Wort zum Sonntag

„Das Wort zum Sonntag zum 22. Februar 2020“

Das Wort zum Sonntag zum 22. Februar 2020

Das Wort zum Sonntag zum 22. Februar 2020

Pastor Axel Bargheer, Kopenhagen
Axel Bargheer
Nordschleswig
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Foto: Adobe Stock

Das Wort zum Sonntag zum 22. Februar 2020 von Axel Bargheer, Pastor der Deutsch Reformierten Kirche in Kopenhagen

„Da nich‘ für!“

Als ich das erste Mal diese Floskel zu hören bekam, war ich etwas irritiert und beinahe gekränkt. Ich hatte mich bedankt und bekam als Antwort nur die lakonische Bemerkung „Da nich‘ für“. Schnell verstand ich, dass es sich um eine typisch norddeutsche Phrase handelte.

Seitdem habe ich diese Worte oft gehört, manchmal auch in der Variante „Dafür nich‘“. Und auch wenn ich mich inzwischen schon fast daran gewöhnt habe, hin und wieder kann ich es nicht lassen zu antworten: „Doch, genau dafür: danke!“

Bin ich altmodisch, wenn ich das „Danke“-Sagen nach wie vor als etwas Schönes und Wertvolles im menschlichen Zusammensein empfinde? Da hat jemand gesehen, was jemand anderes braucht oder was ihm gut tut. Und vor allem hat er oder sie dann aufmerksam darauf reagiert. Es ist doch gut zu sehen, dass man noch rücksichtsvoll und achtsam miteinander umgehen kann. Dafür darf man „Danke“ sagen, auch wenn es sich um die kleinen Dinge des Alltags handelt!

„Da nich‘ für“ kann manchmal so klingen, als nähme man den Dank nicht ernst oder wichtig. Das wäre schade. Natürlich habe ich mittlerweile verstanden, dass die Bemerkung „Da nich‘ für“ in der Regel nicht abschätzig gemeint ist. Sie entspringt einfach dem manchmal etwas robusten Charme der norddeutschen Küstenbewohner.

Vielleicht ist es ja so, dass uns Nordlichtern ein aufmerksames und solidarisches Verhalten so selbstverständlich ist, dass man es nicht besonders erwähnen muss. Schön, wenn Respekt, Aufmerksamkeit und Fürsorge zum Grundton unserer Beziehungen gehören. Aber das sollte uns nicht hindern, auch den Dank ordentlich anzunehmen, denn das hilft auch dem, der diesen Dank ausspricht.

Vielleicht kann die Antwort auf ein harmloses „Danke“ dann ein „Gern geschehen“ oder einfach ein „Bitte“ sein. Wir sind immer sowohl Gebende als auch Annehmende und darin mehr auf andere angewiesen, als auf den ersten Blick sichtbar. Sowohl beim Bitten als auch beim Danken zeigen wir uns gegenseitig unsere menschliche Seite – und beides kann man mit Respekt und Selbstbewusstsein tun.

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