Leitartikel

„Politik ohne Filter“

Politik ohne Filter

Politik ohne Filter

Nordschleswig/Sønderjylland
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Raucher benötigen Nachhilfeunterricht. So zumindest kann man den politischen Beschluss auslegen, den eine große Mehrheit im Folketing beschlossen hat, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Alle wissen es, und doch werden in Dänemark derzeit mehr Zigaretten geraucht als in den Vorjahren: Rauchen ist gesundheitsschädlich. Ja, wir sterben davon. Grund genug also für die Politiker im dänischen Folketing, nun endlich eine Reihe von Maßnahmen zu beschließen.

Lange Zeit hat man den Verdacht gehegt, dass die Landespolitiker nur halbherzige Maßnahmen durchführen, um so weiterhin Tabaksteuern in Höhe von sieben Milliarden Kronen jährlich kassieren zu können. Auch bei der Diskussion um die zukünftigen Zigarettenpreise trauten sich die Politiker nicht zu klotzen: Bei einem Preis von 80 Kronen pro Schachtel würden viele zwar die schlechte Gewohnheit aufgeben, doch dem Staat würden Einnahmen in Höhe von mehr als zwei Milliarden Kronen entgehen – und auch der Grenzhandel würde belebt werden.

Dass die Gesundheit der Dänen davon profitieren könnte, geriet fast schon zur Nebensache. Doch nun reden die Politiker endlich ohne Filter: Die Packung Zigaretten wird in Zukunft 60 Kronen kosten, und dazu kommen noch eine Reihe von Maßnahmen, die dafür sorgen sollen, dass weniger Bürger rauchen.

Vor allem Kinder und Jugendliche – davon fangen jeden Tag 40 mit dem Rauchen an – sollen beschützt werden: In der Schulzeit soll in Zukunft nicht mehr geraucht werden – auch außerhalb des Schulgeländes nicht – und bei den E-Zigaretten verschwinden bis auf Tabak und Menthol alle anderen Geschmacksrichtungen. Es soll den Jugendlichen gar nicht erst schmackhaft gemacht werden, wohlduftenden Rauch zu inhalieren. Die Ambition ist es nämlich, bereits in zehn Jahren eine rauchfreie Generation zu haben.

Nachhilfe für die jetzigen Raucher gibt es auch: weniger Werbung, neutrale Packungen und alles im Kiosk oder Supermarkt gut versteckt.

Jahrzehnte lang sind wechselweise das schlechte Gewissen der Raucher oder die Sorge um die eigene Gesundheit vorgeschoben worden, doch Kampagnen und mahnende Worte allein reichen nicht aus. Das zeigt die Statistik. Auch bei den jetzigen Maßnahmen werden immer noch zu viele am Glimmstängel ziehen, doch es ist ein weiterer notwendiger Schritt in die richtige Richtung. Am Ende werden sich viele Ex-Raucher dafür bedanken, dass jemand sich die Mühe gemacht hat, an ihre Gesundheit zu denken – auch wenn sich einige Raucher eher verfolgt fühlen. Aber damit müssen sie leben.

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