Schulfreizeitordnungen

Vermitteln von Sprache, Kultur und Tradition

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Vermitteln von Sprache, Kultur und Tradition

Malte Cilsik
Apenrade/Aabenraa
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Das Modell der Schulfreizeitordnungen (SFOs) ist in Deutschland nicht geläufig. Dort sind es meistens Offene Ganztagsschulen (OGS). Auch wenn die Konzepte vergleichbar sind, bestehen einige Unterschiede. Foto: Malte Cilsik

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Lange Arbeitszeiten stellen Eltern oft vor Betreuungsprobleme. In Dänemark schaffen hierbei die SFOs der Grundschulen Abhilfe. An den deutschen Schulen des Landes bieten sie aber mehr als das – sie vermitteln zwischen den Sprachen, Kulturen und Traditionen der beiden Länder.

Das Modell der Schulfreizeitordnungen (SFOs) ist in Deutschland nicht etabliert. Dort findet die Betreuung typischerweise in Vor- und Übermittagsbetreuungen (VÜMs), Offenen Ganztagsschulen (OGS) oder Horten statt.

Die SFOs entstammen dem Vorbild der dänischen Schulen und sind spätestens seit der Schulreform 2013 auch fester Bestandteil der Schulen des Deutschen Schul- und Sprachvereins für Nordschleswig (DSSV).

Ähnlichkeit zu deutschen Betreuungsangeboten

Im Prinzip ähneln die SFOs den deutschen Betreuungsformen: Eltern können ihre Kinder bereits meist etwa eine Stunde vor Schulbeginn dorthin bringen und nach Schulschluss können sie dort bis zur Abfahrt des Busses oder maximal bis in den späten Nachmittag bleiben.

Die Unterschiede

Ein Unterschied zu vielen deutschen Betreuungsangeboten ist für Marion Köstlin, der Leiterin der KiM-SFO Apenrade (KiM = Kind im Mittelpunkt) die flexiblere Organisation der Hausaufgaben. „Während in den deutschen Modellen häufig feste Zeiten für die Hausaufgaben festgelegt werden, stellen wir dies den Eltern frei. Sie können ihr Kind bei uns zwar auch für ein Hausaufgabencafé (Lektie-Café) anmelden – aber das ist kein Muss. Wir bieten stets auch alternative Programme an, und die Kinder können ihre Hausaufgaben auch später zu Hause erledigen, wenn sie ohnehin nicht mit ihren Freunden spielen können.“

Köstlin selbst war früher in einem deutschen Hort angestellt und kennt daher die Unterschiede.

Marion Köstlin leitet seit 2013 die KiM-SFO in Apenrade. Früher hat sie in einem deutschen Hort gearbeitet. Foto: Malte Cilsik

Der DSSV formuliert in seinen Richtlinien einen noch zentraleren Unterschied: Die SFOs sollen neben der dänischen auch die deutsche Sprache und Kultur vermitteln. Kinder beider Nationen sollen sich kennenlernen.

„Die Hauptsprache in unserer SFO ist Deutsch. Aber vor allem in der Vorschule können wir die Sprache bei dänischen Kindern noch nicht voraussetzen. Das geht dann aber meistens relativ schnell – der enge Kontakt hilft dabei“, meint Köstlin.

Neben der Sprache legen die SFOs ihren Schwerpunkt auch auf landestypische Traditionen. Köstlin betont, dass dabei keine Nation zu kurz kommt: „Wir decken beide Seiten ab. Dänische Kinder bekommen zum Beispiel Schultüten oder nehmen an Laternenumzügen teil, während deutsche Kinder Traditionen wie das Lucia-Fest oder das Tonneschlagen an Fasching kennenlernen.“

SFOs von Vorteil bei der Einschulung

Auch losgelöst von der Rolle der SFOs als Vermittler, sieht Köstlin entscheidende Vorteile bei einem Verbleib der Kinder auch über den Schulalltag hinaus. „Die Kinder bewegen sich durch die längeren Aufenthalte viel sicherer auf dem Schulgelände und kennen sich und das Personal besser. Vor allem bei frisch eingeschulten Schülern ist der Unterschied enorm.“

Die Betreuung in der SFO stärkt das Gemeinschaftsgefühl der Kinder. Die gemeinsame Freizeit ist ein schöner Kontrast zu den Stunden im Klassenzimmer. Foto: Malte Cilsik

Sie kann daher nur empfehlen, besonders künftige Schülerinnen und Schüler bereits eine Woche vor Schulstart in der SFO anzumelden, und ihnen so einen sanften Einstieg zu ermöglichen. Neben der in Apenrade, bieten auch die meisten anderen SFOs diese Möglichkeit.

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