Wort zum Sonntag

„Das Wort zum Sonntag, 23. Oktober 2022“

Das Wort zum Sonntag, 23. Oktober 2022

Das Wort zum Sonntag, 23. Oktober 2022

Marion Knutz-Kempendorf
Marion Knutz-Kempendorf Vertretungspastorin
Nordschleswig
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Das Wort zum Sonntag, 23. Oktober 2022, von Marion Knutz-Kempendorf, Vertretungspastorin in Tingleff

Sommer, bleibe bei uns,
höre nicht auf,
Zeit, bleibe stehen, so betete ich es als Kind.

Ich wünschte mir dann, dass diese besondere Jahreszeit, ja, das Gute des Lebens, das ich im Sommer erfahren hatte, bleiben sollte. Der Herbst dagegen ist die Jahreszeit des Übergangs, der nicht Eindeutigkeiten: Regen, Sonne und Sturm wechseln sich ab. Wie schwer fällt es, diese sonnige Zeit hinter sich zu lassen und in die dunklere Zeit mit den schweren Themen im November hineinzugehen. Was wird? Wie geht das Geschehen dieser Welt weiter? Wir brauchen Erzählungen, Gespräche, Auseinandersetzungen, auch über das, was wir glauben und was uns hilft. Unser Leben ist nie klar einzuteilen in „richtig“ oder „falsch“. Zum Glauben gehört auch das Zweifeln.

Dazu eine Geschichte des Übergangs aus dem Alten Testament.

Jakob hat den Übergang am Jabbok geschafft, als die Morgenröte einsetzt. Die unvermeidliche Konfrontation mit seinem Bruder bringt Jakob dazu, seine Familie in Sicherheit zu bringen. Bei der Überquerung des Flusses Jabbok kommt es zum Kampf. Die Bibel lässt jedoch offen, mit wem Jakob dort eigentlich ringt. Ist dieser Mann ein Engel, Gott oder ein Dämon? Auch uns begegnen Konflikte, bei denen unklar ist, mit wem oder was wir da eigentlich ringen. Womit müssen wir uns auseinandersetzen und wie? Jakob bleibt stark und gibt trotz eines schweren Schlags gegen die Hüfte nicht auf: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“ Jakob zieht zwar hinkend, aber gesegnet weiter.

Auch wir müssen zuweilen um unseren Segen kämpfen, uns den Konflikten stellen, um getrost wieder unseres Weges gehen zu können. Anders als der Übergang am Jabbok bedarf der Übergang der Jahreszeiten keines Kampfes, sondern ist unvermeidlich. Doch trotzdem ist der Übergang nicht leicht. Wie das hinkende Bein Jakobs ist uns bewusst, dass auch wir nicht immer ohne bleibende Verletzungen aus einem Konflikt hervorgehen können. Wir brauchen besonders auch in der dunklen Jahreszeit Träume, Visionen und Neuanfänge, die wir auch in den Geschichten der Bibel finden, an denen wir Halt finden wie am Geländer der Treppe, die an der Steilküste nach unten führt.

Seid herzlich gegrüßt
Marion (Vertretungspastorin in Tingleff)

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