Wort zum Sonntag

„Das Wort zum Sonntag zum 10. Mai 2020“

Das Wort zum Sonntag zum 10. Mai 2020

Das Wort zum Sonntag zum 10. Mai 2020

Hauptpastorin Dr. Rajah Scheepers der Sankt Petri Kirche, Die deutschsprachige Gemeinde in der Dänischen Volkskirche
Rajah Scheepers
Nordschleswig
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Foto: Adobe Stock

Das Wort zum Sonntag zum 10. Mai 2020 von Hauptpastorin Dr. Rajah Scheepers der Sankt Petri Kirche, der deutschsprachigen Gemeinde in der Dänischen Volkskirche

In dieser Woche konnte man am Abend des 4. Mai viele Kerzen in den Fenstern und auf Fotos in den sozialen Medien sehen, zur Erinnerung an die Kapitulation Deutschlands in Dänemark am 4. Mai 1945. Nur wenige Meter von der Sankt Petri Kirche Kopenhagen ist einer meiner Lieblingsplätze – der Israel Plads. Jetzt, im Frühling, sind dort Jugendliche, die skaten oder Basketball spielen, Menschen, die sich zum Lunch etwas in den „Torvehallerne“ geholt haben und angeregt miteinander ins Gespräch vertieft sind, sowie Kinder, die vor Vergnügen jauchzend mit ihren Rollerblades um den Platz kurven. Dieser Platz erhielt 1968 einen neuen Namen – anlässlich des 25. Jahrestages der Rettung der dänischen Juden und Jüdinnen. Ein großer roter Stein aus der Wüste Israels erinnert daran. Gleichzeitig erhielt auch Jerusalem einen „Dänemarkplatz“. Die Rettung der dänischen Juden im Oktober 1943 während der Zeit des Nationalsozialismus ist in der Geschichte der im Zweiten Weltkrieg besetzten Gebiete in Europa ohne Beispiel. Als unsere Sankt-Petri-Siebtklässler noch zur Schule gingen, habe ich ihnen diese Geschichte erzählt, denn für mich gehört sie zur deutsch-dänischen Geschichte unbedingt dazu. Die Rettung der Mehrzahl der dänischen Juden und Jüdinnen wurde durch den deutschen Diplomaten Georg Ferdinand Duckwitz möglich und verhinderte den Mord an vielen Juden im Zuge des Holocaust. Eine Geschichte aus den dunklen Zeiten des Zweiten Weltkrieges.

Und auch die Sankt Petri Kirche und Schule waren in diese Geschichte involviert – wie, das untersucht gerade ein von Schule und Kirche gemeinsam initiiertes Forschungsprojekt. Nicht zuletzt besuchten die Töchter des „Statthalters“ in Dänemark, Werner Best, die Sankt Petri Schule, während der Sankt Petri Hauptpastor Werner Görnandt seine Einstellung zum nationalsozialistischen Regime im Laufe der NS-Zeit geändert hatte: Der in Berlin geborene Görnandt hatte am „Tag von Potsdam“ noch den Schulterschluss zwischen Kirche und Nazi-Staat gefeiert. Doch bereits Ende 1933 stand er vor der Suspendierung, nachdem er bei den Gemeindekirchenratswahlen für die Liste „Evangelium und Kirche“ kandidiert hatte, einem Vorläufer der Bekennenden Kirche. Zudem galt seine Frau als „Halbjüdin“. So ging er Anfang 1934 ins Exil nach Kopenhagen und blieb dort bis 1960 Pastor.

Umkehr ist möglich. Eine Wende der eigenen Haltung ist möglich! Gott erwartet von uns, dass wir unser Handeln, Denken und Fühlen im Lichte des Evangeliums betrachten und zu einer Umkehr bereit sind. Die staatlichen Buß- und Bettage, wie der am Freitag begangene „store bededag“ waren ursprünglich dazu gedacht, dem Volk die Chance und die Freiheit zu geben, das eigene Verhalten zu reflektieren, Buße zu tun und daraufhin das Verhalten und Denken zu ändern. Der „store bededag“, der immer am 4. Freitag nach Ostern gefeiert wird, wurde 1686 von König Christian V. als Konsolidierung mehrerer römisch-katholischer Feiertage eingeführt. Also: Lasst uns dieses lange Wochenende nutzen, um Gott zu danken für den Frieden, der schon so lange zwischen unseren Ländern herrscht, um unsere Haltung in diesen schwierigen Zeiten zu überdenken und um Gott zu bitten, dass schon bald wieder Frieden, Einmütigkeit und Wohlergehen auf unserer Welt herrschen mögen!

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