Leitartikel

„Tillykke“, meine Königin

„Tillykke“, meine Königin

„Tillykke“, meine Königin

Peter Lassen
Peter Lassen Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
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Es ist der erste Geburtstag der Königin nach dem Tod ihres Gemahlen Henrik im Frühjahr. Foto: Scanpix

Es sei bewundernswert, wie Königin Margrethe im hohen Rentenalter noch ihren Mann steht, im immer auf sie gerichteten Fokus der Öffentlichkeit, meint Peter Lassen, der der Königin zu ihrem 78. Geburtstag alles Gute wünscht und noch auf viele Balkonauftritte von ihr am 16. April hofft.

Angesichts der weltweit doch sehr unterschiedlichen – auch menschlichen – Qualität der Staatsoberhäupter wurde selbst einem nicht eingefleischten Royalisten Montag warm ums Herz, als die königliche Familie wieder einmal auf dem Balkon von Amalienborg erschien, um den vielen Gratulanten auf dem Schlossplatz zuzuwinken anlässlich des 78. (!) Geburtstages von Königin Margrethe.

Mitten drin zwischen ihren acht Enkeln, beiden Schwiegertöchtern und Sohn Joachim stand sie dort als eine Art „feste Burg“ des Königreiches: Margrethe II.

Strahlend winkend – und nur der stilvolle schwarz gestreifte Mantel erinnerte daran, dass neben dem auf Grönland weilenden Kronprinz Frederik erstmals seit Jahrzehnten einer fehlte: der vor drei Monaten im Alter von 83 Jahren verstorbene Prinz Henrik. Mit dem gebürtigen und stolzen Franzosen hatte Margrethe am 10. Juni letzten Jahres noch ganz romantisch und zu zweit Goldene Hochzeit feiern können auf dem Königsschiff Dannebrog.

Damals wie gestern wehte im ganzen Königreich der Danebrog. Das Volk huldigte der Monarchin, die seit 1972 die Krone trägt. Vor allem ihrem Ansehen ist es zu verdanken, dass das dänische Königshaus zu den festen royalen Bastionen Europas gehört. Politisch hat Margrethe offiziell zwar nicht den großen Einfluss – wenn auch ihre Neujahrsansprache wohl zum festen Bestandteil aller Dänen gehört und jedes Jahr zu Silvester eine Aussagekraft hat, die ein größeres Echo erzeugt als die wechselnder Staatsminister m/w.

Das große Gros der Dänen ist stolz auf seine Königin. Das Ansehen der Monarchin ist nach dem Tode ihres geliebten Mannes nur noch gestiegen. Bewundernswert, wie eine Frau im hohen Rentenalter noch ihren Mann steht, im immer auf sie gerichteten Fokus der Öffentlichkeit.

Wer die Witwe, Mutter und Oma gestern vom Balkon winken sah, wurde darin bestätigt, dass es noch feste Größen gibt in einer oftmals von – verzeihen Sie den derben Ausdruck – Idioten regierten und terrorisierten Welt. Mag sein, dass die Monarchie nicht mehr in unsere Zeit passt – wie immer wieder behauptet wird. Aber das liegt dann weniger an der Monarchie – zumindest nicht an der dänischen. Vorgelebter Anstand und Pflichtbewusstsein sind mehr Wert als gewählte oder selbst ernannte Staatsoberhäupter, die vergessen, wo ihre Wurzeln herkommen: vom Volk.

Tillykke, meine Königin Margrethe – mit der Hoffnung auf noch viele Auftritte vom Balkon auf Amalienborg am 16. April.

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