Wort zum Sonntag

„Das Wort zu Sonntag, 26. Dezember 2021“

Das Wort zu Sonntag, 26. Dezember 2021

Das Wort zu Sonntag, 26. Dezember 2021

Gotthard Magaard
Gothart Magaard Bischof
Schleswig
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Das Wort zum Sonntag, 26. Dezember 2021, von Gothart Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein.

Eine schöne weihnachtliche Tradition ist für mich die geschlossene Tür zum Weihnachtszimmer. Besonders für Kinder wartet hinter dieser Tür das verheißungsvolle Glück des Festes mit all seinen Geheimnissen und Köstlichkeiten.

Verschlossene Türen können aber auch eine ganz andere Bedeutung haben. In der Regel wirken sie abweisend und kalt. Auf dem Weg nach Bethlehem finden Maria und Josef „keinen Raum in der Herberge“, die Türen bleiben ihnen verschlossen. In diesen Wochen sehen wir mit Sorge, dass Flüchtlingen die Türen nach Europa verschlossen bleiben. Und mächtige Staaten halten für ihre diplomatischen Beziehungen die Türen nur mit Mühe offen.

In der Pandemie öffnen sich viele Türen nur nach eingehender Kontrolle, zum Schutz des Lebens. Vorsicht ist wieder das Gebot der Stunde. In diesen Zeiten wird uns auf besondere Weise bewusst, wie wertvoll geöffnete Türen und Grenzen sind! Sie signalisieren Willkommen. Sie stehen für Begegnung, Gastlichkeit und menschliche Wärme.

Es gibt eine Vielzahl von adventlichen Bräuchen, die uns Schritt für Schritt für das Fest der Weihnacht öffnen. Besonders schön finde ich die ganz schlichten Adventskalender, bei denen ich Tag für Tag ein Türchen öffnen kann und sich hinter jeder Tür ein Bild verbirgt. Bei manchen Kalendern sind die Bilder auf transparentem Papier, so dass sie bei Sonnenlicht besonders gut zu sehen sind. Am Heiligabend erscheint – ich glaube, das darf ich schon heute verraten – ein Bild von der Krippe.

An Weihnachten öffnet sich für uns die Tür zur Krippe mit dem Kind. In diesem Kind kommt Gott uns Menschen nahe. Hier öffnet sich die Grenze zwischen Himmel und Erde – Gott und Mensch. An Weihnachten strahlt die Liebe Gottes in diese Welt wie durch eine weit geöffnete Tür. Sie strahlt besonders in den dunklen Tagen und schwierigen Zeiten. Mitten in der Nacht erstrahlt der weihnachtliche Glanz bis an die entlegensten Orte und verbindet sich mit der Botschaft der Engel: Fürchtet euch nicht!

Ja, manchmal muss sich nur eine Tür öffnen, damit etwas von diesem Glanz in unserem Alltag sichtbar bleibt. Diesen Glanz können wir weitergeben, wenn wir selbst Türen öffnen, die Menschen zueinander führen, dem Leben dienen und Frieden schenken.

Ein gesegnetes und friedvolles Weihnachtsfest!

Ihr Bischof Gothart Magaard

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