Leitartikel

„Sonderburg macht es spannend“

Sonderburg macht es spannend

Sonderburg macht es spannend

Apenrade/Aabenraa
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Die Kandidatur von Ellen Trane Nørby bei der Kommunalwahl 2021 zeigt, wie attraktiv das Städtchen am Alsensund ist – und dürfte für die deutsche Minderheit zur Win-win-Situation werden, meint Cornelius von Tiedemann.

Ellen Trane Nørby wird Venstres Bürgermeisterkandidatin in Sonderburg. Das ist schon ein Ding. Denn die Wahl-Sonderburgerin gehört mit gerade einmal 40 Jahren schon fast zum Inventar auf Christiansborg. Dort hat sie zunächst als politische Mitarbeiterin gejobbt – und war dann seit 2005, als sie gerade 25 Jahre alt geworden war, eine wichtige Stimme Nordschleswigs im Folketing.

Eine Stimme, die bald möglicherweise verloren geht.

Fraktionssprecherin war sie, Mitglied im wichtigen Außenpolitischen Rat, sie war designierte Spitzenkandidatin ihrer Partei für die Europawahl 2014 (sie stieg dann wegen Schwangerschaft aus) und wurde 2015 Kinder-, Unterrichts- und Gleichstellungsministerin mit Verantwortung für die deutsche Minderheit und 2016 Gesundheitsministerin. Ihr politischer Aufstieg war beachtlich – und erfuhr erst so richtig einen Dämpfer, als sie vergangenes Jahr die Wahl zur Vize-Vorsitzenden von Venstre gegen Inger Støjberg verlor.

Sie wolle nun Verantwortung in ihrer Heimat Sonderburg übernehmen, sagte Trane am Mittwoch. Ein interessanter Karriereschritt, der an die eine Generation ältere Eva Kjer Hansen denken lässt, die ebenfalls das Folketing verlassen und 2021 neue Venstre-Bürgermeisterin in Kolding werden will.

Politik lebt auch vom Wandel und von Erneuerung. Die Einheitsliste macht das ja geradezu radikal vor mit ihrem selbst auferlegten Rotationsprinzip. Das Beruhigende: Es sind noch immer interessante Leute nachgekommen. Auch für Kjer und Trane könnten engagierte Politikerinnen aus Nordschleswig nachrücken.

Doch werden Nørbys Erfahrung mit der Minderheit, ihr Sinn für Fragen von europäischer Dimension und ihre Verbundenheit in die Region natürlich im Folketing fehlen, gerade weil sie keine sogenannte „Hinterbänklerin“ ist. Das gilt auch für Eva Kjer Hansen, die ja nicht nur im Folketing, sondern mit ihrer Entscheidung für Kolding gleich auch lokalpolitisch im Landesteil vermisst werden würde.

Doch noch sprechen wir im Konjunktiv. Denn ob Trane (und Kjer) ihre Wahlen gewinnen, steht ja in den Sternen. Schließlich ist Erik Lauritzen ein nicht gerade unbeliebter Bürgermeister, und in Vizebürgermeister Stephan Kleinschmidt könnte – wenn er denn noch mal antritt – ein alter Bekannter Tranes von der Schleswigschen Partei (SP) zum Außenseiter-Gewinner des Titanenkampfes werden, um es mal etwas großspurig zu formulieren. Sicher ist, dass der Kommunalwahlkampf in Sonderburg so einiges zu bieten haben wird, auch für Berichterstatter aus der Hauptstadt – und das kann man sich ja nur wünschen.

Ob sich Trane dann als zweite Siegerin hinter dem SP-Kandidaten doch wieder für Christiansborg entscheidet oder ob sie sich tatsächlich in der lebendigen Kommune am Alsensund durchsetzen kann – für Sonderburg, Nordschleswig und die deutsche Minderheit könnte ihre Kandidatur so oder so zur Win-win-Situation werden.

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