürlich schade, dass es nicht durchgeführt wird.“

Kirchengemeinderat und das Kirchenbüro seien großzügig gewesen, darauf bestand Paulsen. Bis möglicherweise 1. November sei die Kantorei jetzt aber „auf Standby“.

Die Gründe hierfür erklärte Sarah Arnkjær vom Kirchengemeinderat im Anschluss. Sie erläuterte, dass derzeit zwei Organisten gesucht würden. Einer von ihnen habe in seinem Aufgabengebiet, die Kantorei zu leiten.

Die Kantorei hatte für die Mozartaufführung eine Gesamtunterstützung von 175.000 Kronen erhalten (wir berichteten), aus Mitteln von unter anderem Danfoss, A. P. Møller, der Apenrader Nicolausloge und nicht zuletzt vom Grenzverein. Ob die Gelder zurückerstattet werden müssen oder zum späteren Gebrauch behalten werden können, muss Paulsen jetzt prüfen.

Peter von der Osten geht wieder nach Deutschland

Peter von der Osten hat 33 Jahre lang die Nordschleswigsche Musikvereinigung als Musikdirektor geleitet. Er hat Juliane Ilgner in der Schwangerschaftspause als Assistent bei der Nicolai Kantorei vertreten, „kann sie aber jetzt nach ihrem Umzug nach Roskilde sehr zu meinem Bedauern nicht weiterhin ablösen. Es ist eine gute Entscheidung des Chores, auf den neuen Stelleninhaber zu warten, und dann die so qualifizierte Kantorei-Arbeit neu zu starten“, sagte von der Osten gegenüber unserer Zeitung.

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