Wort zum Sonntag

„Das Wort zum Sonntag, 16. Mai 2021“

Das Wort zum Sonntag, 16. Mai 2021

Das Wort zum Sonntag, 16. Mai 2021

Pastorin Dorothea Lindow
Dorothea Lindow
Nordschleswig
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Foto: Adobe Stock

Das Wort zum Sonntag, 16. Mai 2021 von Pastorin Dorothea Lindow, Kirche zu Tondern.

„Schaut hin“ ist das Motto des 3. Ökumenischen Kirchentages. In Frankfurt war er als physisches Treffen geplant worden für weit über 100.000 Christen und Christinnen. Er wurde zu einer digitalen Veranstaltung. „Schaut hin“ ist dabei das Motto aus dem Markusevanglium 6,38: Jesus ist mit seinen Jüngern unterwegs, eine große Menschenschar hat sich versammelt. Sie alle wollen Jesus nahe sein. Sie spüren, dass es gut ist, Jesus nachzufolgen. Langsam wird es Abend, die Menschen haben Hunger. Da wollen die Jünger die Menschen nach Hause schicken. Aber Jesus fordert auf: „Schaut hin“! Und die Jünger schauen hin. Und das Essen reicht für alle.

„Schaut hin“ – der Kirchentag betont, dass Hinschauen eine doppelte Bedeutung hat. Zum einen schaut Gott ganz genau hin. Gott nimmt uns in den Blick, schaut genau hin, auf jede und jeden. Gott kann uns verwandeln.

Aber zum anderen sind wir auch selbst aufgefordert, hinzuschauen.

B. Limperg, die Präsidentin des Kirchentages, interpretiert das so: „,Schaut hin’ ist ein Appell – an uns alle. Schauen ist mehr als sehen. Schauen nimmt wahr und geht nicht vorbei. Schauen bleibt stehen und übernimmt Verantwortung. Aktiv Verantwortung zu übernehmen, ist unser Auftrag als Christinnen und Christen.“ (www.oekt.de/leitwort)

Genau hingesehen hatte auch Sophie Scholl, die vor 100 Jahren geboren wurde. Aufgewachsen im christlichen Glauben, war sie zunächst von der Hitlerjugend fasziniert, ehe sie begann, genau hinzuschauen. Sie sah Hitlers Verbrechen. Je genauer sie hinschaute, desto mehr sah sie. Sophie Scholl spürte, dass sie Verantwortung übernehmen muss. Genaues Hinschauen führt zur aktiven Verantwortung. Gemeinsam mit der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ entwarf sie Flugblätter und verteilte diese. Im Februar 1943 wurden Sophie und Hans Scholl an die Nazis verraten. Am 22. Februar 1943 wurden sie ermordet.
Im August 1942 hatte Sophie Scholl sich noch gefragt: „Weiß ich denn, ob ich morgen noch lebe?“. Schon da hatte sie eine Verantwortung für das Leben gespürt. Sie hat daraus Konsequenzen gezogen, die sie mit ihrem eigenen Leben bezahlt hat.

Gott sei Dank leben wir in keiner Diktatur! Aber der Kirchentag fordert uns digital auf: „Schaut hin“ – lasst uns miteinander hinschauen und entdecken, wo wir Verantwortung übernehmen können.

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