Leitartikel

„ Saubere Kontrollen“

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Sauberes Trinkwasser wird nicht das große Thema im bevorstehenden Wahlkampf werden. Dabei ist es ein Teil unserer Grundversorgung und kann nicht hoch genug bewertet werden, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Es ist so etwas wie ein Menschenrecht, dass man in Dänemark ohne Bedenken Leitungswasser direkt aus dem Hahn trinken kann. Wer etwas außerhalb Nordeuropas herumgereist ist, weiß, dass das keine Selbstverständlichkeit ist.
Wie wertvoll das klare Wasser aus dem Untergrund ist, erleben die Bürger in Ledøje auf Seeland gerade. Seit sieben Tagen dürfen sie ihr Leitungswasser nicht mehr trinken. Wie in einem afrikanischen Dorf gehen sie täglich zu einem Wassertank und füllen sich ihre Wasserbehälter auf. Auf der einen Seite ist es ein tägliches Ärgernis, auf der anderen Seite machen sich die Dorfbewohner Gedanken darüber, was sie über die Jahre zu sich genommen haben. Wie lange sie das gifthaltige Wasser getrunken haben.

Letzte Woche teilten die dänischen Regionen mit, dass sie 63 neue Giftstoffe in dänischen Wasserbohrungen gefunden hätten. Dabei macht vor allem die Chlorothalonil-Amidsulfonsäure Sorgen – genau der Giftstoff, der in Ledøje im Wasser gefunden wurde und der krebserregend ist. Außerdem besteht ein Risiko, dass Chlorothalonil DNA-Schäden verursacht.
Wie gefährlich das Pestizid ist, das von 1982 bis 2000 unter anderem als Fungizid beim Anbau von Erdbeeren, Lauch, Kartoffeln, Erbsen, Weizen, Beeren, Zwiebeln, Gurken – im Freien und in Gewächshäusern – eingesetzt worden ist, wissen die Behörden noch nicht. Solange Zweifel bestehen, geht die Sicherheit der Bürger vor. Daher sind die Grenzwerte für Chlorothalonil sehr niedrig gesetzt, und nicht einmal Zähne sollte man in Ledøje mit Leitungswasser putzen.

Das Umwelt- und Lebensmittelministerium unter Jakob Ellemann-Jensen (Venstre) ist in Sachen Trinkwasser schon früher in die Kritik geraten. Jetzt hat sich die Reichsrevision (wieder) eingeschaltet und will dem Ministerium beim Trinkwasserschutz in die Karten schauen: Sind die Kontrollen gut genug? Minister Ellemann-Jensen begrüßt die Untersuchung, stellt aber auch fest, dass heute bereits mehr getan wird als früher, um die Trinkwasserversorgung zu sichern. Sauberes Trinkwasser wird nicht das große Thema im bevorstehenden Wahlkampf werden. Dabei ist es ein Teil unserer Grundversorgung und kann nicht hoch genug bewertet werden. Das gilt auch für die notwendigen Kontrollen, auf die Verlass sein muss. Man braucht nur die Bürger in Ledøje zu fragen.

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