Leitartikel

Verrückter Vorschlag?

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Foto: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix

Halb Dänemark macht gerade Urlaub, doch die wenigsten Reisenden machen sich bei der Wahl ihres Ferienziels Gedanken über ihren „ökologischen Fußabdruck“. Wir können nicht so tun, als ob nur „die anderen“ schmutzige Fußabdrücke hinterlassen. Zu viele von uns trampeln auf dem Klima herum, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Wo geht es im Urlaub hin? Auf die Kanarischen Inseln? Malediven? Südspanien? Oder vielleicht sogar nach Übersee in die Karibik oder in die Staaten? Halb Dänemark macht gerade Urlaub, doch die wenigsten Reisenden machen sich bei der Wahl ihres Ferienziels Gedanken über ihren „ökologischen Fußabdruck“. Höchstens zehn Prozent der Urlauber denken an die Nachhaltigkeit, wenn sie sich entscheiden, wohin es geht, schätzt Torben Chrintz vom Klima-Thinktank Concito.

Dabei gibt es einen guten Grund, beim Urlaub auf die Klimarechnung zu schauen: von 2009 bis 2013 ist die Menge der Treibhausgase, die durch den Urlaubsverkehr entsteht, um 15 Prozent auf 4,5 Milliarden Tonnen gestiegen. Vor allem im Flugverkehr ist der Anstieg riesig: innerhalb von zehn Jahren (2006-16) von 2,1 Milliarden auf 3,7 Milliarden Tonnen.

Die Partei Alternative hat dafür eine Lösung: Sie will Dänen belohnen, die im Urlaub in Dänemark bleiben statt ins Ausland zu reisen. Konkret schlägt die Partei vor, dass Zugfahrten in Dänemark von der Steuer abgesetzt werden können, um mit den billigen Flugtickets konkurrieren zu können. Eine Hin- und Rückfahrkarte mit der Bahn aus Nordjütland oder Süddänemark kostet immerhin über 800 Kronen – dafür kann man schon zwei Personen mit dem Billigflieger ins Ausland schicken.

Wie es aber mit Alternativen-Lösungen im Folketing so ist, wird keine andere Partei mit auf den Zug springen. Ein verrückter Vorschlag? Zumindest kein realistischer bei der derzeitigen politischen Landschaft im Folketing, aber auf jeden Fall einer, der zum Nachdenken anregen sollte. Carolina Magdalene Maier, politische Sprecherin der Alternativen, will Dänen gar nicht die Reisen ins Ausland verbieten, nur eine günstige Alternative bieten und eine Diskussion starten. Denn jeder sollte sich mit dem eigenen „ökologischen Fußabdruck“ auseinandersetzen.

In diesem Sommer ist es ein, vorzuschlagen, in Dänemark zu bleiben. Aber es gibt eben auch den „typischen“ dänischen Sommer. Wer dann in die Sonne möchte, belastet sein persönliches Öko-Konto. In Ordnung, aber dann muss dafür eben woanders gespart werden – genau wie auf dem Bankkonto. Wir können nicht so tun, als ob nur „die anderen“ schmutzige Fußabdrücke hinterlassen. Zu viele von uns trampeln auf dem Klima herum, und die Leidtragenden sind unsere Nachfahren. Vielleicht bewegt der „verrückte“ Vorschlag doch noch den einen oder anderen dazu, alternative Urlaubsziele zu finden. Auch ohne Steuervergünstigung.

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