Leitartikel

Zweifach verpuffter Villy-Effekt oder Außenminister für Region

Peter Lassen
Peter Lassen Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
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Foto: Scanpix

Im Regionsrat wird der frühere Außenminister Villy Søvndal, trotzt 70.000 persönlicher Stimmen, in der Opposition sitzen. Es wäre schade, wenn der Villy-Effekt erneut ganz verpufft. Man sollte die guten Kontakte und die irgendwo vorhandene Diplomatie Søvndals für Süddänemark nutzen, meint Peter Lassen.

Am Freitag konstituiert sich der Regionsrat Süddänemarks im Roten Wurm in Vejle. Fest steht, dass Venstres Stephanie Lose als Vorsitzende wiedergewählt werden wird – auch der erste Mann an ihrer Seite, Chefgenosse Poul-Erik Svendsen (Sozialdemokraten) aus Assens, behält seine Ämter – ebenso DF-Spitze (Dänische Volkspartei) und 2. Vize Thies Mathiasen aus Hadersleben.

Nicht dabei ist trotz eines relativ guten Wahlergebnisses SP-Mann Gösta Toft, der sich insbesondere für die grenzüberschreitende Politik hätte einsetzen wollen/sollen. Dafür sitzt aber mit Villy Søvndal ein früherer Außenminister in der Opposition. Dank des Villy-Effektes und der knapp 70.000 persönlichen Stimmen für den früheren Landes- und Lokalpolitiker aus Kolding konnten die Volkssozialisten ihre Mandate verdreifachen auf sechs im 41-köpfigen Rund.

Damit hat der Villy-Effekt zum zweiten Mal gesiegt, denn schon bei der Regionswahl 2009 brachte SF es auf sechs Mandate und 14,2 Prozent (diesmal waren es „nur“ 13,8). Damals ritt SF landesweit auf der Villy-Welle, denn unter seiner Führung hatte die Partei bei der Folketingswahl zuvor 13 Prozent geholt und wurde zur viertstärksten Kraft im Folketing.

Der Villy-Effekt verpuffte landes- und auch regionalpolitisch. Bei der Regionswahl 2013 kam SF nur auf 4,5 Prozent und zwei Mandate. Diese beiden Mandate und insbesondere Spitzenfrau Ida Damborg haben aber in der letzten Periode kräftig mitgemischt und unter anderem in Sachen Holst und Bios mit Erfolg an einer alternativen Mehrheit gebastelt. Der harte Ton der Frau Damborg, die bei einer SF-Urabstimmung vor der Wahl nur knapp den Spitzenplatz für Søvndal freimachen musste, wurde vom neuen, wieder aktivierten SF-Star Søvndal übernommen und verfeinert. Mit einem breiten Lächeln warf er insbesondere Lose und Venstre Versäumnisse, Vetternwirtschaft und Schlimmeres vor – in aller Freundschaft, versteht sich.

Das Ergebnis dieser Kam-pagne waren viele Stimmen für SF – und erst mal null Einfluss. Denn die Wähler und auch die anderen Spitzen honorierten auch den Einsatz von Lose seit Juni 2015, und die V-Spitze stellte Villy erst mal kalt – genauso gekonnt und eiskalt, wie es Vorgänger Holst nach der ersten Regionswahl 2005 mit dem konservativen Ex-Minister Kent Kirk getan hatte, der im Wahlkampf ähnlich übersmart agierte wie Søvndal. Kirk inklusive seiner Konservativen und Holst wurden nie mehr Freunde, und das Klima im Regionsrat litt darunter – insbesondere im Zuge der Entscheidung über das Akutkrankenhaus in Nordschleswig.
Opposition ist immer gut, aber man darf für das Klima im Regionsrat hoffen, dass SF und die Mehrheit wieder zusammenfinden.

Es wäre schade, wenn der Villy-Effekt erneut ganz verpufft. Man sollte die guten Kontakte und die irgendwo vorhandene Diplomatie Søvndals für Süddänemark nutzen. Lose hat angedeutet, dass sie Männer m/w für grenzüberschreitende (und repräsentative) Aufgaben braucht. Wie wäre es mit Søvndal als eine Art grenzüberschreitenden Botschafter für die Region? Als Berater könnte er sich Grenzland-Experte und SP-Mann Toft ins Boot holen – und wichtig: Die beiden Altersgenossen verstehen sich.

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