Leitartikel

„A- und B-Kinder“

A- und B-Kinder

A- und B-Kinder

Nordschleswig/Sønderjylland
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Unterrichtsministerin Pernille Rosenkrantz-Theil macht keinen Hehl daraus, dass sie kein Fan der privaten Kindergärten und Schulen ist – und zeigt sich damit ganz und gar unsolidarisch, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Die Regierung lässt in diesen Jahren Extra-Geld fließen für die Kindergärten des Landes. In diesem Jahr soll eine halbe Milliarde Kronen für neue Hilfskräfte in den Institutionen sorgen. In den kommenden Jahren steigen die Mittel sogar auf 1,6 Milliarden Kronen. Nicht aber an alle Kindergärten. Die privaten Tagesstätten gehen nämlich leer aus, da das Staatsgeld nur für kommunale Einrichtungen ist. In der Kommune Apenrade trifft das zum Beispiel jedes dritte Kind – darunter auch Kinder aus der deutschen Minderheit.

Das ist ungerecht, und die Regierung schafft dadurch A- und B-Kinder.

Dahinter steckt eine Aversion der sozialdemokratischen Regierung gegen Privat-Kindergärten und Privatschulen. Die Philosophie: Wer private Einrichtungen wählt, statt das öffentliche Angebot zu nutzen, der muss auch selbst zahlen. Die Volksschule ist für das gesamte Volk, so die Einstellung, und wer das nicht gut genug findet, wird zur Kasse gebeten.

Bereits im ersten Regierungsjahr versuchte die Ministerin für Bildung und Kinder, Pernille Rosenkrantz-Theil, die für den Privatschul- und Kindergartenbereich ganz offensichtlich nichts übrig hat, den Staatszuschuss für Privatschulen zu kürzen. Dies misslang aber, weil sich im Folketing eine Mehrheit gegen den Vorschlag bildete.

Neben den Privatschulen für „die Reichen" haben Regierung und auch andere Parteien ein missbilligendes Auge auf die religiösen Einwandererschulen unter anderem in der Hauptstadtregion geworfen.

Die privaten Schulen der deutschen Minderheit haben da noch Glück. Sie sind als das öffentliche Angebot an Minderheitenangehörige eingestuft und erhalten demnach höhere Zuschüsse als andere Privatschulen im Lande. Die privaten Kindergärten der Minderheit (es sind nur die Institutionen in der Kommune Apenrade) erhalten aber keine Sondermittel aus dem neuen Fördertopf.

Die negative Haltung gegenüber privaten Einrichtungen – seien es Schulen oder Kindergärten – steht der Regierung schlecht. Die dänischen Privatschulen oder Tagesstätten sind im seltensten Fall aus Unzufriedenheit mit den Volksschulen entstanden. Sie entstehen, weil auf dem Lande kommunale Schulen geschlossen werden und engagierte Eltern nach verlorenem Kampf auf privatem Wege versuchen, weiterhin eine kleine Schule in ihrem Ort zu sichern. Aber auch, weil einige Schulleute gerne eine Alternative zum öffentlichen System bieten möchten, nicht an reiche Menschen gerichtet, sondern an Andersdenkende.

Das fügt sich nicht in den sozialdemokratischen Alle-sind-gleich-Gedanken, und bei der früheren Linken (Einheitsliste) Pernille Rosenkrantz-Theil passt das private System ganz und gar nicht ins Gesellschaftsgebilde. Wenn man Schulen oder Kindergärten also nichts wegnehmen kann, dann ist die Alternative, ihnen nichts zu geben, wenn, wie jetzt, Extra-Mittel fließen.

Nicht nur die Kinder werden dabei in zwei Klassen eingeteilt, auch engagierten Eltern und Lehrern signalisiert die Ministerin, dass sie nicht den gleichen Wert haben wie die „guten" Eltern, die die öffentlichen Einrichtungen für ihre Kinder wählen.

Das ist eigentlich unsozialdemokratisch und unsolidarisch, Frau Ministerin.

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