Kulturpreis

Auszeichnung für die inoffizielle Botschafterin des Landesteils

Auszeichnung für die inoffizielle Botschafterin des Landesteils

Auszeichnung für die Botschafterin des Landesteils

Rothenkrug/Rødekro
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Claus Helsbøl, Vorsitzender des Rothenkruger Kulturpreises, liest Preisträgerin Bodil Jørgensen den Text der Ernennungsurkunde vor. Foto: Karin Riggelsen

Mit coronabedingter Verspätung konnte der dänischen Volksschauspielerin Bodil Jørgensen endlich der Rothenkruger Kulturpreis 2019 überreicht werden. Die Wahl fiel nicht zuletzt wegen ihres Engagements im Jubiläumsjahr der Grenzziehung auf die 59-Jährige, die gebürtig aus Vejen stammt, das so gerade eben nicht mehr in Nordschleswig liegt.

Bodil Jørgensen ist am Dienstagabend mit dem Rothenkruger Kulturpreis 2019 ausgezeichnet worden. Die Preisverleihung hätte eigentlich schon im Frühjahr stattfinden sollen, musste allerdings coronabedingt verschoben werden.

Das Virus hat die Veranstaltung zwar dahingehend beeinflusst, dass auf die traditionelle öffentliche Überreichung in der Rothenkruger Bibliothek verzichtet werden musste. Stattdessen war der Termin einem kleinen illustren Kreis von vornehmlich Sponsoren und anderen geladenen Gästen am Abend im Hotel und Restaurant „Røde Kro“ vorbehalten.

Claus Helsbøl hob in seiner Laudatio die Verdienste von Bodil Jørgensen um die nordschleswigsche Sprache „Sønderjysk“ hervor. Foto: Karin Riggelsen

Es gab für den Vorstand des Kulturpreises viele gute Gründe, sich für Bodil Jørgensen als Kulturpreisträgerin 2019 zu entscheiden, wie der Vorsitzende Claus Helsbøl in seiner Laudatio feststellte. Allerdings habe sie sich im Jubiläumsjahr der Grenzziehung als „glänzende Botschafterin für die Geschichte, die Sprache, die Lieder- und Kuchenkultur des Landesteils“ ausgezeichnet.

Helsbøl schloss seine Lobrede mit einer berührenden Erzählung seiner ersten persönlichen Begegnung mit Bodil Jørgensen. Foto: Karin Riggelsen

Die verbotenen Lieder

Sie war nicht nur Protagonistin mehrerer Werbefilmchen für das Jubiläumsjahr, sondern hat mit ihrer Erzählvorstellung mit dem Titel „De forbudte Sange“ (dt: Die verbotenen Lieder) einen wichtigen Beitrag zur Geschichtsvermittlung geleistet.

Die Tatsache, dass sie sich im Jahr 2019 als einzige professionelle Schauspielerin für das Heimatstück „Sorgargre“ bei Wind und Regen an die Seite einer Reihe Amateurschauspieler auf einen weichen Acker bei Ballum begab, hat den Kulturpreisvorstand tief beeindruckt.

Ein persönlicher Dank

Helsbøl schloss seine Laudatio mit einem persönlichen Dank an die Schauspielerin. 2012 hatte er für sich und seine todkranke Frau Theaterkarten für Henrik Ibsens Schauspiel „Die Wildente“ im Kopenhagener Schauspielhaus ergattern können. Er hatte sich damals zudem erdreistet, Bodil Jørgensen um ein Gespräch vor der Vorstellung zu bitten. „Sie nahm sich natürlich die Zeit für uns und führte uns sogar herum. Meine Frau war dafür sehr dankbar. Und ich natürlich auch“, so Helsbøl.

Bodil Jørgensen war offensichtlich so gerührt über diesen Dank, dass sie alle Corona-Richtlinien kurz beiseite ließ, und den Vorsitzenden herzlich umarmte.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Voneinander lernen“