Wort zum Sonntag

„Das Wort zum Sonntag, 10. Oktober 2021“

Das Wort zum Sonntag, 10. Oktober 2021

Das Wort zum Sonntag, 10. Oktober 2021

Pastor Hauke Wattenberg
Hauke Wattenberg
Nordschleswig
Zuletzt aktualisiert um:
Foto: Adobe Stock

Diesen Artikel vorlesen lassen.

Das Wort zum Sonntag, 10. Oktober 2021, von Pastor Hauke Wattenberg, Sonderburg.

Ernteschmuck im Wandel

Inzwischen haben wir in allen Gemeinden Erntedank gefeiert, und ich gucke gerade innerlich zurück auf meine letzten zwei Jahrzehnte mit dem Erntefest.

Ich war von 1998 bis 2010 Pastor in Husby in Angeln. Zur Pfarrstelle gehörten das große Dorf selbst und ein paar kleinere Dörfer ringsumher. Jedes dieser Dörfer hatte eine Gruppe der evangelischen Frauenhilfe, und Jahr für Jahr hat eine dieser Gruppen zu Erntedank die Kirche geschmückt. Sie haben die Erntekrone gebunden, die dann bis zum Advent die Kirche schmückte, und sie haben den Altarraum mit Ernteschmuck ausgefüllt. Wirklich ein Fest für die Augen. Dann bin ich 2010 nach Sonderburg gewechselt und war überrascht, als ich den Ernteschmuck sah: zwei altertümliche Milchkannen, in denen Mais und Herbstblumen steckten. Ansonsten sah die Kirche zu Erntedank aus wie immer.

Ist das der Unterschied von Stadt und Land, oder hat sich die Zeit geändert? Beides, vermute ich. Schon in Husby war der Ernteschmuck auch eine Erinnerung an längst vergangene Tage – das Bewusstsein für Saat und Ernte war da, aber auch die Dorfbewohner „ernten“ für ihren täglichen Bedarf im nahe gelegenen Supermarkt, und das Höfesterben war auch vor zehn Jahren schon weit fortgeschritten. Bei uns in der Stadt sind Saat und Ernte weniger präsent, dafür ist unser Ernteschmuck aber „moderner“ geworden: Die Gemeindeglieder bringen in den Gottesdienst mit, was danach direkt an die Wärmestube von Kirkens Korshær geht. Ein wenig Obst, ein paar Kartoffeln, selbst gemachte Marmelade und im nahen Supermarkt frisch „geerntete“ Nudeln, Reis, Kaffee und Schokolade zieren dann die Stufen zum Altarraum.

Ich mag beide Arten von Ernteschmuck und will zum Schluss noch eine Geschichte weitererzählen, in der Stadt und Land und die alte und die neue Zeit zusammentreffen: Ein Bauer ist zu einem Festessen in der Stadt eingeladen. Verwundert erlebt er die heiße Schlacht am kalten Büfett. Er sieht, wie die feinen Herren sich ihre Teller füllen und zu essen beginnen. Er bedient sich auch, setzt sich zu Tisch und spricht ein Dankgebet. Sein vornehmer Tischnachbar lächelt milde und sagt: „Na Bauer, du kommst wohl vom Lande. Seid ihr da alle noch so altmodisch und betet bei Tisch?“ Der Bauer antwortet: „Nein, alle nicht.“ – „Das habe ich mir gedacht. Sicher beten bei Euch nur die Alten und Rückständigen.“ – „Das nicht. Ich will es Ihnen erklären. Sehen Sie, ich habe im Stall ein paar Sauen mit vielen Ferkeln, die fressen alle so. Aber was bei uns Mensch ist, dankt seinem Schöpfer für alle guten Gaben.“

Ich wünsche euch einen gesegneten Sonntag!

Mehr lesen

Leitartikel

Helge Möller
Helge Möller Journalist
„Heute schon Zeit gespart?“

Leserbrief

Thore Naujeck
Thore Naujeck
„Schenkt den lokalen Machern Gehör und stärkt die Grenzregion“