Leitartikel

„Schade“

„Schade“

„Schade“

Apenrade/Aabenraa
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Der Schaden ist trotz Entschuldigung angerichtet: Die Dänische Volkspartei lässt Jürgensen (und die Minderheit) seinen Fauxpas spüren. Die Geschichte belegt einmal mehr, wie schwer der Umgang mit Parteien wie DF ist, meint Cornelius von Tiedemann.

Es war ein „riesiger Fehler“, den Hinrich Jürgensen machte, als er einen Beitrag im sozialen Netzwerk Facebook teilte, der andeutete, dass die Rhetorik Hermann Görings mit der der Dänischen Volkspartei vergleichbar sei.
Die Politik der Dänischen Volkspartei sei nicht mit der der Nationalsozialisten gleichzusetzen, sagte der Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger, nachdem er den Beitrag aus seinem Facebook-Profil gelöscht hatte. Und das meint er auch so, das wissen alle, die ihn kennen.

Der Schaden ist trotz Entschuldigung angerichtet: Die Dänische Volkspartei lässt Jürgensen (und die Minderheit) seinen Fauxpas spüren. Die Absage Peter Kofods zur Debatte über den Aufschwung der Rechten in Europa in der Deutschen Zentralbibliothek in Apenrade ist ein, zumindest in Nordschleswig, öffentlichkeitswirksamer Paukenschlag. Nun ist der Schwarze Peter hier nicht DF zuzuschieben, der liegt bei Jürgensen, der sich deshalb auch, wie man in Dänemark sagt, „flach hingelegt“ hat. Doch belegt diese Geschichte einmal mehr, wie schwer der Umgang mit Parteien wie DF ist.

Wer, wie auch immer, die Nazi-Karte zieht, muss sich von links und rechts den Vorwurf gefallen lassen, die Verbrechen von damals zu verharmlosen. Aber vor allem spielen solche Aktionen immer den Populisten in die Karten, die sich (und ihre Anhänger) einmal mehr als Opfer von Verunglimpfungen darstellen können, wo sie doch lupenreine Demokraten seien. Schade, dass der Kandidat fürs Europaparlament Peter Kofod das Treffen in Apenrade dieser Logik folgend absagt, anstatt sich der Diskussion darüber zu stellen, wie er und seine Partei Europapolitik machen wollen – und wie sie mit Fragen nach eben den Punkten umgehen, die Jürgensen mit seiner Facebook-Aktion auf unglückliche Art ansprechen wollte: Warum nutzt ihr diese rhetorischen Griffe, Menschen gegeneinander auszuspielen, warum funktioniert das, wo führt das hin und wie kommt es, dass ihr das gut findet? Für Kofod war Jürgensens Fehler eine Chance, Größe zu zeigen. Noch mehr Größe als die, überhaupt erst zugesagt zu haben, mit Mette Bock und Christel Schaldemose Fragen zu Europa zu beantworten. Diese Chance hat er nicht ergriffen – ohne dass ihm dies vorzuwerfen sei. Wer sich beleidigt fühlt, hat das Recht, beleidigt zu sein. Das gilt für DF-Politiker wie für alle anderen auch.

Für Jürgensen ist dieser Fehler eine Lehre im Umgang mit den digitalen sozialen Netzwerken. Im Umgang mit DF war es der eine Fehltritt, den die Minderheiten-Spitze eigentlich über viele Jahre bewundernswert diplomatisch, mit echtem Lächeln im Gesicht und vielleicht manchmal kleinen Schweißtropfen auf der Stirn, vermieden hat. Und nun? Mund abputzen und weiter machen. Das Verhältnis zu Kofod wird nun erstmal eine Weile belastet sein. Aber als beleidigte Leberwurst ist er nicht bekannt. Und nach der Wahl geht er ja auch nach Brüssel, und da spielt Minderheitenpolitik bekanntlich keine große Rolle...

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