Leitartikel

„Rauchende Colts zwischen Ministerien“

„Rauchende Colts zwischen Ministerien“

„Rauchende Colts zwischen Ministerien“

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Die neue Statistik über die Anzahl der Raucher in Dänemark fordert zum Handeln auf und eben nicht nur durch Initiativen der Gesundheitsministerin, sondern auch durch Preissteigerungen, meint Chefredaktuer Gwyn Nissen.

Jeder Tag bringt eine neue Statistik. Bei einigen Ergebnissen zuckt man mit den Schultern und wundert sich, wozu eigentlich alles Daten gesammelt werden. Andere wiederum haben einen ganz anderen Widerhall – so wie zum Beispiel die neueste Statistik über die Anzahl der Raucher in Dänemark.

Nachdem die Raucher über Jahrzehnte immer weniger wurden, ist die Anzahl nun in zwei aufeinander folgenden Jahren gestiegen: von 21,1 Prozent in 2016 auf nun 23 Prozent (22 Prozent der Frauen und 24 Prozent der Männer). Davon rauchen 17 Prozent täglich.

Im europäischen Vergleich kommt Dänemark noch einigermaßen gut weg und liegt immer noch im besseren Drittel. In einigen südeuropäischen Ländern raucht mehr als ein Drittel der Bevölkerung. Aber davon, dass andere mehr rauchen, werden die Dänen auch nicht gesünder.

Die neue Statistik zwingt die Politik zum Handeln und erhöht vor allem den Druck auf die Steuerpolitik der Regierung. Die VLAK-Regierung hält stur an dem Vorsatz fest, keine Steuern anheben zu wollen. Und das gilt eben auch für Zigaretten. Dänische Politiker haben Angst davor, dass der Grenzhandel noch mehr aufblüht, sollte es südlich der Grenze bei Fleggaard und Co. noch mehr Waren geben, die Dänen zum Einkauf locken.

Dabei weiß Gesundheitsministerin Ellen Trane Nørby (V) sehr wohl, dass der Preis Raucher abschrecken würde. Vor allem neue, jugendliche Raucher würden bei 70-80 Kronen pro Schachtel – statt jetzt um die 40 Kronen – gar nicht erst beginnen.

Als loyales Regierungsmitglied argumentiert Trane Nørby, dass es nicht nur um den Preis von Zigaretten geht, sondern dass auch andere Initiativen gefragt sind. Ihr Problem ist, dass sie eben nicht allein entscheiden kann, sondern dass ihr gegenüber unter anderem Steuerminister Karsten Lauritzen und auch die Regierungspartner von der Liberalen Allianz stehen. Und hier zieht sie den Kürzeren. Noch.

Denn die neue Statistik fordert zum Handeln auf und eben nicht nur durch die Initiativen der Gesundheitsministerin, sondern auch durch Preissteigerungen. Die nordschleswigschen Kommunen in Grenznähe müssen sich dann etwas Besonderes einfallen lassen, damit die Nordschleswiger nicht zu den Rauchern der Nation werden. Die jetzige Politik hat den Kampf gegen das Rauchen verloren – daran festzuhalten wäre daher ein Schuss ins eigene Bein.

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