Wort zum Sonntag

„Das Wort zum Sonntag zum 18. April 2020“

Das Wort zum Sonntag zum 18. April 2020

Das Wort zum Sonntag zum 18. April 2020

Pastorin Sabine Hofmeister
Sabine Hofmeister
Nordschleswig
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Das Wort zum Sonntag zum 18. April 2020 von Pastorin Sabine Hofmeister, Fredericia

„Denn ich … bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht … aber Barmherzigkeit erweist an vielen tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.“ (2. Mose 20, 5-6)

Die Erzählung meines Kollegen bekommt in diesen Corona-Zeiten eine ganz neue Aktualität. Hier und da wenige kleine Änderungen – den räumlichen Gegebenheiten geschuldet –, und …

Die alte Frau betete für den Sohn ihrer Freundin. Er lag im Sterben. Noch höchstens eine Woche – so sagten die Ärzte. Eine Kerze hatte die alte Dame angezündet, in der Kirche. Und inständig betete sie gegen die Prophezeiung der Ärzte an. Er möge nicht sterben – dies war ihr einziger Wunsch. Und die Woche ging vorüber. Der junge Mann lebte. Wieder saß sie in der Kirche. Die Ärzte mit ihrem Fachverstand mussten kapitulieren vor der Kraft ihrer Gebete, so meinte die alte Frau. Triumph und Hoffnung mischten sich in ihrem Herzen. Der Tod war abgewehrt, nun wollte sie Besserung erbitten. Doch die Besserung kam nicht. Im Gegenteil. Der Zustand des jungen Mannes wurde schlechter. Hatte sie bisher nur den Tod als schlimmsten Feind gesehen, so sah sie nun die Qualen der Krankheit. Jetzt machte sich die Frau Vorwürfe, dass ihre Gebete das Leben des jungen Mannes nur verlängert hätten, dass sie selbst wohl schuld sei an den Qualen. Ganz stumm wurde sie nun. Gott um seinen Tod zu bitten, schien ihr lästerlich. Gott will doch Leben und nicht Tod, sagte sie sich.

Doch Leben war das nicht, was der junge Mann jetzt durchmachte. So quälte sich die alte Frau an jedem Tag, den dieses Unglück währte. Bis sie den Ausweg aus dem bösen Zwiespalt fand. Der junge Mann selbst hatte sie darauf gebracht. Legen wir doch einfach alles in Gottes Hand, sagte er zu ihr, als er spürte, wie die Frau an seinem Bett nach Worten rang und nicht mehr zu beten vermochte. Lass uns doch darum beten, dass wir ertragen können, was nun kommen wird, schlug er vor. Das war`s. Der Frau fiel ein Stein vom Herzen. Sie konnten gemeinsam lächeln, der Sterbenskranke und seine Besucherin.

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