Leitartikel

„Der politische Verbraucher“

„Der politische Verbraucher“

„Der politische Verbraucher“

Kopenhagen
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Verbraucher haben heutzutage eine ungeheure macht. Als Unternehmen oder Organisation kann man sich nicht früh genug damit auseinandersetzen, worauf die Verbraucher morgen reagieren werden, will man seinen nutzen daraus zziehen, meint Chefredakteuer Gwyn Nissen.

Es gab ihn schon immer, den politischen Verbraucher. Der beim Einkaufen nicht nur an sich selbst denkt, sondern auch an andere. An das Klima, beispielsweise. Oder an das Wohl der Tiere. Man muss nur die französischen Winzer fragen, die für die Atompolitik ihres Landes büßen mussten, oder Jensens Bøfhus, das von den Verbrauchern abgestraft wurde, weil man den Besitzer eines Fischrestaurants zwingen wollte, den Namen Jensens Fiskehus aufzugeben.

Im Grunde genommen sind wir alle politische Verbraucher. Bei jedem Einkauf. Einige handeln dabei aber bewusster als andere. Der politische Verbraucher ist nun aber vor allem eines geworden: lauter. Nicht zuletzt wegen sozialer Plattformen. Kein Supermarkt und kein Produzent kann es sich heute leisten, sich mit den Verbrauchern anzulegen. Noch weniger als früher.

Seit mehreren Jahren wenden sich immer mehr Verbraucher gegen den steigenden Konsum. Wiederverwertung ist voll im Trend: Selbstgebaute Palettensitze statt teure Gartenmöbel, Retrolampen, Regale aus unserer Jugend und bunte Keramik erhalten neues Leben. Das merken die Möbelgeschäfte.

Aber auch gegen die Verschwendung von Lebensmittteln gibt es in Dänemark eine erfolgreiche politische Bewegung. Die es sogar geschafft hat, die großen Einkaufsketten davon zu überzeugen, einen Einsatz zu leisten.

Und aus einer ganz neuen Ecke: Die Fans von FC København haben dagegen protestiert, dass der dänische Spitzenklub sein Trainingslager in Dubai durchführt. Der Verein teilte nun mit, dass er nächstes Jahr einen anderen Trainingsplatz suchen wird. Dass sich der Fußballfan politisch zu Wort meldet, ist eine überraschende, aber natürliche Entwicklung.

Was wir in den kommenden Jahren erwarten können, zeigen auch die Leser der dänischen Tageszeitung Politiken. Sie kritisierten den Reisejournalismus des Blatts: Auf der einen Seite setze sich Politiken für ein besseres Klima ein, auf der anderen Seite berichtet die Zeitung über Auslandsreisen nach Übersee. Politiken hat die Kritik angenommen und wird daher in Zukunft, so Chefredakteur Christian Jensen, auch über die Klimabelastung von Reisen berichten – und bei eigenen Reisen für die Klimabelastung kompensieren.

Es kommt noch einiges auf die Wirtschaft zu. Als Unternehmen oder Organisation kann man sich nicht früh genug damit auseinandersetzen, worauf die Verbraucher morgen reagieren werden. Das braucht keine Bedrohung sein, sondern kann auch zu einem wirtschaftlichen Vorteil gedreht werden – wenn man den Trend der Verbraucher früher erkennt als die Konkurrenz.

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