Leitartikel

„Zeit genug, um einzukaufen“

„Zeit genug, um einzukaufen“

„Zeit genug, um einzukaufen“

Apenrade/Aabenraa
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Die Bürger Dänemarks brauchen nicht wirklich mehr Einkaufstage – und die Mitarbeiter im Handel schon gar nicht. Es kommt dadurch nämlich nicht mehr Geld in die Kassen – der Einkauf verteilt sich nur über die längeren Öffnungszeiten, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Hattest du Heiligabend doch die Sahne für die Soße vergessen – und zum Einkaufen war es zu spät? Vielleicht ist das in Zukunft kein Problem, wenn das dänische Ladenschlussgesetz noch längere Öffnungszeiten zulässt: Die Regierung arbeitet womöglich an einem Vorschlag, bei dem das Gesetz ein weiteres Mal geändert wird.

2012 wurde das Gesetz – Lukkeloven – zuletzt geändert: Seitdem können alle Geschäfte auch sonntags für Kunden die Türen öffnen. Nur an 13,5 Tagen musste noch geschlossen werden, nämlich an den offiziellen Feiertagen.

Doch nun möchte die Regierung, laut dem Fernsehsender TV2, das Gesetz nochmals (ein letztes Mal?) entscheidend lockern und den Geschäften die Möglichkeit geben, 365 Tage im Jahr geöffnet zu haben.

Das jetzige Gesetz sei eine Bevormundung, meint die Folketingspolitikerin Christina Egelund von der Liberalen Allianz: „Man hat irgendwo im Land ein Geschäft, aber wir auf Christiansborg bestimmen, wann es geöffnet haben darf. Das sollte der Geschäftsinhaber selber bestimmen dürfen“, meint sie.

Das Ladenschlussgesetz müsse sich an die moderne Wirklichkeit anpassen, meint die Regierung: Flexiblere Arbeitszeiten, Netzhandel und Tourismus würden längere Öffnungszeiten fordern.
Aber mal ehrlich: Es gibt in Dänemark wahrlich schon genug Möglichkeiten, einzukaufen. Von früh morgens um 7 bis spätabends um 22 Uhr, an allen Wochentagen und in fast allen Orten und Städten. Sollte nicht genug Sahne im Kühlschrank sein, kann man – wie übrigens in alten Tagen – beim Nachbarn anklopfen.

Die Leidtragenden einer erweiterten Öffnungszeit sind die „kleinen“ Geschäftsinhaber, die selber an der Kasse stehen und gegen die großen Handelsketten nicht ankommen. Und in den Kettenläden müssten dann auch an diesen wenigen freien Tagen im Jahr Mitarbeiter zur Arbeit.

Derzeit hält die Opposition gemeinsam mit der Dänischen Volkspartei (DF) zwar dagegen, doch für eine Verschärfung des Ausländergesetzes oder strengere Grenzkontrollen ist DF immer zu kaufen. Daher sollten die Regierungsparteien diesen Vorschlag selbst zu Grabe tragen.

Die Bürger Dänemarks brauchen nicht wirklich mehr Einkaufstage – und die Mitarbeiter im Handel schon gar nicht. Es kommt dadurch nämlich nicht mehr Geld in die Kassen – der Einkauf verteilt sich nur über die längeren Öffnungszeiten. Deshalb hat niemand etwas davon, das Ladenschlussgesetz nochmals zu lockern.

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Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
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