Leitartikel

„Vertrauen unter Druck“

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Steuerskandal, Geldwäsche bei der Danske Bank und verschwundene Gelder im Sozialministerium: Das Vertrauen der Bürger in die dänischen Institutionen sinkt. Diese Eckpfeiler unserer Vertrauensgesellschaft haben zuletzt kläglich versagt und das „System Dänemark“ ernsthaft geschwächt. Daraus sollten alle ihre Lehren ziehen, meint Gwyn Nissen.

Die Bürger Dänemarks zahlen im Großen und Ganzen gern ihre hohen Steuern, wissen sie doch, dass die Gelder vernünftig im Sozialstaat angelegt und – auch wenn das durchaus diskutiert werden kann – einigermaßen gerecht verteilt werden. Wir leben eben in einer Vertrauensgesellschaft, in der alle zum Wohlstand beitragen und – das ist die Erwartung – alle davon profitieren, wenn es mal schiefläuft.

Das Vertrauen in die Politik ist da schon etwas geringer, während die Bürger eher den Systemen und Behörden vertrauen. Auch wenn es mal hakt und die Medien darüber berichten müssen, wie Bürger zwischen den Systemen in die Klemme kommen. Nicht immer scheint das System für den Bürger da zu sein, sondern es kommt einem manchmal schon umgekehrt vor.

Aber: Es besteht trotz allem immer noch ein Grundvertrauen in der dänischen Gesellschaft und somit in Systemen, Regeln, Gesetzen, Ministerien, Behörden und was sonst noch zur Gesellschaft gehört. Genau dieses Vertrauen ist in den vergangenen Jahren unter Druck geraten, weil es den Leuten und Systemen, denen wir unser Vertrauen geschenkt haben, nicht gelungen ist, die Erwartungen zu erfüllen.

Beispiel 1: der Steuerskandal. Die Steuerbehörden haben zu Unrecht 12,3 Milliarden Kronen an Dividenden an ausländische Aktionäre ausgezahlt. Außerdem musste die Steuerbehörde aufgeben, 14,3 Milliarden Kronen an Schulden an die öffentliche Hand einzutreiben. Und auch bei der Mehrwertsteuer glitten Hunderte von Millionen durch die Kontrollinstanz.

Beispiel 2: Danske Bank. Die Finanzbehörde hat es versäumt, ihre Arbeit gut genug zu tun, und dadurch konnte Schwarzgeld in Höhe von 1.500 Milliarden Kronen gewaschen werden – zwar kein dänisches, aber das Vertrauen in die Finanzbehörde ist derzeit weniger als gering – vor allem, wenn die Behörde gleichzeitig gegen Kleinigkeiten in der Bevölkerung angeht.

Beispiel 3: das Sozialministerium. Dem Ministerium konnte eine vertraute Mitarbeiterin über mehr als zehn Jahre 111 Millionen Kronen vor der Nase wegschnappen. Auch hier fragt sich die Bevölkerung, wie so etwas passieren kann, während Sozialhilfeempfänger schon wegen kleiner Fehler bestraft werden.

Es sind Eckpfeiler unserer Vertrauensgesellschaft, die in den vergangenen Jahren kläglich versagt haben und somit das „System Dänemark“ ernsthaft schwächen. Daraus sollten alle, bei denen die Bürger ihr Vertrauen (und Geld) deponiert haben, ihre Lehren ziehen. Sonst gibt es die Vertrauensgesellschaft bald nicht mehr – und dadurch würde vieles komplizierter.

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