Wort zum Sonntag

„Das Wort zum Sonntag, 21. August 2022“

Das Wort zum Sonntag, 21. August 2022

Das Wort zum Sonntag, 21. August 2022

Pastorin Dorothea Lindow
Dorothea Lindow
Nordschleswig
Zuletzt aktualisiert um:
Foto: Adobe Stock

Diesen Artikel vorlesen lassen.

Das Wort zum Sonntag, 21. August 2022, von Pastorin Dorothea Lindow, Kirche zu Tondern.

Grün oder violett?

Am Sonntag feiern wir in unseren deutschsprachigen Gottesdiensten den Israelsonntag.
Es geht um Israel; genauer gesagt, um das Verhältnis zwischen Menschen jüdischen Glaubens und Menschen christlichen Glaubens.

Sonntag haben wir die Wahl: Welche Farbe soll das Antependium haben (der Vorhang, der vorn am Altar oder manchmal auch an der Kanzel hängt)?
Grün oder violett? Das müssen wir entscheiden.
Denn Farben in der Kirche sind wichtig, jede hat ihre Bedeutung!

Entscheiden wir uns für Violett, steht im Vordergrund, was wir als Christen für Schuld auf uns geladen haben im Verhältnis der beiden großen Religionen zueinander: Verfolgungen, die Shoa, Judenmission in vielen Jahrhunderten, weil wir uns vermeintlich überlegen fühlten.
Zum Beispiel wurde im gerade vergangenen Juni in Deutschland gerichtlich bestätigt, dass das Steinrelief einer Judensau an der Wittenberger Kirche hängen bleiben darf. Die Judensau ist ein Bildmotiv aus dem Hochmittelalter, was in antijudaistischer Weise Menschen jüdischen Glaubens diskriminiert und demütigt. Später wurde das Motiv auch in die Sprache übernommen, auch die nationalsozialistische Propaganda griff diese Begrifflichkeit auf.
Wie gehen wir heute damit um?
In Wittenberg an der Stadtkirche wird eindrücklich das Relief der Judensau thematisiert. Man setzt sich auseinander mit der eigenen judenfeindlichen Vergangenheit.
Die evangelische Kirche in Deutschland hat inzwischen einen Antisemitismusbeauftragten, der sagt: „Antisemitismus widerspricht allem, wofür Christentum steht.“

Grün oder violett?

Entscheiden wir uns für Grün, setzen wir einen anderen Schwerpunkt. Wir schauen genau hin und freuen uns an dem, was uns verbindet: Jesus, der Jude war. Das Volk Israel, von Gott erwählt, das Christentum, daraus hervorgegangen, aber nicht als etwas Besseres. Der gemeinsame Glaube an Gott, den Schöpfer. Das Nachdenken über alles, was uns im Miteinander gelingt. Vielleicht unter der Überschrift: Christen und Juden – Freude an Israel.

Es ist Israelsonntag.
Grün oder violett?
Wenn Ihr in die Kirche geht, könnt Ihr erleben, wie sich jede und jeder einzelne von uns deutschsprachigen Pastoren entschieden hat.

Habt einen gesegneten Sonntag.

Mehr lesen

Leserbrief

K. Steffens
„Reaktion auf den Artikel: Ein ganz anderes Leben hier“

Kulturkommentar

Claudia Knauer
„Natur und Kultur“