Leitartikel

„Wer wünscht sich eine unkritische Presse?“

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Facebook ist in vieler Hinsicht eine prima Sache – aber eben kein vertrauenswürdiges Medium. Man muss schon genau hinschauen, wer der Absender ist. Deshalb brauchen wir kritische Medien-Inhalte, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Du wirst die Kampagne schon bemerkt haben: „Der Nordschleswiger“ macht sich in diesen Wochen gemeinsam mit 200 Medien-Titeln in ganz Dänemark für die freien und unabhängigen Medien stark.

Für viele Leser und Nutzer mögen wir im täglichen „nur“ Produzent und Lieferant von Nachrichten sein. Doch die Medien sind auch Garant für unsere Demokratie. Auch wenn man manchmal den Nutzen einzelner Artikel oder Beiträge infrage stellen kann.

Alle wollen gerne mitbestimmen: Politiker, Unternehmen, Interessengruppen – und seitdem es die sozialen Netzwerke gibt, hat jeder nun sein eigenes Rednerpult, um seine Meinung loszuwerden. Auch das ist Demokratie – die Meinungsvielfalt.

Aber worüber sich viele immer noch nicht bewusst sind, ist, dass die sozialen Plattformen mehr davon zeigen, was du gerne sehen möchtest. Durch deine Likes machst du dir online sozusagen deine eigene Käseglocke. Hinzu kommt, dass bei Wahlen heute auch ausländische Mächte und Interessen mitmischen – die sogenannten Internet-Trolls. Facebook ist in vieler Hinsicht eine prima Sache – aber eben kein vertrauenswürdiges Medium. Man muss schon genau hinschauen, wer der Absender ist.

Deshalb brauchen wir kritische Medien-Inhalte, die von Journalisten geschrieben und redigiert werden, und wo der Chefredakteur für den Inhalt zur Verantwortung gezogen werden kann. Es gibt sogar eine Klageinstanz, bei der man gegen unlauteren Journalismus klagen kann. Denn natürlich machen die Medien auch Fehler – aber wir korrigieren sie gegebenenfalls. Aber bei Facebook und Co.? Eine gut funktionierende Demokratie braucht freie Medien, braucht kritische Medien, die Fragen stellen.

Wer wünscht sich schon eine unkritische Presse? Darum geht es uns in der größten gemeinsamen Kampagne dänischer Medien.

In den kommenden Monaten stehen wir in Dänemark vor zwei wichtigen Wahlen – der EU-Wahl und der Folketingswahl. Wäre es da nicht schön, Meinungen zu lesen, mit denen du grundlegend nicht einig bist? Bei denen du ins Grübeln kommst und herausgefordert wirst, statt immer in deiner festgezimmerten Meinung bestätigt zu werden?

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