Wort zum Sonntag

„Das Wort zum Sonntag zum 17. Mai 2020“

Das Wort zum Sonntag zum 17. Mai 2020

Das Wort zum Sonntag zum 17. Mai 2020

Elof Westergaard
Elof Westergaard
Nordschleswig
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Das Wort zum Sonntag zum 17. Mai 2020 von Bischof Elof Westergaard, Ripen

Wie wird die Krise dein Leben in Zukunft bestimmen?

In letzter Zeit wurde mir oft eine Reihe von Fragen zu meinem Leben jetzt unter der Corona-Epidemie gestellt, unter anderem auch, wie die Krise mein Leben in Zukunft verändern würde?
Eine Antwort auf diese Frage – meine ich – ist gar nicht so leicht zu geben, deswegen sagte ich auch: Es ist zu früh, darauf zu antworten. Erstens glaube ich nicht, dass uns die Tragweite so richtig bewusst geworden ist, was die Krise für unser Selbstverständnis, unser Leben und unsere Gesellschaft bedeuten wird.
Zum anderen mache ich mir aber auch keine Illusionen: Wenn erst der Alltag so richtig wieder losgeht (wenn das denn der Fall ist), dann werde ich mich schnell wieder in allen vielen alltäglichen Verrichtungen verlieren und wahrscheinlich vieles vergessen. Die Frage ist, ob ich dann überhaupt daran denken werde, anzuhalten, um über das Geschehene der vergangenen Monate zu reflektieren, dann, wenn alles wieder seinen gewohnten Gang geht.

Etwas aber haben andere Pastoren und ich schon jetzt gelernt, aus der Zeit, als unsere Kirchen über lange Zeit in Dänemark geschlossen waren. (Auch wenn Begräbnisse, Beisetzungen, Trauungen und Taufen mit stark begrenzter Teilnehmerzahl stattgefunden haben.)
Ich könnte viel und lange darüber schreiben, wie sehr es mir fehlte, zum Gottesdienst am Sonntag in der Kirche zusammen versammelt zu sein.
Es war ein höchst merkwürdiges Osterfest, nicht an den Karfreitags -und Ostersonntagsgottesdiensten teilnehmen zu können.
Die Gemeinschaft der Gemeinde ist unverzichtbar. Ich freue mich nun wirklich, dass wir zu Himmelfahrt wieder gemeinsam in den dänischen Kirchen Gottesdienst feiern können. Sicherlich mit begrenzter Teilnehmerzahl, aber der Gottesdienst wird dort sein.

Wir haben in den vergangenen Monaten auch etwas darüber gelernt, was es heißt, Kirche zu sein. Wir haben uns – so glaube ich – als Kirche mehr nach außen gewandt. Ich schreibe z. B. kleine Predigten zu allen Sonntagen.
Unsere Stiftskontorchefin und ich schließen uns dann einmal in der Woche in die leere Domkirche ein. Ich ziehe meinen Talar an, und sie nimmt mit ihrem Mobiltelefon einen kleinen Film meiner Minipredigt auf. Dieser Film wird dann bearbeitet und Sonntagmorgen um sieben Uhr ins Internet auf die Homepage des Stiftes und auf Facebook gestellt. An diesen Predigten empfinde ich eine große Freude, vor allem, wenn ich sehe, wie viele Menschen meine Freude teilen.
Es melden sich Menschen meiner ehemaligen Gemeinde und auch Konfirmanden, die mir über Facebook Grüße senden. Das finde ich einfach herrlich. Ich weiß, viele machen es ähnlich, während andere mit viel Fantasie und Kreativität Neues ausprobieren. Von einer Pastorin habe ich erfahren, dass sie kleine Filme aufnimmt, in denen sie am Klavier Kirchenlieder singt und zu diesen einige gute Worte mit auf den Weg gibt. Jeder, der diese Filme sieht, kann fast nicht anders als mitzusingen oder mitzusummen.

Viele solche neuen und fantasievollen Ideen haben sich in den vergangenen Monaten entwickelt. Ich hoffe wirklich, dass wir als Kirche die Gabe haben, daran festzuhalten und diese guten Aktionen auch weiterentwickeln. Gleichzeitig soll aber „normaler“ Kirchenbesuch bald wieder stattfinden können und es auch möglich sein, an anderen „lieb gewonnenen“ kirchliche Angeboten teilnehmen zu können.

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