Leitartikel

Propaganda

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Apenrade/Aabenraa
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Foto: Dominic Lipinski / Ritzau Scanpix

Fake News sind in aller Munde und verwirren und verunsichern die Menschen. Zum Glück ist Dänemark, auch wegen seiner vielen hervorragenden Journalisten und der Medienförderung, weniger anfällig für Falschmeldungen als zum Beispiel die USA, meint Cornelius von Tiedemann, der aber warnt, dass auch wir wachsam bleiben müssen – und kritisch.

Der Begriff Fake News hat sich innerhalb kürzester Zeit über unseren Globus verbreitet. Und jeder meint zu wissen, was damit gemeint ist. Doch ist das wirklich so – und meinen wir alle dasselbe, wenn wir von Fake News sprechen?

Per Definition sind Fake News gezielt gestreute Unwahrheiten, die in ihrem Stil an seriöse Nachrichten angelehnt sind bzw. sie nachahmen. Das macht es manches Mal auch so schwer, sie zu identifizieren.

Erst kürzlich verbreitete ein Däne auf Facebook einen Bericht, demzufolge dänische Urlauber in Deutschland von einer „Pfandkontrolle Nord“ genannten Einheit auf Getränke aus dem Grenzhandel kontrolliert würden. Der Bericht war dermaßen eng an journalistische Texte angelehnt, dass nicht wenige wirklich glaubten, was da verbreitet wurde – und sich dementsprechend empörten oder ihrer Zustimmung Ausdruck verliehen.

Fest steht, dass solche Fake News am liebsten wunde Punkte berühren – wie hier das doppelmoralische Verhalten vieler Menschen in Dänemark. Die, die ein „Dänemark zuerst“ wollen – und gleichzeitig mit ihrem Geld nach Deutschland fahren, um dort ungesunde Lebensmittel zu kaufen und die Profite und die anfallenden Abgaben nicht in Dänemark zu halten, sondern höchstpersönlich ins Ausland zu verfrachten. Doch vor allem durch Donald Trump ist der Begriff Fake News auch zum Kampfbegriff der autoritären Rechten gegen die freien Medien, gegen den seriösen Journalismus geworden. Trump wischt jede Berichterstattung, die ihm nicht passt, mit dem Begriff Fake News beiseite. Und damit unterhöhlt er das Vertrauen der Bürger in die Medien.

Nun ist die Medienlandschaft in den USA weit mehr mit tendenziösen Publikationen und Sendern durchsetzt, als die in Dänemark – weshalb Trump gar nicht jedes Mal unrecht hat, wenn er Berichte angreift. Doch die Strategie dahinter ist es, kritische, seriöse Journalisten zu diskreditieren und auf eine Stufe mit Scharlatanen zu stellen. Jenen Scharlatanen, die für die Machthungrigen ihrerseits waschechte Fake News herstellen und verbreiten. Und das alles kennen wir schon lange. Propaganda nannte sich das früher, in veredelter Form dann Spin.

Zum Glück ist Dänemark, auch wegen seiner vielen hervorragenden Journalisten und der Medienförderung, weniger anfällig als zum Beispiel die USA.

Doch auch wir müssen wachsam bleiben – und kritisch. Zum Beispiel, wenn wir uns fragen, ob die drastischen Kürzungen bei DR wirklich für mehr Vielfalt und Informationen sorgen – und ob wir, wenn schon nicht den Fake News, dann doch den Spin Doktoren nicht doch zu häufig auf den Leim gehen.

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