Leitartikel

Super-Mega-Crazy-Preise

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Kopenhagen
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Foto: dpa

Auf den Blackfriday und den Weihnachtshandel folgt nun der Winterschlussverkauf. Doch aufgepasst, nicht jeder Preis der auf einem gelben Schild steht, ist wirklich ein Sonderangebot. Trotzdem folgen wir zu oft dem Ruf der farbenfrohen Schilder und der Superpreise, die gar nicht so super sind, meint Gwyn Nissen.

Eigentlich wissen wir es ja bereits: Die guten Angebote während des Ausverkaufs sind gar nicht so gut. Das gilt auch für Superangebote, Crazy-Angebote, Wahnsinnspreise und was für Megawörter sonst noch den Weg auf die zumeist gelben Schilder finden.

Kaum ist das Weihnachtsgeschäft vorbei, da fängt der dänische Winterschlussverkauf an. Die Angestellten, die bereits seit Mitte November voll im Weihnachtsstress sind und jeden Sonntag arbeiten „durften“, raffen sich irgendwie noch einmal zusammen und packen für uns ein paar Tage Ausverkauf obendrauf. Supernett, danke.

Das Weihnachtsgeschenk von vor drei Tagen gibt es jetzt im Angebot und obwohl das Konto eigentlich leer geräumt ist, findet sich im Kleiderschrank noch Platz für einen neuen Anzug, schöne Sneakers oder für den Mantel, mit dem man schon seit August geliebäugelt hat.

Aber aufgepasst: Die dänische Verbraucherzentrale Tænk hat als Beispiel für die Maschen des Handels Flachbildfernseher unter die Lupe genommen. Und zwar seit einigen Monaten. Da war zunächst der Black Friday mit den vielen tollen Angeboten, dann der Weihnachtshandel und nun der Ausverkauf. Und? Einige Fernseher gab es vor und nach den Crazy-Angeboten vom Black Friday sogar noch günstiger. Verrückt.

Aber gelbe Schilder (in Deutschland sind sie meist rot) haben eine besondere Wirkung auf uns Menschen: Unser Gehirn ist noch so eingerichtet wie vor 60.000-70.000 Jahren. Wir haben keinen Bereich im Gehirn, der dafür eingerichtet ist, Flachbildfernseher zu kaufen. Deshalb nutzen wir laut Gehirnforscher Thomas Zoëga Ramsøy von der Firma Neurons andere Bereiche unseres Gehirns, zum Beispiel jene, in denen das Belohnungssystem sitzt.

Wenn wir dann etwas Schönes zu einem günstigen Preis finden, kaufen wir. „Das macht unser Gehirn ganz wild und glücklich“, erklärt der Neuromarketingexperte an der Copenhagen Business School, Jesper Clement. Aber das müssen uns Gehirnforscher doch gar nicht erst erklären. Wir wissen es. Und dennoch folgen wir dem Ruf der gelben Schilder und der Superpreise, die – wie wir jetzt auch wissen – gar nicht so super sind.

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