Leitartikel

Peinliches Benehmen

Peinliches Benehmen

Peinliches Benehmen

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Eine Entschuldigung, aber kein Eingeständnis, wenn es um die wettbewerbsrechtlichen Fragen geht: Was ist Falcks Entschuldigung an Bios dann wert? Nicht viel. Rein rechtlich bewegt die Entschuldigung nichts. Sie kann höchstens das Image des Falck-Konzerns ein wenig verbessern, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Es wurde ein Stückchen dänische Wirtschaftsgeschichte geschrieben, als das dänische Rettungsunternehmen Falck sich am Freitag für sein Verhalten in Verbindung mit dem „Bios-Fall“ entschuldigte.

Die Vorgeschichte: 2014 gewann das holländische Unternehmen Bios die Ausschreibung für Ambulanzfahrten und Rettungseinsätze in Süddänemark. Ein jahrelanges Monopol schien gebrochen, doch Verlierer Falck legte den Holländern von Beginn an Hindernisse in den Weg, und Bios kam nur holpernd in Fahrt. Das holländische Unternehmen konnte weder Dienstpläne noch Rettungszeiten einhalten, und schließlich sah sich die Region Süddänemark gezwungen, einzuschreiten und Bios abzusetzen. Allerdings kehrte die Region nicht zu Falck zurück, sondern bildete einen eigenen Rettungsdienst, der heute noch fährt.

Falck wird nach einer Klage von Bios indes von den Wettbewerbsbehörden untersucht, und eine erste Stellungnahme der Behörden (die nicht veröffentlicht worden ist) hat nun Falck dazu bewogen, sich vorweg zu entschuldigen.

Falck-Chef Jakob Riis spricht in der Entschuldigung von einem „peinlichen Verhalten“ seines Unternehmens. Falck habe selbst gegen Bios recherchiert und Journalisten mit Informationen gefüttert. Das Verhalten sei „unvereinbar mit den Werten“ des Unternehmens, und Falck wolle „nie wieder in einer solchen Situation stehen“, sagt Jakob Riis, der erst nach dem Bios-Fall Chef von Falck geworden ist.

Riis stellt aber gleichzeitig fest, dass die Entschuldigung kein Eingeständnis ist, wenn es um die wettbewerbsrechtlichen Fragen geht. Dazu wird noch die Wettbewerbsbehörde und danach vielleicht auch die Polizei Stellung nehmen.

Was ist Falcks Entschuldigung dann wert? Nicht viel. Rein rechtlich bewegt die Entschuldigung nichts. Sie kann höchstens das Image des Falck-Konzerns ein wenig verbessern, denn daran besteht kein Zweifel: Falck schlug als enttäuschter Verlierer zumindest moralisch den falschen Weg ein. Daher ist die Entschuldigung auch ein deutliches Signal an andere Unternehmen, dass man sich als Verlierer nach Ausschreibungen auf einem schmalen Grat bewegt – sowohl rechtlich, als auch moralisch.

Ja, Falck legte Bios jede Menge Hindernisse in den Weg. Bios selbst hatte die Situation damals aber auch falsch eingeschätzt und wäre auch so in Schwierigkeiten geraten. Die Holländer wussten scheinbar nicht von dem Mangel an Rettungskräften im Lande, was bedeutete, dass Falck viele Mitarbeiter aus Süddänemark nach der verlorenen Ausschreibung in anderen Regionen einsetzen konnte. Und schließlich unterschätzte Bios den Zusammenhalt der Falck-Rettungskräfte. Als seien sie gemeinsam geimpft oder mit dem Falken tätoviert worden: Viele der Falck-Mitarbeiter hielten ihrem alten Arbeitgeber die Treue, und so liefen Bios die Mitarbeiter und zuletzt die Zeit aus.

Ob Jakob Riis recht behält oder ob Bios mit seiner Klage noch die Flügel des dänischen Falken stutzt, wird sich erst nach einiger Zeit zeigen. Riis hat mit seiner Entschuldigung wenigstens Mut gezeigt und den moralischen Kurs seines Unternehmens geändert. Das war auch nötig nach dem peinlichen Benehmen seiner Vorgänger.

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