Wort zum Sonntag

„Das Wort zum Sonntag, 27. Februar 2022“

Das Wort zum Sonntag, 27. Februar 2022

Das Wort zum Sonntag, 27. Februar 2022

Pastor Martin Witte
Martin Witte
Nordschleswig
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Das Wort zum Sonntag, 27. Februar 2022 von Martin Witte, Pastor im Pfarrbezirk Süderwilstrup

Trifft man sich zum ersten Mal, dann gehört zur Begrüßung- und Vorstellungs-Runde immer auch die „Am-Liebsten-Frage“: Was tust Du am liebsten nach der Schule oder nach der Arbeit? Was isst Du am liebsten? Welches ist Dein Lieblingstier? Wohin fährst Du am liebsten in den Urlaub? Welche Musik hörst Du am häufigsten und was liest Du am liebsten? Warum nicht auch die Frage stellen: Welches Bibelwort gefällt Dir am besten?

Mein Lieblingsbibelwort wird morgen in den meisten Gottesdiensten gelesen: Das Hohelied der Liebe von Paulus, aus seinem 1. Korintherbrief, Kapitel 13: „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts…. Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf“. Ich sehe ihn noch vor mir: Einen Philologie-Studenten, selber überzeugter Atheist, wie er begeistert das gesamte 13. Kapitel zitierte – für ihn eines der schönsten Texte der Weltliteratur. Und ich muss an Brautpaare denken, die den letzten Vers 13 zu ihrem Trau-Spruch wählten: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“

Unsere Zeit mit so vielen hass- und gewalterfüllten Aussagen und Fake-News braucht solche Texte, damit unsere Welt nicht noch mehr auseinanderfällt. Denn das, was uns Menschen in all unserer Verschiedenheit zusammenhält, ist Respekt, Toleranz und Liebe.

Am kommenden Ascher-Mittwoch beginnt die Passionszeit, eine Zeit des Nachdenkens darüber, was wirklich wichtig ist im Leben und was unsere Welt im Innersten zusammenhält: Machtstreben oder Liebe?

Der indische Bischof Johnson Gnanabaranam (1933- 2008) hat dazu geschrieben:

Die Macht sagt: Ich bringe die Menschen zum Gehorchen.
Die Liebe sagt: Ich bringe die Menschen zum Lieben.

Die Macht sagt: Ich vernichte die Bösen.
Die Liebe sagt: Ich verwandle die Bösen durch Güte.

Die Macht sagt: Ich nehme das Schwert.
Die Liebe sagt: Ich nehme das Kreuz.

Und er schließt seine Gedanken mit einem Gebet: Mein Jesus, nimm weg von mir die Liebe zur Macht. Hilf mir, die Macht der Liebe zu verwirklichen!

Vielleicht kann böses Machtstreben allein durch Güte nicht bezwungen werden kann. Aber ohne Achtung und Respekt, Liebe und Güte sähe es noch viel ärger aus in unserer Welt und sie hätte keine Zukunft.

Einen nachdenklichen, aber schönen Sonntag wünscht
Martin Witte, Pastor im Pfarrbezirk Süderwilstrup

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