Kommentar

Unendliches Tauziehen

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Kopenhagen
Zuletzt aktualisiert um:
Foto: Jens Astrup/Ritzau Scanpix

Lange wurde um einen Tarifvertrag im öffentlichen Dienst verhandelt. Künftig sollte dies besser klappen. Ein Vorschlag wäre, dass die Politiker sich aus den Verhandlungen heraushalten, sie sind nämlich ein ungleicher Verhandlungspartner, so lange sie mit einem politischen Gesetzeseingriff die Verhandlungen am Ende übertrumpfen können. Dadurch kippt die Balance, die Voraussetzung  jeder Verhandlung ist, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Fast fünf Monate lang. So lange verhandelten Arbeitgeber und Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst. Immer wieder standen die Verhandlungen am Rande eines Zusammenbruches. Streik und Aussperrung (Lockout) waren ständige Begleiter der Verhandlungen, doch nun konnten sich die müden Chefunterhändler von beiden Seiten die Hand geben. Endlich.

Aufatmen nicht nur im öffentlichen Dienst bei Staat, Regionen und Kommunen sowie bei Angestellten, sondern auch auf dem privaten Arbeitsmarkt. Denn die Verhandlungen – und vor allem die ständige Debatte darüber was passieren könnte – haben seit Mitte Dezember alles andere in Dänemark in den Schatten gestellt. Keine Familienfeier ohne Tarifgespräche, kein Mittagstisch ohne Konspirationstheorien und keine dritte Halbzeit ohne Konfrontationen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Die Tarifverhandlungen waren überall gegenwärtig – doch Einfluss hatten die wenigsten von uns.

Familien, Vereine und Arbeitsplätze – ja, alle – haben in den letzten Monaten Pläne und Absprachen gemacht, wohl wissend, dass jemand plötzlich den Schwarzen Peter in die Runde werfen könnte. Das hat sich in den letzten Monaten angefühlt, als ob beim Fahren ein unsichtbarer Begleiter ständig einen Fuß auf der Bremse hatte. Nichts ging mehr.

Und dann dieses unendliche Tauziehen und die ewigen Kommentare nach einer erneut gescheiterten Verhandlungsnacht. Bis Ende Februar in den direkten Verhandlungen und danach in der Schlichtungsinstitution. Das war am Ende nicht mehr auszuhalten. Aber noch schlimmer wäre es gewesen, wenn es mit Streiks und Aussperrungen geendet wäre.

So können sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer erst einmal wieder auf die tägliche Arbeit konzentrieren und sich nebenbei vielleicht Gedanken darüber machen, wie es bei kommenden Verhandlungen besser über die Bühne laufen könnte. Ein Vorschlag wäre, dass die Politiker sich aus den Verhandlungen raushalten und diese leitenden Angestellten überlassen. Die Politiker sind nämlich ein ungleicher Verhandlungspartner, so lange sie mit einem politischen Gesetzeseingriff, die Verhandlungen am Ende übertrumpfen können. Dadurch kippt die Balance, die Voraussetzung jeder Verhandlung ist.

Mehr lesen

Leitartikel

„Rauchen verboten“

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur

Leitartikel

Siegfried Matlok
Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
„Aachen und Nordschleswig “