Wort zum Sonntag

„Das Wort zum Sonntag, 11. Oktober 2020“

Das Wort zum Sonntag, 11. Oktober 2020

Das Wort zum Sonntag, 11. Oktober 2020

Pastor Hauke Wattenberg
Hauke Wattenberg
Nordschleswig
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Das Wort zum Sonntag, 11. Oktober 2020, von Pastor Hauke Wattenberg, Sonderburg

Kirchlicher Mehrwert

„Wir leben in einem christlichen Land.“ Das hört man noch hin und wieder in Diskussionen, aber dagegen steht die Behauptung, der christliche Glaube sei veraltet, gegenstandslos und habe für die moderne Gesellschaft keinen Mehrwert. Diese Behauptung hat allerdings nur so viel für sich, als dass die christliche Prägung unserer Gesellschaft über einen langen Zeitraum hinweg geschehen und heute so selbstverständlich ist, dass man sie nicht bemerkt.

Ihr kennt die verschiedenen Genbrugsbutiken. Kirkens Korshær, Blå og Rød Kors, Afrikamission und wie sie alle heißen. Das sind christliche Initiativen mit verschiedenen christlichen Ideen. Die eine heißt: Schöpfung bewahren. Warum muss man alte Sachen wegwerfen? Wir produzieren ohnehin Berge von Müll. Genbrug ist schon allein deswegen eine gute Idee.

Die andere Idee ist der Gedanke an andere: Vielleicht findet sich jemand, der die alten Sachen brauchen kann. Vielleicht einer, der nicht die dicke Geldtasche hat, um alles neu zu kaufen. Vielleicht kann man etwas an andere weitergeben. Man könnte es natürlich auch verkaufen, um den eigenen Geldbeutel etwas aufzuplustern, aber muss man das?

Mit der dritten Idee kommen die Ehrenamtlichen ins Spiel. Die sortieren und verkaufen ohne Bezahlung für sich selbst. Man könnte sie Gottes Bodenpersonal nennen. Das Geld, das sie einnehmen, verwenden sie gemäß der Idee Nr. 2 „für andere“. Kirkens Korshær in Sonderburg betreibt z. B. die Herberge Alberta. Deren Zweck ist es, eine Anlaufstelle für Menschen zu sein, die kein eigenes Zuhause haben oder die mit sich alleine nicht leben können und darum Fürsorge und Hilfe brauchen. „Was ihr getan habt für die geringsten meiner Brüder und Schwestern, das habt ihr mir getan“, sagt Jesus.

Diese Ideen sind inzwischen aus dem rein kirchlichen Kontext herausgewachsen. Andere Organisationen, z. B. Freischulen, haben eigene Häuser eingerichtet – hier in Dänemark haben die Genbrugsbutiken eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz, während in Deutschland nur der hochpreisige Antiquitätenhandel Ansehen genießt, die Secondhandläden und Sozialkaufhäuser dagegen ein wenig abfällig betrachtet werden.

In den vergangenen Jahren wurde der Genbrug sogar zum Geschäftsmodell. Hier in Sonderburg sind drei oder vier kommerzielle Läden entstanden, die die Akzeptanz der traditionellen Genbrugsbutiken nutzen, den Erlös aber nicht länger sozialen Zwecken zuführen. Das darf auch so sein, aber ich möchte unterstreichen: Das Christentum bewirkt auch aktuell etwas in unserem Land, und man kann als Trittbrettfahrer sogar Geld damit verdienen. Für Kirkens Korshær und Co gilt allerdings weiterhin das Leitwort für den morgigen Sonntag: „Dieses Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, auch seinen Bruder liebe“ (1. Johannes 4,21).

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