Leitartikel

„Signal auf Grün für Eisenbahn“

Signal auf Grün für Eisenbahn

Signal auf Grün für Eisenbahn

Apenrade/Aabenraa
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Bei der dänischen Bahn sind zahlreiche Verbesserungen in Sicht, so Nordschleswiger-Redakteur Volker Heesch. Doch kurzfristig müsste beispielsweise der grenzüberschreitende Verkehr zwischen Dänemark und Deutschland verbessert werden.

In Dänemark werden von politischer Seite nach dem Regierungswechsel und jahrelanger Ausbremsung des dringend nötigen Ausbaus der Bahn als klimafreundliches Verkehrsmittel der Zukunft die Signale für Streckenausbau und Beschaffung moderner Züge erfreulicherweise auf Grün gestellt.


Transportminister Benny Engelbrecht (Sozialdemokraten) hat sich seit seinem Amtsantritt als Befürworter einer Verkehrswende in Dänemark zu erkennen gegeben. Bei konkreten Entscheidungen verweist der Minister aber weiter auf die bevorstehenden Verhandlungen der Folketingsparteien über einen langjährigen Infrastrukturplan. Und er erinnert daran, dass die Verkehrspolitik stets auch ein Teil des Klimaschutzes sein müsse.


Bedauerlich ist, dass derzeit der Eisenbahnverkehr in Dänemark in vielen Bereichen, im Nahverkehr der Hauptstadtregion, im innerdänischen Fernverkehr und vor allem im grenzüberschreitenden internationalen Verkehr, nicht das Angebot liefert, um den seit Jahren zu beobachtenden Trend zu stoppen, dass der Autoverkehr und vor allem auch der besonders klimaschädliche Luftverkehr zunimmt.


Zwar sollen ab 2023 die ersten Zweisystem-Elektroloks mit neuen Fernverkehrszügen zwischen Hamburg und Kopenhagen zum Einsatz kommen. Ab 2024 auch neue elektrische Triebwagen für das Inland. Doch es ist schon verwunderlich, dass es nach der Einstellung der Zugverbindung Kopenhagen-Hamburg über den Fehmarnbelt nicht möglich ist, anstelle der längst nicht mehr zeitgemäßen IC3-Triebwagen mit Dieselmotoren zwischen der dänischen Hauptstadt und Hamburg auf der durchgehend elektrifzierten Strecke über Flensburg-Fredericia für die Übergangszeit Züge mit ausreichend Platz mit elektrischen Lokomotiven einzusetzen.

Es sollte möglich sein, für die Übergangszeit Zweisystem-Elektroloks und traditionelle Eurocitywagen einzusetzen. Am besten auch Nachtzüge mit Schlaf- und Liegewagen für Reisen in weitere europäische Länder.


Angesichts der steigenden Nachfrage nach klimafreundlichem Reisen darf es nicht dazu kommen, dass Reisende in den kurzen IC3-Brummern zusammengepfercht werden, die im internationalen Verkehr immer wieder ausfallen, und aus denen wegen Überfüllung schon in Flensburg Reisende aussteigen mussten.


In Dänemark wird aktuell über den Einsatz von Akkutriebwagen diskutiert.Transportminister Benny Engelbrecht war nach der deutsch-dänischen Verkehrskonferenz richtig begeistert von den Plänen in Schleswig-Holstein, auf nicht elektrifizierten Nebenstrecken in wenigen Jahren elektrische Züge mit Batterie einzusetzen, die auf Bahnhöfen und auf kurzen elektrifizierten Abschnitten Strom „tanken“.

Er schlug sogar vor, dass die neuen Züge von Flensburg über die Grenze bis Sonderburg rollen könnten.
Allerdings muss beachtet werden, dass die schleswig-holsteinischen Züge nicht unbedingt mit dem dänischen Bahnstromsystem harmonieren. Es sollte vielmehr überlegt werden, für den grenzüberschreitenden Regionalverkehr endlich Zweisystemzüge anzuschaffen, denn die Strecken sind ja schließlich alle mit elektrischen Oberleitungen ausgestattet.


Gut ist, dass Engelbrecht nun schon einmal einen Testbetrieb mit Akkutriebwagen auf der Bahn nach Lemvig und zwischen Helsingør und Hillerød bestellt hat, der zeigen wird, wie gerade auch außerhalb der Ballungsgebiete umweltfreundliche Bahn aussehen kann.
Es muss jedoch davor gewarnt werden, dass unter Hinweis auf Batteriezüge die Elektrifizierung des dänischen Hauptstreckennetzes weiter verschleppt wird. Dort müssen die Weichen für mehr Güterverkehr mit Elektroloks und schnelle elektrische Züge gestellt werden, um die Klimaschutzziele einhalten zu können.

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