Wort zum Sonntag

„Das Wort zum Sonntag zum 9. August 2020“

Das Wort zum Sonntag zum 9. August 2020

Das Wort zum Sonntag zum 9. August 2020

Pastor Martin Witte
Martin Witte
Nordschleswig
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Foto: Martin Witte

Das Wort zum Sonntag zum 9. August 2020 von Martin Witte, Pastor im Pfarrbezirk Süderwilstrup

Wort zum Sonntag 9. August 2020 ( 9. So n.Tr.)

„Und wir haben uns so sehr darauf gefreut!“ So klagten viele Menschen, die ihre Sommer-Urlaubspläne aufgrund der Corona-Krise begraben mussten. Sich am Palmenstrand ins tiefblaue Meer zu stürzen oder mit dem Kreuzfahrtschiff unbekannte Länder und Meere zu entdecken – daraus wurde nichts. Nur unsere Mutter frohlockte. Unsere aller Mutter, die Natur. Sie konnte buchstäblich ein wenig auf- und durchatmen. Endlich wieder frische Luft und unbelastetes Wasser!

Warum zieht es uns Menschen nur dauernd in die Ferne, besonders in der Sommerzeit? Schon Johann Wolfgang von Goethe hat sich das gefragt, als er in seinem Gedicht „Erinnerung“ schrieb: „Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Lerne nur das Glück ergreifen. Denn das Glück ist immer da.“ Ein guter Rat, den viele in diesem Sommer befolgt haben. Noch nie gab es so viele Fahrrad-Reisende auf den Straßen und Wegen. Und Wanderer und Pilger auf verborgenen Pfaden. Ich gehörte auch zu ihnen. Dabei entdeckte ich ganz in meiner Nähe einen „Løkkegyden“ mit spannenden Steinen, Gesichtern und Sprüchen auf Baumstümpfen und im Gesträuch. Eine „Glücksgasse“? Erst später erfuhr ich, dass „løkke“ nicht „Glück“ bedeutet, sondern „Schleife“, aber mit Glück hat dieser Pilgerweg dennoch zu tun, mit dem Glück, Überraschendes zu finden, ins Nachdenken zu geraten und zur Ruhe zu finden. Ich fand auf diesem Pilgerweg „Camino Haderslev Næs“ auch ein wunderschönes Schnitzwerk in der Kirche zu Halk. Christophorus trägt das Christuskind durch die Fluten. So wird aus dem Riesen Reprobus, der nur dem stärksten Herrn dienen wollte, ein „Christo-phorus“, ein „Christus-Träger“. Er fand, was er ersehnte, Sinn und Glück, indem er sich für andere einsetzte.

Morgen werden in vielen Gottesdiensten Jesu Gleichnisse vom verborgenen Schatz und von der kostbaren Perle gelesen. Ein Landwirt und ein Kaufmann fanden ganz in ihrer Nähe das, was ihr Herz wirklich erfüllte. Ein Stück Himmel! Darüber wurde ihnen alles andere unwichtig.

Habt Ihr das nicht auch erlebt? Vielleicht in diesem Sommer? Ganz in der Nähe? Ich wünsche uns, dass wir in der kommenden Woche gestärkt die neuen Aufgaben in der Familie, in der Schule und bei der Arbeit, im Verein und in der Kirchengemeinde anpacken und vielleicht ein wenig bewusster leben, so dass unsere Mutter Natur weiter durchatmen kann und unser Leben zum Segen wird für andere!

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