Leitartikel

„Schnelles Geld“

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Alle können in die Situation kommen, dass sie ein Darlehen benötigen, aber niemand sollte mehrere hundert Prozent draufzahlen müssen. Freie Wirtschaft ist gut, aber nicht, wenn schwache Verbraucher ausgebootet werden, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Es ist Ende des Monats. Das Geld wird knapp. Immer mehr Menschen in Dänemark lösen das Problem, indem sie ein Darlehen aufnehmen. Mit einem sogenannten Kviklån (schnelles Darlehen) tickt das Geld nach wenigen Klicks auf das Konto ein. 5.000 Kronen, 10.000 Kronen, 25.000 Kronen oder mehr – und niemand stellt unangenehme Fragen.

Das schnelle Geld hat allerdings eine Kehrseite: horrende Zinsen. Der Verbraucherschutz (Forbrugerrådet) hat Beispiele mit Zinsen von mehr als 700 Prozent festgestellt – das Hundertfache von dem, was man normalerweise in der Bank zahlt. Ein gutes Geschäft für die Unternehmen, die mit dem schnellen Geld bereitstehen, aber eine finanzielle Falle für Verbraucher, deren Not schamlos ausgenutzt wird. Sie stehen zwar kurzzeitig mit 10.000 Kronen auf der Hand da, aber am Ende kann sie das schnelle Geld über 70.000 Kronen kosten.

Forbrugerrådet kämpft seit mehr als einem Jahrzehnt für bessere Regeln und das aus gutem Grund: das Östliche Landesgericht in Dänemark entschied zu Beginn des Jahres, dass die Machenschaften der Kviklån-Industrie völlig legal sind. Daher schlägt der Verbraucherschutz unter anderem eine Obergrenze dafür vor, wie hoch Zinsen sein dürfen, sowie eine Bedenkfrist von 48 Stunden. Schluss also mit den teuren Zwei-Minuten-Darlehen, denn so wirklich helfen sie niemandem. Außer den Geschäftsleuten.

Bisher stand der Verbraucherschutz recht allein. Doch nun kommt die Unterstützung von unerwarteter Seite: Sogar die Branchenorganisation der Banken, Finans Danmark, schlägt eine Obergrenze von 50 Prozent vor, und auch die Politiker untersuchen derzeit, wie sie die Wucherzinsen stoppen können. Alle können in die Situation kommen, dass sie ein Darlehen benötigen, aber niemand sollte mehrere hundert Prozent draufzahlen müssen. Freie Wirtschaft ist gut, aber nicht, wenn schwache Verbraucher ausgebootet werden. Die Politik muss diese Gesetzeslücke schließen: Schneller Schutz und nicht schnelles Geld ist gefragt.

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