Wort zum Sonntag

„Das Wort zum Sonntag, 26. September 2021“

Das Wort zum Sonntag, 26. September 2021

Das Wort zum Sonntag, 26. September 2021

Carsten Pfeiffer
Carsten Pfeiffer
Nordschleswig
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Das Wort zum Sonntag, 26. September 2021, von Pastor Carsten Pfeiffer, Pfarrbezirk Buhrkall

Aller Augen warten auf dich und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit. (Psalm 145,15)

„Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand: der tut mit leisem Wehen sich mild und heimlich auf und träuft, wenn wir heim gehen, Wuchs und Gedeihen drauf. Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn."

Dies ist ein gern gesungenes Erntedanklied von Matthias Claudius (Evangelisches Gesangbuch 508,1). Es zitiert einen Teil aus dem Brief des Jakobus (Jak 1,17) und stellt diesen in einen Zusammenhang mit Natur, Jahreszeiten und Erntedank. Text und gesungene Melodie berühren – mir geht das so – auch in der Wiederholung immer wieder Herz und Gemüt. Dazu gehört auch der Kehrvers „Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn ..." Ich höre das als einen Seufzer dankbarer und freudiger Zustimmung: „So ist es. Gott sei Dank."

Diese Zustimmung ist aber gelegentlich auch ausgeblieben. Es gibt Zeitumstände, die Leben beschweren. Es gibt äußere Umstände, die Erntedank und Erntefreude verhindern. Ich lebe in einer Region, in der zwei Höfe Amerika und Australien heißen. Hier hatte es Auswanderungen in die jeweiligen Kontinente gegeben und die Namen der Höfe erinnern daran. Möglicherweise boten die Lebensumstände keine Perspektive für ein auskömmliches Leben. Sie fanden im eigenen Land keine Existenzgrundlage. Heute führen anderswo Misswirtschaft, Machtmissbrauch und Habgier zu Zuständen, die ein auskömmliches Leben erschweren oder unmöglich machen.

Wenn ich den Wochenspruch höre, denke ich auch daran. Mit dem Psalmdichter Gott anzurufen, heißt daher auch, zur eigenen Lebensqualität die schwierigen Lebensumstände anderer wahrzunehmen. Mit rechten Dingen geht es nur dort zu, wo geschieht, was im Psalm gesagt ist: Mangel wird behoben.
Lebensqualität ist da oder kann entstehen. Im Rahmen unserer Möglichkeiten können wir darauf mit Nachdruck bestehen und hinarbeiten. Mangel ist behebbar. Misswirtschaft, Machtmissbrauch und Habgier können Grenzen gesetzt bekommen. Das kann eine besonders effektive Form des Erntedanks sein. Sie verbindet Dank mit Fürsorge.

Eine gute und gesegnete Woche wünscht Ihnen Carsten Pfeiffer

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