Leitartikel

Die SP verliert – Kleinschmidt gewinnt

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Foto: Karin Riggelsen

Die Sonderburger SP sorgt im Alleingang für ein Gesamtergebnis, das noch besser ist als das SP-Wahlergebnis 2013. Darüber kann sich die Schleswigsche Partei in ganz Nordschleswig freuen, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Die Bäume wachsen nicht in den Himmel – auch nicht für die Schleswigsche Partei. Nach dem sensationellen Ergebnis von 2013 folgte am Dienstag bei den Kommunal- und Regionalwahlen in Nordschleswig zunächst die Ernüchterung: In drei Kommunen gingen die Stimmenzahlen für die Schleswigsche Partei zurück – in Tondern ging sogar ein Mandat verloren. Eine herbe Niederlage. Doch dann – sehr spät – das Ergebnis aus Sonderburg: Hier stellt die SP in Zukunft fünf Mandate und den Vizebürgermeister. Wahnsinn!

Die SP in Sonderburg kann sich über ein tolles Ergebnis freuen. Die Bürgermeister-Ambitionen von Stephan Kleinschmidt waren der Hebel zum Erfolg: Ein Plus von rund 60 Prozent und über 2.000 Stimmen ist einfach sensationell. Die Wähler haben Stephan Kleinschmidt und die SP ernst genommen. Glückwunsch!
Die SP in Tondern (-376), Hadersleben (-150) und Apenrade (-797) ging insgesamt um 1.323 Stimmen zurück. Insgesamt erreichte die SP damit über 9.000 Stimmen. 2013 waren es 8.620.

In Apenrade ging die SP um etwa ein Drittel, in Tondern um ein Viertel und in Hadersleben um ein Fünftel zurück. Aber nur in Tondern musste die SP eines der drei Mandate abgeben. In Apenrade sitzen weiterhin zwei SP-Vertreter im Stadtrat und in Hadersleben ein Vertreter. Die SP kam dort mit einem blauen Auge davon. Wurde die Pro-Flüchtlinge-Haltung doch der SP zum Verhängnis? Auf jeden Fall haben die Flüchtlings-Gegner auf dem rechten Flügel in diesen Kommunen eine gute Wahl gehabt. Außerdem scheint die SP für ihre Pro-Windkraftanlagen-Haltung im westlichen Teil Nordschleswigs bestraft worden zu sein.

Die große Frage ist natürlich, was die Schleswigsche Partei jetzt aus diesem Wahlergebnis machen kann. Vor vier Jahren hatte die SP trotz des Traumergebnisses nicht das Sagen in den Verhandlungen. Kann die SP jetzt trotz Stimmenrückgangs in diesen drei Kommunen mehr Einfluss bekommen? Das wäre dann doch noch ein Teilerfolg und ein Trostpflaster. Egal, wer Mittwoch für die SP in den Stadtrat zieht: Die SP hat sich tapfer geschlagen, und ein Dank gilt allen Kandidaten, die für die Partei geworben haben, und allen, die hinter den Kulissen gewirkt haben. Die SP ist in Hadersleben, Tondern und Apenrade nicht für ihre Arbeit belohnt worden. Das ändert aber nichts daran, dass die Schleswigsche Partei hier immer noch eine Rolle in der nordschleswigschen Politik spielt – wenn auch eine kleinere als vorher.

In Sonderburg dagegen ist die SP ein Gewinner und nun drittgrößte Kraft – noch vor Dansk Folkeparti. Die Sonderburger SP sorgt außerdem im Alleingang für ein Gesamtergebnis, das noch besser ist als das SP-Wahlergebnis 2013 und das die SP am Alsensund fünf Mandate, einen Vizebürgermeister und Ausschussvorsitze beschert. Darüber kann sich die Schleswigsche Partei in ganz Nordschleswig freuen.
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