Wort zum Sonntag

„Das Wort zum Sonntag, 19. Juni 2022“

Das Wort zum Sonntag, 19. Juni 2022

Das Wort zum Sonntag, 19. Juni 2022

Hauptpastorin Dr. Rajah Scheepers der Sankt Petri Kirche, Die deutschsprachige Gemeinde in der Dänischen Volkskirche
Rajah Scheepers
Kopenhagen
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Das Wort zum Sonntag, 19. Juni 2022, von Rajah Scheepers, Hauptpastorin der Sankt Petri Kirche in Kopenhagen.

Ich liebe den Johannistag! Oder Sankt Hans, wie er auf dänisch heißt. Früher - also ehe ich vor knapp drei Jahren nach Dänemark gezogen bin - konnte ich mit dem Johannistag nicht besonders viel anfangen. Aber inzwischen ist er mir ans Herz gewachsen. Das fing damit an, dass ich an meinem ersten Sankt Hans in Dänemark gerade einen Sprachkurs in Aarhus besuchte. Natürlich bestand meine Sprachlehrerin darauf, mit mir herumzufahren, um mir die Sankt-Hans-Feuer zu zeigen, was ich ziemlich aufregend fand. Der längste Tag des Jahres, die Sommersonnenwende.

Sankt Hans – das liegt genau in der Mitte. In der Mitte zwischen dem Weihnachten hinter uns und dem Weihnachten vor uns. Zwischen Jesu Geburt. Der Sommer hat seinen Höhepunkt erreicht. Die Tage werden von nun an kürzer. Die Ernte des Rhabarbers und des Spargels liegen hinter uns. Was gibt es alles Wunderbares: Johanniskraut, Johanniskäfer, Johannisbeeren und unendlich viel mehr.

Sankt Hans - das ist der Tag, der an Johannis den Täufer erinnert. Den ersten, dem das Evangelium verkündigt wurde. Und der erste, der es selbst verkündigt hat. Doch Johannes steht stets im Schatten Jesu. Dabei wäre Jesus ohne Johannes undenkbar. Jesus selber hat laut biblischem Zeugnis Johannes als den von den Propheten geweissagten Elia bezeichnet.

Das Antlitz des Christentums zeigt sich am Tag des Johannis janusköpfig. Die Kirche ist Johannes, der Asket, und Jesus, der „Fresser“ und Weinsäufer“. Die Kirche ist der immer grüne Weihnachtsbaum und das Johanniskraut. Der Christstollen und der Johanniskuchen. Der Anfang, der Höhepunkt und damit schon das vorweg genommene Ende des Sommers. Johannes verspricht Jesus und Jesus verspricht Johannes. Diese beiden besonderen Männer am Anfang unseres Glaubens werden füreinander durchscheinend.

Und wir, wir sind frei, frei zu wählen und frei, gebunden zu bleiben. Am 24. Juni, am Tag der Geburt Johannes des Täufers, feiern wir Geburtstag. Neben dem Christfest übrigens der einzige Geburtstag im evangelischen Festkalender. Wir feiern Geburtstag und wer mag, feiert mit. Wer möchte, tanzt, und wer nicht möchte, tut das Gegenteil. Denn was immer wir tun oder lassen, wir tun es in der Nachfolge Gottes, der als Mensch auf die Welt kam, um das Leben und die Menschen zu lieben.

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