Wort zum Sonntag

„Das Wort zum Sonntag zum 23. August 2020“

Das Wort zum Sonntag zum 23. August 2020

Das Wort zum Sonntag zum 23. August 2020

Bischof Gothart Maagaard
Gothart Magaard Bischof
Nordschleswig
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Das Wort zum Sonntag zum 23. August 2020 von Bischof Gothart Magaard, Schleswig

Nach den Sommerferien kehrt nördlich wie südlich der Grenze allmählich wieder der Alltag ein. Noch wissen wir nicht, wie lange diese neue Normalität anhalten wird. Überall stoße ich auf ganz unterschiedliche Stimmungen, die zwischen Verunsicherung und verstörender Gleichgültigkeit schwanken, die zu Vorsicht oder auch beherztem Neuaufbruch raten. Nein, am Ende dieses Sommers ist noch nichts normal, alles bleibt anders. Besonnenheit im Umgang mit der Situation und Achtsamkeit miteinander bleiben gefragt.

Auch wenn in diesen Wochen vieles unklar bleibt und niemand eindeutig sagen kann, wie der perfekte Umgang mit dem Corona-Virus aussieht, bin ich dankbar, dass in den Sommermonaten schon wieder mehr möglich war: Reisen, Begegnungen, Feste in kleinem Rahmen und auch Gottesdienste finden wieder statt. Auch im Grenzland ist wieder Bewegung und Austausch möglich. Die Grenze ist offen. Ich freue mich, Freunde und Kolleg*innen wiederzusehen, gemeinsam an einem Tisch sitzen zu können, wie in diesen Tagen auch mit Bischöfin Marianne Christiansen und Bischof Elof Westergaard. Wie so vielen wird auch mir deutlich bewusst, was mir in den vergangenen Wochen gefehlt hat und was mir immer noch fehlt. Und ich frage mich: Wird sich unser Leben dauerhaft verändern? Wann werden wir uns irgendwann wieder unbeschwert nahe kommen können? Wie viel Nähe und Begegnung brauchen wir, um untereinander Vertrauen nicht zu gefährden?

Vertrauen entsteht dort, wo Menschen die Erfahrung machen, dass sie sich in guten Zeiten, aber auch in Krisenzeiten auf einander verlassen können. Zu diesen wichtigen Erfahrungen, die ich in der Gemeinschaft mit anderen mache – ob in der Nähe oder über Grenzen hinweg – kommt ein Gottvertrauen, aus dem ich Hoffnung und Zuversicht schöpfe. Das gibt mir Besonnenheit, um Entscheidungen zu treffen, und die Kraft, Veränderungen zu wagen und anzunehmen. In einem biblischen Wort für diesen Sonntag heißt es im Psalm 62: Hoffet auf ihn allezeit, liebe Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus; Gott ist unsre Zuversicht.

Was schwerfällt, auch benennen zu können und das Herz auszuschütten, hilft, um zuversichtlich nach vorne schauen zu können. Darin liegt die Kraft unseres Glaubens: mit dem Schweren umgehen zu können und dennoch zuversichtlich zu bleiben. Dafür bieten unsere Kirchen einen Raum – jetzt und auch in Zukunft. Denn Gott ist unsre Zuversicht.

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